Lohn, Schule, Wut: Wo sich Frauen und Männer unterscheiden
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Österreichs Frauen haben im Schnitt höhere Bildungsabschlüsse als Männer, verdienen aber weniger und sind an Unternehmensspitzen weiterhin die Ausnahme. Frauen begehen kaum Verbrechen, werden deutlich älter und sind öfter wütend. Wo die Unterschiede der Geschlechter liegen.
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Wer verdient mehr?
Österreichs Wirtschaft wird von Männern geführt. Nur jede siebte Person in den Geschäftsführungen der österreichischen Top-200-Unternehmen ist weiblich, zeigt eine Erhebung der Arbeiterkammer. 130 der 200 Firmen haben keine einzige Frau in Vorstand oder Geschäftsführung.
Überhaupt haben Frauen in der österreichischen Wirtschaft wenig mitzureden: Bei der wirtschaftlichen Beteiligung von Frauen erreicht Österreich im Global Gender Gap Report 2025 des Weltwirtschaftsforums (WEF) nur den 56. Rang. Österreich schneidet damit schlechter ab als Ruanda, Singapur oder Simbabwe.
Der Gender Pay Gap bleibt in Österreich überdurchschnittlich hoch. 17,6 Prozent verdienen Frauen in der Privatwirtschaft hierzulande pro Stunde weniger als Männer. Der EU-Schnitt liegt bei 11,1 Prozent. In der EU ist der Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern nur in Estland und Tschechien höher. Und Österreich holt nicht auf, im Gegenteil: In den letzten Jahren schloss sich die Lohnschere zwischen Mann und Frau im EU-Schnitt schneller als in Österreich.
In Österreich ist Teilzeitarbeit für Frauen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. 51,1 Prozent der beschäftigten Frauen arbeiten Teilzeit. Im EU-Schnitt sind es nicht einmal 30 Prozent. Auch Männer arbeiten in Österreich überdurchschnittlich oft Teilzeit. Allerdings bei Weitem nicht so oft wie Frauen.
Das liegt vor allem an der ungleichen Verteilung von unbezahlter Care-Arbeit: 40 Prozent der Frauen in Teilzeit geben an, Kinder oder Angehörige betreuen zu müssen. Männer geben Betreuungspflichten nur zu 7,2 Prozent als Grund für die Teilzeit an. Sie nutzen die arbeitslose Zeit eher für Aus- und Weiterbildungen.
Wer muss ins Gefängnis?
Die Verbrecherin ist in Österreich die absolute Ausnahme: Nur 15 Prozent aller verurteilten Verbrechen wurden 2024 von Frauen begangen.
Anders gesagt: Zählt man alle Verbrechen zusammen, die Frauen in den fünf Jahren von 2020 bis 2024 begangen haben (insgesamt rund 20.000), ist das deutlich weniger als die Zahl der Verbrechen, die Männer allein im Jahr 2024 begangen haben (über 23.000). Bei Gewaltverbrechen waren sogar nur 11 Prozent der Verurteilten weiblich.
Und: Frauen sitzen viel seltener hinter Gittern. Nur sieben Prozent der eingesperrten Personen in Österreich sind weiblich.
Frauen begehen nicht nur weniger Verbrechen, sie werden auch seltener Opfer. Allerdings stehen die beiden Werte nicht gerade im Gleichgewicht: 42 Prozent aller Opfer von Straftaten waren 2023 weiblich.
Wer geht auf welche Schule?
Frauen sind tendenziell höher gebildet als Männer: Fast jede vierte Frau hat sogar eine Hochschule oder Akademie absolviert. Die Lehre ist indes immer noch männlich: Mehr als ein Drittel aller Männer hat eine Lehre als höchsten Bildungsabschluss, bei Frauen ist es nicht einmal ein Viertel.
Öffentliche Schulen unterrichten seit dem Jahr 1975 Buben und Mädchen zusammen. Viele berufsbildende Schulen wirken dennoch streng getrennt: Auf pädagogischen Schulen war im Schuljahr 2024/25 etwa nur ein Zehntel männlich. Mädchen sind dafür auf technisch gewerbliche Schulen die Ausnahme: Nur rund jedes vierte Klassenmitglied ist dort weiblich.
Wer lebt länger?
Frauen leben im Schnitt um viereinhalb Jahre länger als Männer: Die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer lag 2024 bei 79,8 Jahren, jene von Frauen bei 84,3 Jahren. Allerdings altern Männer und Frauen ähnlich: Die Lebenserwartung in (sehr) guter Gesundheit lag 2019 für Männer bei 63,1 Jahren, für Frauen bei 64,7 Jahren.
Wer kann sich was leisten?
Frauen haben es finanziell schwerer als Männer. Das zeigt sich auch in regelmäßigen Befragungen zu Haushaltsausgaben: Frauen haben deutlich öfter Schwierigkeiten, ihre Wohnkosten zu bezahlen, können sich seltener Hobbys leisten und sparen viel weniger als Männer.
Wer sitzt im Parlament?
Frauen sind in der Politik deutlich unterrepräsentiert: Nur knapp jedes dritte Mandat im Nationalrat wird derzeit von einer Frau belegt. Besonders wenige Frauen stellt die FPÖ. Die Grünen haben als einzige Fraktion einen Frauenanteil von über 50 Prozent.
Wer ist öfter wütend?
Wie oft waren Sie in letzter Zeit wütend? Als Frau wahrscheinlich öfter als ein Mann. Dabei sind Frauen im Schnitt etwas öfter glücklich als Männer.
Max Miller
ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und mag Grafiken. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.