Gerichtspsychiaterin Wörgötter kritisiert Justizministerium

Gerichtspsychiaterin Wörgötter kritisiert Justizministerium

Gerichtspsychiaterin Gabriele Wörgötter zu Reformplänen im Maßnahmenvollzug: „Gefährliche Kurzsichtigkeit“.

Vergangene Woche berichtete profil über den Plan der Stadt Wien, die einzige Psychiatrie für Häftlinge in Wien zu schließen. In der aktuellen Ausgabe des Magazins warnt die Gerichtspsychiaterin Gabriele Wörgötter vor einer weiteren „gefährlichen Kurzsichtigkeit“.

Im Justizministerium denkt man über über höhere Hürden für die Einweisung in den Maßnahmenvollzug nach. Wer eine Straftat aufgrund einer psychischen Erkrankung im Zustand der Zurechnungsunfähigkeit begeht, wird in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen, wenn das Delikt mit mehr als einem Jahr Haft bedroht ist. Künftig soll das erst bei Delikten mit über drei Jahren Strafandrohung gelten.

Damit verringere man die Zahl der Maßnahme-Patienten zulasten der öffentlichen Sicherheit, sagt Wörgötter gegenüber profil: „Die Folge wäre, dass mehr psychisch Kranke, von denen eine Gefährlichkeit ausgeht, unbehandelt bleiben, denn weder das Gesundheitssystem noch das Unterbringungsgesetz ist auf diese Gruppe ausgerichtet.“ Wörgötter fordert stattdessen, Geld zu investieren, um die Behandlung im Maßnahmenvollzug zu verbessern und dringend nötige Betreuungseinrichtungen für Ex-Insassen zu schaffen.