<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Drüben an ­hüben!

Jörg Haider - <small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Drüben an ­hüben!

Jörg Haider hat offenbar jüngst zu ­Stefan Petzner gesprochen. Aber, ganz im Vertrauen: Nicht nur zu ihm.

profil: Herr Haider, Sie haben sich also bei Stefan Petzner gemeldet, um ihm mitzuteilen, dass er sich wegen seines Parteiausschlusses nicht kränken soll, weil es für ihn eh hoch an der Zeit war, dem BZÖ den Rücken zu kehren. Haben Sie Ihrem Nach-Nachfolger Gerald Grosz auch etwas gesagt?
Haider: Ja: „Wer bist du noch einmal?“

profil: Das ist allerdings in diesem Fall eine wirklich mehr als berechtigte Frage. Wobei er ja andererseits als braver Haider-Verehrer erst jetzt wieder, zu Ihrem fünften Todestag, lautstark Ihrer gedacht hat.
Haider: Und was bitte soll ich dagegen machen?

profil: Naja … Ihnen ist doch immer irgendwas Spektakuläres eingefallen. Wie wäre es mit Blitze schicken oder so?
Haider: Auch wenn es Ihnen möglicherweise schwerfällt, das zu glauben, aber ich bin da, wo ich bin, nicht in der Position für so was. Zumindest noch nicht.

profil: Das heißt, Sie arbeiten daran?
Haider: Nun, es gibt hier genug Leute, die mit der Altpartei unzufrieden sind. Die zum Beispiel nicht mehr einsehen, dass jeder, wirklich jeder, einfach so ins Jenseits darf. Ich sage: Der Friedhof ist voll!

profil: Ich sehe da ein Volksbegehren herandräuen. Und wenn Sie einen Alternativvorschlag erarbeitet haben, lassen Sie es mich bitte unbedingt wissen. Aber kommen wir zurück zu den irdischen Dingen. Was sagen Sie denn zu dem Wahlergebnis, das dazu geführt hat, dass das BZÖ nur mehr in den feuchten Träumen seiner paar Restfunktionäre existiert?
Haider: Nun ja. Zum Glück hab ich bis in alle Ewigkeit 1,8 Promille.

profil: Und dass Kärnten wieder einen roten Landeshauptmann hat?
Haider: Okay, Sie haben recht. 1,8 Promille sind nicht genug.

profil: Hätten Sie gedacht, dass sich Ihr Erbe binnen fünf Jahren praktisch in Luft auflöst?
Haider: Was sich aufgelöst hat, war ja nur die Partei. Und das ist ja auch kein Wunder, wenn man sich die ganzen schwer Vermittelbaren anschaut, die in meinem Fahrwasser mitgeschwommen sind. Aber mein Erbe ist bitte schön völlig intakt! Nehmen Sie nur zum Beispiel einmal die österreichische Asylgesetzgebung: Die stammt praktisch Wort für Wort von mir.

profil: Stimmt. Und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner hätte eigentlich perfekt zur Haider-FPÖ gepasst.
Haider: Eine Helene Partik-Pablé für noch Ärmere!

profil: Aber was ist sonst noch geblieben? In Kärnten ist gerade einmal eine Autobahnbrücke nach Ihnen benannt worden.
Haider: Das ist ein bissl schwach, zugegeben. Sie sollten lieber das leere Wörthersee-Stadion nach mir benennen. Bei dem denkt doch sowieso jeder an mich.

profil: Eine Zeitlang hat das ja „Hypo Group Arena“ geheißen. Jetzt komischerweise nicht mehr.
Haider: Gutes Stichwort! Wenn die Hypo nicht ein Erbstück ist, von dem alle Österreicher ganz lange etwas haben werden, was denn bitte sonst?

profil: Es gibt Menschen, die behaupten, wenn sie noch lebten, würden Sie heute wegen der Hypo vor Gericht stehen.
Haider: Das glauben Sie doch wohl nicht im Ernst.

profil: Weil Sie sich nichts zuschulden kommen lassen haben?
Haider: Weil man einen Jörg Haider nicht einfach so vor Gericht gestellt hätte. Außer man hätte erreichen wollen, dass er bei der nächsten Kärntner Wahl eine Zweidrittelmehrheit hat.

profil: Der Herr Martinz hat in erster Instanz fünfeinhalb Jahre ausgefasst.
Haider: Sie wollen den Martinz mit mir vergleichen? Kann es sein, dass Sie bei Deutsch-Feistritz gegen Barcelona auf ein Unentschieden wetten würden?

profil: Ihr eigentlicher Erbe als Parteichef ist ja in Wirklichkeit natürlich nicht Herr Grosz sondern H. C. Strache. Wie stehen Sie denn heute zu dem?
Haider: Ich würde mir jederzeit eine Jacketkrone von ihm machen lassen.

profil: Das ist alles? Das heißt, Sie würden sich nach wie vor nicht mit ihm versöhnen?
Haider: Also gut. Ich bin nicht nachtragend. Von mir aus auch zwei Jacketkronen.

profil: Immerhin hat er aber die FPÖ jetzt wieder auf über 20 Prozent gebracht. Trotz der Konkurrenz durch Frank Stronach.
Haider: Der Stronach war doch bitte keine Konkurrenz. Über den lachen hier bei uns sogar die Neandertaler. Und bis die einen Witz endlich einmal kapiert haben, das dauert normalerweise zwei, drei Eiszeiten.

profil: Wenn Sie noch einmal zurück könnten, würden Sie immer noch das Traumziel haben, Bundeskanzler zu werden?
Haider: Jetzt, wo das sogar schon der Faymann sein darf, ist der Job natürlich restlos entwertet. Jetzt wär ich lieber Angie.

profil: Merkel?
Haider: Jolie!

rainer.nikowitz@profil.at