Vize-Landeshauptmann und FPÖ-Landeschef Manfred Haimbuchner

Vize-Landeshauptmann und FPÖ-Landeschef Manfred Haimbuchner beim Wahlkampfauftakt.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Österreich
09/22/2021

FPÖ-Landesräte inserierten um über 100.000 Euro im rechten „Wochenblick“

Zeitung bezeichnet Corona als „Schwindel“. Trotzdem flossen öffentliche Gelder – und zwar üppig.

von Jakob Winter, Katharina Zwins

Der „Wochenblick“ ist zwar nur eine kleine, oberösterreichische Wochenzeitung mit Mini-Redaktion – und doch hat es das Blatt bereits zu zweifelhafter Bekanntheit gebracht. Die renommierten deutschen Faktenchecker von „Correctiv“, die im Auftrag des Digitalkonzerns Facebook Falschbehauptungen nachspüren, haben zuletzt nicht weniger als 30 „Wochenblick“-Artikel gecheckt – und richtiggestellt.

In einem der Artikel spekulierte der „Wochenblick“ darüber, ob ein 13-jähriges Mädchen gestorben sei, weil es Mund-Nasen-Schutz getragen hatte. Das Gerücht stellte sich als falsch heraus. Doch die Story zog weite Kreise: Eine Kopie des „Wochenblick“-Artikels fanden deutsche Polizisten im November des Vorjahres am Beifahrersitz jenes Mannes, der mit seinem VW-Kombi in den Eingangsbereich des deutschen Kanzleramtes krachte. Auf dem Auto stand in weißer Schrift: „Ihr verdammten Kinder- und alte Menschen-Mörder“, auf der anderen Seite „Stop der Globalisierungs-Politik“.

Zuspitzung, brachiale Headlines und teils Verzerrung der Realität sind Markenzeichen des „Wochenblick“, der vor allem digital hohe Reichweiten – bis nach Deutschland – erzielt. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) bezeichnet das Medium als „Desinformationsprojekt am rechten Rand“. Und rechts ist die Zeitungsredaktion allemal: Für das Blatt schrieben bereits ehemalige Mitstreiter der extrem rechten  Identitären Bewegung. Die Berichterstattung klingt dann so: Corona gilt dem „Wochenblick“ als „Schwindel“, die Virus-Mutationen als „Marketing-Gag“. Maßnahmen gegen die „sogenannte ‚Pandemie‘“ bezeichnen die rechten Schreiber als „absurd und überwiegend sinnlos“ – stattdessen preisen sie Alternativen zur Impfung an: Vom Mundwasser bis zum Extrakt der Zistrose – eine Pflanze, die „zu 100 Prozent“ gegen Corona-Erkrankung wirke (Anmerkung von profil: Probieren Sie das lieber nicht aus und halten Sie sich an die Empfehlungen von Virologinnen, Epidemiologen und Ärzten). Im Sonderheft „Corona-Crash 2021“ prognostiziert die „Wochenblick“-Redaktion ein düsteres Szenario: „Massenarbeitslosigkeit und ein Pleiten-Tsunami werden 2021 unsere wirtschaftlichen Fundamente zum Einsturz bringen.“

Ungeklärt ist bis heute, wie sich die 2016 gegründete Zeitung genau finanziert. Geldgeber sollen dem Blatt 850.000 Euro im Jahr überweisen, ihre Identität wird geheimgehalten.

Einen Finanzierungsstrom des „Wochenblick“ legte nun der grüne Klubobmann im oberösterreichischen Landtag, Severin Mayr, offen: Er stellte parlamentarische Anfragen an die drei FPÖ-Landesräte in Oberösterreich und fragte, um welche Summen sie im „Wochenblick“ inserierten. Die Antworten trudelten Anfang der Woche ein und liegen profil und den „Oberösterreichischen Nachrichten“ vor. Demnach inserierte Vize-Landeshauptmann und FPÖ-Landeschef Manfred Haimbuchner in den Jahren 2018 bis 2021 um 67.000 Euro im „Wochenblick“, davon entfielen knapp 24.000 Euro auf das Wahljahr 2021. Verkehrslandesrat Günther Steinkellner schaltete in den vier Jahren Anzeigen über 24.000 Euro, Sicherheitslandesrat Wolfgang Klinger (und sein Vorgänger Elmar Podgorschek) über weitere 12.000 Euro. Insgesamt also stolze 104.000 Euro, die aus blauen Regierungsbüros in Oberösterreich an das Rechtsaußen-Medium flossen. Beworben wurden in Inseraten etwa die Wohnbeihilfe, die oberösterreichische Familienkarte oder die „krisensichere Trinkwasserversorgung“.

Anfragesteller Mayr von den Grünen kritisiert die Inseratengelder für den „Wochenblick“: „Die FPÖ-Landesräte pumpen große Summen in ein Medium, das seit langem durch verharmlosende Corona-Berichterstattung auffällt. Das ist auch angesichts dessen, dass Oberösterreich gleichzeitig versucht, die Impfbereitschaft zu steigern, unerträglich.“

Die Anfragebeantwortung kommt für den Grünen Mayr zur rechten Zeit: Am Sonntag wird in Oberösterreich ein neuer Landtag gewählt. Die Grünen wollen sich der ÖVP als verantwortungsvollerer Koalitionspartner anbieten – und die derzeit mitregierende FPÖ ausbooten.

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