Ein ukrainisches Mädchen bei der Flucht aus Kiew

Ein ukrainisches Mädchen bei der Flucht aus Kiew

© APA/AFP/Daniel LEAL

profil-Morgenpost
03/02/2022

„Mama und Papa, was ist eigentlich Krieg?“

Die Lage in der Ukraine scheint hoffnungslos – lassen Sie sich und Ihren Kindern nicht die Hoffnung nehmen.

von Philip Dulle

Es gibt diesen chinesischen Fluch: „Mögest du in interessanten Zeiten leben.“ Anfang März 2022 muss man sagen: Wir leben leider in interessanten Zeiten. Die Corona-Pandemie im dritten Jahr, die Klimakatastrophe sehr nah und spürbar – jetzt auch noch Krieg in Europa. Seit sieben Tagen wütete der russische Aggressor Putin mit seiner Armee nun schon in der Ukraine. Gestern, an diesem Faschingsdienstag, an dem wohl niemandem zum Lachen zumute war, wurde das Zentrum von Charkiw, der zweitgrößten ukrainischen Stadt, massiv bombardiert. Richtung Kiew wurde derweil ein 60 Kilometer langer russischer Militärkonvoi gesichtet. Und Wolodymyr Selenskyj? Der ukrainische Präsident bittet in einer emotionalen Videobotschaft die EU um Hilfe: „Beweisen Sie, dass Sie bei uns sind.“

Wie geht es Ihnen mit den ständigen Kriegsnachrichten, den Bildern und Eindrücken in den Social Media, den Sorgen von Familien und Freunden, den Berichten von Kriegsreporterinnen und -Reportern, und den Sorgen der Menschen, die jetzt auch auf der Flucht in Richtung Österreich sind? Expertinnen und Experten raten in Krisensituationen, die man selbst nur bedingt beeinflussen kann, auf eine gute Nachrichten-Dosierung zu achten; nicht ständig vor Twitter und Online-Medien zu sitzen, ein oder zwei Mal am Tag seriöse Nachrichtenquellen zu konsumieren. Das reicht, um sich ein Bild des Landes und des Krieges zu machen.

“Mama und Papa, was ist eigentlich Krieg?” Für Eltern und Erziehungsberechtigte stellen sich nun mehrere Fragen: Wie kann ich die Fragen zum Krieg von Kindern und Jugendlichen gut beantworten? Wie erkläre ich, was in Europa gerade passiert? Was mache ich gegen Fake-News, Propaganda und Gewaltvideos? Die Elternseite der Beratungshotline “Rat auf Draht” bietet dazu einen kompakten Überblick in fünf Punkten:

1) Besprechen Sie das Geschehene

Versuchen Sie nicht, die Geschehnisse vor Kindern zu verheimlichen. Es ist wichtig, mit Ihrem Kind ehrlich und altersgerecht darüber zu sprechen. Kinder spüren sehr genau, wenn Ihren Eltern etwas nahe geht und etwas passiert ist.

2) Geben Sie kindgerechte Informationen

Für Kinder unter zehn Jahren sind Bilder in Nachrichten und Zeitungen generell nicht geeignet, da sie von ihnen noch nicht verstanden, eingeordnet und verarbeitet werden können. Es gibt spezielle Kinder-Nachrichten, die Informationen kindgerecht aufbereiten. Diese können Sie nützen, um sich mit dem Nachwuchs gemeinsam zu informieren oder selbst geeignete Worte zu finden.

3) Lassen Sie Nachfragen zu

Kinder und Jugendliche haben oft ganz andere Ängste und Gedanken, als Erwachsene. Fragen Sie nach und beantworten Sie die Fragen wahrheitsgemäß. Wie immer gilt: Wenn Sie etwas selbst nicht beantworten können, sagen Sie das ehrlich.

4) Vorsicht bei Gewaltvideos und Falschinformation

Es ist nicht auszuschließen, dass unter Jugendlichen auch schockierende Bilder und Videos über Messenger-Dienste und Social Media zugänglich gemacht werden. Regen Sie an, sie sich gar nicht erst anzusehen und nicht weiterzuleiten. Immer wieder tauchen in den Social Media auch Falschmeldungen auf: Die Faktenchecker von "Mimikama" bieten ein Online-Tool, das das Prüfen solcher Nachrichten einfacher macht.

5) Nachrichtenpausen einlegen

Wie auch bei Erwachsenen gilt: Schalten Sie den Nachrichtenstrom bewusst ab, um zur Ruhe kommen zu können. Kindern und Jugendlichen steht “Rat auf Draht” unter der Notrufnummer 147 rund um die Uhr, kostenlos und anonym zur Verfügung.

Die Lage in der Ukraine scheint heute, am siebten Tag des Krieges, hoffnungslos zu sein. Das ist das, was Putin und seine Schergen wollen. Lassen Sie sich nicht die Hoffnung nehmen.

Philip Dulle

 

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