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Österreich
11/03/2020

Jens Hoffmann über den Terror in Wien: "Bilder erhöhen Nachahmungsgefahr"

Kriminalpsychologe Jens Hoffmann über den Terror in Wien und wie man vermeidet, den Täter berühmt zu machen.

von Ines Holzmüller

profil: Wie haben Sie die Geschehnisse in Wien gestern wahrgenommen?

Hoffmann: Wir haben das natürlich mit Schrecken verfolgt, wir haben auch Familie in Wien.

profil: Was sagen Sie zur Vorgangsweise des Täters oder der Täter? Ein bekannter Täter ist ja IS-Sympathisant und vorbestraft, weil er nach Syrien reisen und sich dort der Terrororganisation anschließen wollte.

Hoffmann: Der IS hat sich in der Anfangsphase sehr strategisch ausgerichtet. Auch wenn er mittlerweile dezimiert ist, schafft er es immer wieder gut, Verbindungen nach Europa aufzugreifen - das ist fast wie ein Franchise-System. Und das ist auch sein Ziel, ein Signal zu senden: "Wir sind noch da". Die Menschen sollen in Angst versetzt werden. Der zeitliche Konnex mit den Anschlägen in Frankreich könnte auch dazu dienen, hier einen Zusammenhang, einen größeren "Masterplan", vorzutäuschen.

profil: Momentan scheint es, als habe es sich um Einzeltäter gehandelt. Was kann man über diese sagen?

Hoffmann: Einzeltäter sind häufig labil und auch psychisch auffällig. Sie wollen durch eine solche Tat Bedeutung und Selbstbewusstsein erlangen. Auch legen sie ihren Glauben oft sehr streng aus und sind übergenau in der Durchführung solcher Taten. Viele haben auch definitiv eine Lust an Gewalt.

profil: Wie soll man mit Videos von der Tat in den sozialen Medien umgehen?

Hoffmann: Die Videos sind draußen und werden auch nicht mehr verschwinden, man sollte aber trotzdem die Pietät wahren und an die Betroffenen und Angehörigen denken. Gleichzeitig muss man anerkennen, dass viele Menschen jetzt Angst haben und diese auch ernst nehmen und nicht schönreden, was passiert ist.

profil: Wie vermeidet man, den Täter berühmt zu machen?

Hoffmann: Auch um keinen Anreiz für Nachahmer zu schaffen, sollte man den Täter nicht als übermächtigen Bösen darstellen, sondern ihn auch normal mit all seinen Hintergründen schildern - ohne natürlich seine Taten irgendwie zu rechtfertigen. Sein Gesicht sollte immer verpixelt werden und man sollte auch nicht seinen ganzen Namen erwähnen.

profil: Das betrifft vor allem Medien. Einige österreichische Medien zeigten gestern tödliche Schüsse und Bilder der Opfer.

Hoffmann: Das ist natürlich pietätlos und das sollte man auf keinen Fall machen. Je detaillierter die Bilder, desto größer auch die Gefahr der Nachahmung. Man sollte dem Täter am besten gar keine große Individualität zugestehen. Davon abgesehen kann es auch viele Menschen sehr belasten, so etwas in den Medien zu sehen. Über die Opfer sollte man aber sehr wohl sprechen. Das ist auch eine gute Möglichkeit, unsere Trauer zu zeigen.

 

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