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Coronavirus
02/06/2021

Mailentwurf legt Intervention Platters bei Bundesregierung nahe

Tirol war im März 2020 strikt dagegen, dass Südtirol zum Risikogebiet erklärt wird. Das Land dementiert jedoch, dass Platter ein Interventionsmail abschickte.

von Thomas Hoisl, Jakob Winter

Neue Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Innsbruck leuchten die Rolle von Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) beim verkorksten Corona-Krisenmanagement im Jahr 2020 aus. Das zentrale Dokument des Aktenkonvoluts, das profil vorliegt, ist ein Mailentwurf, den die Pressestelle des Landes Tirol für Landeshauptmann Platter textete. In dem Entwurf wettert der Landeschef gegen die Entscheidung des Gesundheitsministeriums, das am 6. März 2020 die italienische Provinz Bozen (Südtirol) auf die Liste der Risikogebiete setzte:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, lieber Sebastian, sehr geehrter Herr Innenminister, lieber Karl, mit Verwunderung hat mich unsere Landeseinsatzleitung heute gegen 14 Uhr darüber informiert, dass das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz unser Nachbar-Bundesland Südtirol als Regionen eingestuft hat, in denen von anhaltender Übertragung von SARS-CoV-2 ausgegangen werden muss. (…) Für die Landeseinsatzleitung des Bundeslandes Tirol ist diese Einschätzung nicht nachvollziehbar. Weder sind die aktuellen positiv Fälle in Südtirol hoch (1 bestätigter Fall, 1 weiterer Fall wahrscheinlich), noch haben wir weitere Hinweise auf eine Ausbreitung des Virus in dieser Region. Daher hat die Landeseinsatzleitung des Landes Tirol heute einstimmig erklärt, diese Einschätzung nicht zu teilen und das Bundesministerium dringend zu ersuchen, diese Entscheidung zu evaluieren und zu widerrufen. Beste Grüße, Günther Platter“

Tatsächlich wurde Südtirol noch am selben Tag wieder von der Liste der Risikoländer gestrichen. Das Land Tirol bestreitet jedoch gegenüber profil, dass das Mail an Kurz und Nehammer abgeschickt wurde.

Das Gesundheitsministerium erklärte auf profil-Anfrage, man habe sich zuerst „an den Bewertungen des deutschen Robert Koch Institutes (RKI) orientiert: „Diesem Automatismus folgend wurde die Einstufung Südtirols als Risikogebiet zunächst vorbehaltlos übernommen.“ Weil dem Ministerium allerdings „keine reise-assoziierten Fälle mit Bezug zu Südtirol bekannt waren, wurde im Rahmen einer erneuten Evaluierung von Seiten des Ressorts die Einstufung als Risikogebiet zurückgenommen“. Zur Frage, ob die Intervention aus Tirol eine Rolle spielte, blieb das Ressort kryptisch: „In der Bewältigung der Herausforderungen der COVID 19 Pandemie kam und kommt es regelmäßig zur Abstimmung mit den Bundesländern.“

Dabei hatte das deutsche RKI gute Gründe für die Risikoeinstufung Südtirols: Damals ließen sich immerhin sechs Prozent aller deutschen Coronainfizierten in die italienische Provinz zurückverfolgen.

Auch Platters Bürochef Florian Tursky taucht in den Ermittlungsakten auf – nicht gerade vorteilhaft. Am 5. März verschickte die Tiroler Landespressestelle bekanntlich eine inzwischen legendäre, weil völlig falsche Presseaussendung: „Isländische Gäste dürften sich bei Rückreise im Flugzeug mit dem Coronavirus angesteckt haben“, hieß es damals. Dass die Pressemitteilung „unrichtig“ und „falsch“ war, hielt im vergangenen Herbst bereits die Expertenkommission von Ex-Höchstrichter Ronald Rohrer fest. Doch nun stellt sich heraus, dass selbst Platters engster Mitarbeiter Zweifel an der Theorie der Infektion im Flugzeug hegte: Eine Viertelstunde vor Veröffentlichung der Presseaussendung wandte sich Platters Büroleiter, Florian Tursky, per Mail an den Pressesprecher des Landes. Er nahm Bezug auf die Warnung aus Island, der zu entnehmen war, dass ein Infizierter bereits vor seiner Abreise aus Ischgl Symptome zeigte. „Das würde doch ausschließen, dass sie sich im Flieger angesteckt haben, wenn es die ersten Symptome am 26.2. gab?“ Trotzdem wurde die Aussendung mit der Falschinformation veröffentlicht und nie korrigiert. Das führte dazu, dass tausende Urlauber weiterhin im guten Glauben nach Ischgl reisten.

Laut dem Land Tirol habe die lokale Gesundheitsbehörde die Aussendung auf Grundlage der „zum damaligen Zeitpunkt vorliegenden Informationen“ freigegeben.

Lesen Sie im neuen profil weiter, wie die Ischgler Tourismuslobby mit dem Land die Pressearbeit abstimmte – und wie sich ein bekannter Hotelier bei einem engen Platter-Mitarbeiter für die „perfekte Arbeit“ bedankte. Das E-Paper mit der kompletten Story ist hier verfügbar.

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