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Österreich
12/02/2021

Ein turbulentes Jahr: profil blickt zurück auf die letzten Monate der Ära Kurz

Buberl-Protokolle, Ibiza-Affäre, Corona-Krise - welche Geschichten werden in Erinnerung bleiben?

von Elena-Ligia Crisan, Lena Leibetseder

Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Donnerstag seinen Rückzug aus der Politik bekannt gegeben - und bricht im Abgang einen Rekord. Der 35-Jährige ist nun auch der jüngste zurückgetretene ÖVP-Chef aller Zeiten. Scheinbar frustriert von den Ermittlungen der Justiz und dem erzwungenen Rückzug als Kanzler und auch veranlasst durch die Geburt seines Sohnes macht der einst als "Wunderknabe" Gefeierte nach einem Jahrzehnt mit der Politik Schluss.

profil blickt auf seine letzten Monate als Kanzler, später Ex-Kanzler und Klubobmann zurück. Klicken Sie sich durch eine Auswahl der diesjährigen profil-Cover.

Nr. 47/2021 vom 21. November: Am Ende hat es dann doch gereicht. Am Ende hat man sich dann doch geeinigt. Am Ende steht: ein neuer Lockdown. Es fühlt sich an wie ganz am Anfang: März 2020. Alles steht still. Das Virus hat gewonnen. Im November kamen wir zum Schluss: Das Pandemie-Management der Bundesregierung, die meiste Zeit unter Sebastian Kurz, die politische Performance einiger Länder, die Faktenresistenz mancher Politiker (und leider auch erheblicher Teile der Bevölkerung) haben dazu geführt, dass das öffentliche Leben in diesem Land heruntergefahren wurde, zum vierten Mal insgesamt (von Interims-, Teil- und Beinahelockdowns einmal abgesehen).

Nr. 41 / 2021 vom 10. Oktober: Normalerweise entstehen profil-Covergeschichten im Lauf von ungefähr fünf, manchmal bis zu sieben oder acht Tagen, während derer eine oder zwei, selten sogar drei Redakteurinnen und Redakteure an einem Thema arbeiten, recherchieren, telefonieren, Akten und Studien sichten, sich ihre Gedanken machen. Wie gesagt: normalerweise. Normalerweise finden aber auch keine Hausdurchsuchungen im Kanzleramt statt. Die Covergeschichte der Ausgabe vom 10. Oktober entstand also in gut zweieinhalb Tagen (netto) und involvierte das größte Autorinnenteam der jüngeren profil-Geschichte. Vom Bekanntwerden der Hausdurchsuchungen Mittwochvormittag bis zum Redaktionsschluss am Freitagabend recherchierten, telefonierten, sichteten und dachten die Kollegen in einem Tempo, das nur mit sehr viel Adrenalin und großer Lust am politischen Ausnahmezustand zu erklären ist - und gestalten außerdem auch noch laufend Online-Beiträge und Faktenchecks zur Causa prima.

Nr. 21 / 2021 vom 21. Mai: Es gibt Momente im Journalistenleben, an die man sich einfach erinnert. Die erste eigene Kurzmeldung. Die erste Covergeschichte. Der erste Anruf vom brüllenden Kanzlersprecher. Der Tag, als HC Strache platzte (beziehungsweise: die politische Karriere des langjährigen FPÖ-Chefs). Es war am Abend des 17. Mai 2019,18 Uhr, kurz vor Redaktionsschluss des profil, als die ersten Vorabmeldungen verschickt wurden: Der Vizekanzler und sein Wiener Parteifreund Johann Gudenus waren heimlich dabei gefilmt worden, wie sie in lockerer Kleidung und gelöster Stimmung über Parteienfinanzierung, Korruption und Amtsmissbrauch schwadronierten. In der Ausgabe vom 21. Mail blickten wir zurück auf Ibiza - und alles, was danach kam.

Nr. 16 / 2021 vom 18. April: Auf oder zu, hier oder da, hin oder weg? Entscheidende Entscheidungsfragen in einer ganz normalen Woche im April 2021. Die USA beenden den längsten Krieg ihrer Geschichte, in Österreich verabschiedet sich der fleißigste Gesundheitsminister aller Zeiten. Am Dienstagvormittag gab Rudolf Anschober seinen Rücktritt bekannt. Er konnte einfach nicht mehr. Lieber weg als hin. Es kam nicht ohne Vorwarnung, war dann aber doch mit einigen Verwerfungen verbunden, deren Ursprung man in Anschobers Weigerung erkennen mochte, seinem Koalitionspartner zum Abschied noch ein paar salbungsvolle Zeilen zu widmen.

Nr. 14 / 2021 2. April: Besondere Zeiten brauchen besondere Wörter. Für die seltsame Mischung aus Heiterkeit und Erschütterung, mit der STEFAN MELICHAR und MICHAEL NIKBAKHSH das ihnen vorliegende Konvolut an Chat-Nachrichten aus dem türkisen Machtapparat lasen, fehlten uns am 2. April noch die Worte: Widerspaß? Entwitzen? Zum Lachen fanden die Autoren unserer dieswöchigen Covergeschichte die ausgeprägte Jovialität, mit der da über Posten und Personen im staatsnahen Bereich getextet und emojiert wurde; ein gewisses Entsetzen erregte das Amts- und Verantwortungsbewusstsein, das aus diesen Nachrichten quoll.