Bauer sucht Politik

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Staffel I, Folge 2
12/04/2021

Kurz-Rücktritt: Ein Messias verabschiedet sich

Advent. Ein Kind wird geboren. Der Vater des Knaben – er galt einst als Messias – schmeißt darauf seinen Job hin. Da beginnt es im Stall nebenan, dem der SPÖ, zu rumoren. Auch hier wären ein paar Leute gern Nachfolger.

von Gernot Bauer

Die Geburt eines Kindes im Advent verändert die türkise Welt. Wie auch nicht, schließlich ist die ÖVP eine christliche Partei. Es habe „Klick“ gemacht, als er seinen neugeborenen Sohn in die Arme nahm, sagte Sebastian Kurz in seiner Abschiedsrede vergangenen Donnerstag. Der Knabe heißt Konstantin, wie der erste christliche römische Kaiser. Sein Vater galt bisher unter seinen Anhängern als Messias, der die Volkspartei 2017 von allem Leid erlöste und übers Wasser ging, bis die WKStA kam. Doch damit ist es nun vorbei. Kurz verlässt die Politik quasi auf Französisch. Ein 16-Minuten-Statement, kein Tusch, kein Marsch, nicht einmal eine Wahlschlappe.

Mit Kurz geht auch sein Jünger Gernot Blümel. Und Alexander Schallenberg würde eher eine Christbaumsammelstelle leiten als sich den Dauerkanzler anzutun. Schwarz ist das neue Türkis. Auftritt der Landeshauptleute. Sie halten Karl Nehammer für einen tollen Kerl, also wird er Bundeskanzler und muss hinter dem Messias aufräumen.

Drüben, im Stall in der Löwelstraße, spielt der Advent keine ganz so große Rolle. Aber für die Idee, die Parteispitze auszuwechseln, können sich auch Sozialdemokraten beim virtuellen Punschtrinken erwärmen. Steht der SPÖ noch bevor, was die ÖVP eben hinter sich gebracht hat? Wie werde ich die Chefin vor möglichen Neuwahlen im kommenden Frühjahr los?

Peter versus Peter

Phonetisch verwechselbare Kandidatennamen aus der Wiener Kommunalpolitik zirkulieren: Peter Hacker und Peter Hanke. Der eine ist bulliger, linker Gesundheitsstadtrat; der andere smarter, mittiger Wirtschaftsstadtrat. Am Mittwoch traten die zwei zu einem Aufmerksamkeits-Wettbewerb der besonderen Art an. Peter Hacker lud zum Fototermin anlässlich der Eröffnung einer Impfstraßenbahn und Peter Hanke zur Präsentation eines ganzen Impfschiffs. Wer beide Events besuchte, muss sagen: Wasser schlägt Schiene.

Peter Hanke ist der Donaudampfschifffahrtsgesellschaftsstadtrat. Die DDSG gehört zur städtischen Wien Holding, in der Betriebe zusammengefasst sind, die in weniger roten Großstädten privat sind. Die Geschäftsführerin der DDSG, Barbara Forsthuber, hatte die Idee, die MS-Vindobona, Baujahr 1979, zum Impfschiff umzufunktionieren. Wenn nicht gerade eine Corona-Welle durchs Land zieht, ist die MS-Vindobona ein Ausflugsschiff auf der Donau. Nun liegt sie im Donaukanal am Schwedenplatz vor Anker. Peter Hanke ist bester Laune, als er das Schiffsdeck betritt: blauer Anzug, hellblaue Krawatte, tipptopp Schuhputz. Würde ihm jetzt jemand eine Kapitänsmütze reichen, wäre die MS-Vindobona das Traumschiff und Hanke der Florian Silbereisen des Donaukanals. Eigentlich traurig, dass die DDSG nur Binnenschifffahrt betreibt.

Schöner Oberarm

Höhepunkt des Fototermins ist Hankes Teilnahme an einer Impfung, nicht als Impfling, sondern als moralischer Unterstützer. Show-geimpft wird ein strammer DDSG-Mitarbeiter. „Schöner Oberarm“, sagt Hanke. Würde ihm jetzt jemand eine aufgezogene Spitze reichen, er stäche wohl zu. So impft dann doch eine Ärztin der Johanniter. Bis alle Fotos gemacht sind, bleibt die Nadel beunruhigend lange im schönen Oberarm. Es ist mehr Bohrung als Impfung. Zum Abschluss zeigt Hanke der Ärztin, was er Smalltalk-technisch draufhat. Wie schön es doch hier sei, mit Blick auf das fließende Wasser des Donaukanals, „richtig kontemplativ“ sei das. Fast so wie ein nicht gebauter Lobau-Tunnel, aber das ist eine andere Geschichte.

Peter Hackers Fototermin bei einer Straßenbahn-Station am Karlsplatz am anderen Ende der Innenstadt fällt karger aus: weniger Fotografen, weniger Mitarbeiter, Rotes Kreuz statt Johanniter. Show-Impfling ist die Tochter einer Magistratsmitarbeiterin. In der Straßenbahn ist es noch enger als auf der MS Vindobona. Hacker trägt weiße Turnschuhe, Jeanshosen und eine Allwetterjacke, mutmaßlich aus Magistratsbeständen. So grimmig Hacker wirkt, so galant kann er sein. Er hilft der Dame aus dem Mantel und dirigiert sie nach der Impfung behutsam in die aus seiner Sicht beste Position für die Fotografen.

Eine Vorentscheidung über den SPÖ-Parteivorsitz ist an diesem Tag nicht gefallen. Im Gegenteil. Bei Impfterminen sind die Herren Hanke und Hacker dann doch bloß Laiendarsteller, während die amtierende Parteichefin Pamela Rendi-Wagner – sie ist ja Ärztin – schöne und weniger schöne Oberarme authentisch und sachgerecht perforiert. Vielleicht macht sie das bald wieder hauptberuflich.

Nachtrag: Herbert Kickl ist ins 2G-Lager gewechselt.

Der profil-Redakteur ergründet seit 20 Jahren Wesen und Unwesen der österreichischen Innenpolitik.

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