Klasnic-Kommission-Mitglied Scholz: „Wünsche mir Geste wie von Vranitzky“

(v.l.) Kurt Scholz, Caroline List, Kommissions-Vorsitzende Waltraud Klasinc, BP Heinz Fischer, Ulla Konrad, Udo Jesionek, Hubert Feichtlbauer und Herwig Bösele im Rahmen der Übergabe des Zwischenberichtes der Opferschutzkommission an den Bundespräsidenten

(v.l.) Kurt Scholz, Caroline List, Kommissions-Vorsitzende Waltraud Klasinc, BP Heinz Fischer, Ulla Konrad, Udo Jesionek, Hubert Feichtlbauer und Herwig Bösele im Rahmen der Übergabe des Zwischenberichtes der Opferschutzkommission an den Bundespräsidenten

Ehemalige Heimkinder warten bis heute auf eine offizielle Zeremonie – Justizminister Brandstetter verspricht Mithilfe bei Aufarbeitung.

„profil“ zieht in seiner aktuellen Ausgabe (16/03) Bilanz über einen der größten Skandale der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Tausende Kinder wurden in den Jahrzehnten nach dem Krieg in katholischen und staatlichen Internaten und Erziehungsanstalten seelisch und körperlich gebrochen. Bis heute warten die ehemaligen Heimkinder auf ein offizielles Zeichen der Anerkennung, dass ihnen von Kirchen und Staat Unrecht widerfahren ist.

Schulterschlusses für eine „würdige nationale Geste“

Laut Recherchen des Nachrichtenmagazins laufen seit zwei Jahren auf höchster Ebene Gespräche über eine öffentliche Zeremonie für ehemalige Heimkinder. Kurt Scholz, ehemaliger Wiener Stadtschulpräsident und Mitglied der Klasnic-Kommission für Opfer von Missbrauch in der Kirche, erklärte gegenüber „profil“, er habe sich eine „Geste gewünscht wie seinerzeit von Franz Vranitzky, der sich in Israel auch für etwas entschuldigt hat, wofür er persönlich keine Schuld auf sich geladen hat“.

Nationalratspräsidentin Doris Bures will die Möglichkeiten eines Schulterschlusses für eine „würdige nationale Geste“ prüfen. Im Sozialministerium sieht man zwar Kirche und Länder in der Verantwortung, dennoch sei man „offen für eine Initiative“. Der Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn erklärt: „Wir sind an Bord, sehen uns aber nicht berufen, uns an die Spitze zu stellen.“ Justizminister Wolfgang Brandstetter signalisiert im „profil“-Gespräch die Bereitschaft, „an einer Aufarbeitung mitzuwirken, etwa durch das Bereitstellen von Akten der Justiz zu Forschungszwecken“.