Hans Peter Doskozil: "Einen Mann trifft Kritik genauso"

Hans Peter Doskozil

Hans Peter Doskozil

Der künftige Landeshauptmann des Burgenlandes Hans Peter Doskozil über seinen Anspruch, in der Partei mitzureden, und den Kulturwandel unter einer weiblichen Parteichefin.

profil: Haben die Bobos in der SPÖ-Zentrale die Macht übernommen, wie eine steirische Abgeordnete beklagt?
Doskozil: Solche Zuordnungen sollte man nicht machen. Richten wir uns nix aus, sondern setzen wir uns mit Inhalten auseinander. Wechsel in einem Team sind immer schmerzvoll, weil sie persönliche Beziehungen belasten. Aber der Schmerz wird sich legen. Jeder muss sich sein Team selbst aussuchen können.

profil: Aber verstehen Sie Bedenken, dass Gutbürgerliche wie Rendi-Wagner und Drozda einfache Menschen zu wenig ansprechen?
Doskozil: Die beiden müssen sich jetzt ein Profil erarbeiten, mit dem sie die Sozialdemokratie in ihrer Breite repräsentieren. Das kann gelingen. Man landet ja viel zu schnell in einer Schublade. So war ich schnell der Rechte, weil ich bei Zuwanderung und Migration einen pragmatischen Kurs fahre. Mit meiner aktuellen Forderung nach einem Mindestlohn von 1700 Euro netto bin ich ein Linker – denn dagegen gibt es auch in der Sozialdemokratie Widerstände.

profil: Stimmt der Kurs der SPÖ oder muss Rendi-Wagner nach Kern umschwenken?
Doskozil: Der Entwurf zum Parteiprogramm kann so beschlossen werden. Darüber hinaus muss die SPÖ ihr Profil noch schärfen, um noch glaubwürdiger zu werden. Manchmal sind wir nicht konsequent genug und schwimmen zu stark mit dem Mainstream mit. Ein Beispiel: Wenn man einen Mindestlohn fordert, muss man ihn im Sinne der Glaubwürdigkeit auch dort umsetzen, wo man zuständig ist. Ich will 1700 Euro netto im gesamten Landesdienst und in allen ausgelagerten Betrieben inklusive Spitäler. Davon werden massiv Handwerker oder Reinigungskräfte profitieren. Das soll ein Anstoß für ganz Österreich sein und zeigen, dass wir die Partei der hart arbeitenden Menschen sind.


Nachdem ich das Migrationspapier mitverfasst habe, ist das ein Bereich, in dem ich meine Positionen einbringen werde.

profil: Wird Landeshauptmann Doskozil generell in der Bundespolitik mitmischen?
Doskozil: In erster Linie mache ich fürs Burgenland Politik, aber ich bin ja auch stellvertretender Vorsitzender der Bundespartei. Und es gibt Themen, die über das Bundesland hinauswirken. Bei Pflege, Umwelt oder Mindestlohn gehe ich schon davon aus, dass wir uns eng akkordieren. Nachdem ich das Migrationspapier mitverfasst habe, ist vor allem das ein Bereich, in dem ich meine Erfahrungen und Positionen gerne einbringen werde.

profil: Sie regieren mit der FPÖ. Wie schätzen sie Rendi-Wagner in der Frage ein, ob die FPÖ auch im Bund ein möglicher Partner sein könnte?
Doskozil: Das ist zu früh, das zu beurteilen. Es geht darum, wie sich die FPÖ entwickelt – auf Bundesebene nicht sehr positiv, wenn ich an die massiven Verschlechterungen für Arbeitnehmer und an die Debatten über die Pressefreiheit denke.

profil: Und im Burgenland?
Doskozil: Dort läuft es gut. Handschlagqualität und Vertrauen sind intakt.

profil: Teilen Sie die Sorgen von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, dass sich Pamela Rendi-Wagner als alleinige Chefin im Parlamentsklub übernimmt?
Doskozil: Es gibt ja auch Stellvertreter, zum Beispiel den erfahrenen Andreas Schieder. Funktionsbezeichnungen sind das eine, die konkrete Arbeitsteilung das andere.

profil: Muss man bei einer weiblichen Chefin besser aufpassen, nicht als Macho dazustehen, wenn man etwas ausrichtet?
Doskozil: Trennen wir uns von der Mann-Frau-Unterscheidung. Es geht um die Qualität der Arbeit. Ich bin gegen Empfindlichkeiten. Wenn ich jemanden kritisiere, und er ist ein Mann, trifft ihn das genauso.

profil: Wie sehr glauben Sie daran, dass Christian Kern nach Brüssel geht?
Doskozil: Er hat gesagt, er wird unser Spitzenkandidat. Ich muss ihn beim Wort nehmen. Mehr kann ich nicht.

profil: Wie stark sollen die Bundesländer beim EU-Team mitreden?
Doskozil: Die Bundespartei muss für eine nachvollziehbare Reihung sorgen. Aber wer die Kandidaten aus unserem Bundesland sind, entscheiden wir.

Interview: Clemens Neuhold