Fußball und Flüchtlinge: Ein neuer Patriotismus verändert das Land

Fußball und Flüchtlinge: Ein neuer Patriotismus verändert das Land

Mit der fulminanten EM-Qualifikation hat das ÖFB-Team einen kollektiven Freudentaumel in Österreich ausgelöst. Gleichzeitig äußert sich in der Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen eine neue, uneigennützige Form von Nationalstolz. Ist Patriotismus vielleicht doch nicht so böse?

Wie Österreich im September 2015 aussieht, wie es fühlt, fiebert und feiert, lässt sich anschaulich in zwei Zügen beschreiben. Beide fuhren am vorvergangenen Samstag am Wiener Westbahnhof ein. Der eine kam aus Ungarn und brachte Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, die auf ihrer Reise nach Deutschland vorübergehend auf einem Bahnsteig in Rudolfsheim-Fünfhaus zwischenlandeten. Dort wurden sie aufs Herzlichste empfangen: von Flüchtlingen, die schon vorher angekommen waren, von ÖBB-Bediensteten und Caritas-Mitarbeitern, die sich zu deren Betreuung eingefunden hatten, von den freiwilligen Helfern, die eine Art Spalier für die internationalen Gäste bildeten. Sie jubelten und klatschten, verteilten Zigaretten, Obst und Wasser und vermittelten dadurch ein zutiefst anrührendes Bild von Mitmenschlichkeit, das man in Österreich kaum für möglich gehalten hätte (weshalb viele die Szene auch schnell mit der Handykamera festhielten). Eine ältere Dame am Rande des Bahnsteigs wurde heiser, aber nicht müde, den offiziösen Tagesgruß zu skandieren: „Refugees Welcome!“

Der zweite Zug traf etwas später ein, aus dem Westen, von Salzburg her. Neben unscheinbaren Wochenendpendlern stiegen auch ein paar Dutzend Fußballfans aus. Sie waren unterwegs zum EM-Qualifikationsspiel des österreichischen Nationalteams gegen Moldau im Ernst-Happel-Stadion und waren unschwer am handelsüblichen Ornat zu erkennen: rot-weiß-rote Schals, Teamdressen, Bierdosen.

Lesen Sie die Titelgeschichte von Sven Gächter , Sebastian Hofer und Rosemarie Schwaiger in der aktuellen Printausgabe oder als E-Paper (www.profil.at/epaper)!