© APA

Österreich
05/13/2020

profil-Morgenpost: Abstauber

Guten Morgen!

von Sven Gächter

In der Politik gibt es die inoffizielle Institution der Elder Statesmen – ehemalige Regierungschefs, deren Meinung auch lange nach dem Ende ihrer Amtszeit noch Gewicht hat. Helmut Schmidt, deutscher Bundeskanzler von 1974 bis 1984, brillierte in dieser Funktion bis zu seinem Tod im Jahr 2015. Barack Obama, obwohl noch keine 60, füllt sie jetzt schon blendend aus. (Seinem Nachfolger Donald Trump dagegen wird die entsprechende Ehre für immer versagt bleiben.)

„Man glaubt gar nicht, wie anstrengend Staubsaugen ist“

Doch was tun Elder Statesmen eigentlich, wenn ihre geballte Autorität gerade nicht gefragt ist? Darauf erteilte Wiens Alt-Bürgermeister Michael Häupl im „Kurier“ vor Kurzem eine entlarvend offenherzige Antwort. Nachdem er sich pflichtgemäß zu der Krise der SPÖ, seiner überstandenen schweren Krankheit und dem ewigen Zauber des Spritzweins geäußert hatte, gab er eine zwar alles andere als staatstragende, aber umso plastischere Erkenntnis zum Besten: „Man glaubt gar nicht, wie anstrengend Staubsaugen ist.“

Es fällt schwer, sich der unvermittelten Sogkraft dieses Bildes zu entziehen: Michael Häupl am Hoover Klopfsauger, laut vor sich hin fluchend wie ein Wiener Fiaker, kurz bevor er den Staubwedel zückt, um die Vitrine mit den Heurigengläsern in Angriff zu nehmen.

Im Interview mit STEPHAN WABL spricht der deutsche Psychologe Klaus Ottomeyer über die traumatischen Erfahrungen der Coronakrise. Dabei geht es natürlich um sehr viel essenziellere Herausforderungen als die Mühen der Hausarbeit für ehemalige Spitzenpolitiker. Einige von Ottomeyers Ratschlägen könnten allerdings auch dem geplagten Bürgermeister a.D. über sein Post-Karriere-Dilemma hinweghelfen. Der Schlüssel liegt in der „Akzeptanz des Geschehens: Unser Leben ist nun so, wie es ist, und wir müssen uns darin zurechtfinden.“ Danach ist nur noch eine letzte Hürde zu überwinden: „dem ganzen Geschehen einen Sinn geben – ein wenig nach dem Motto: Machen wir das Beste daraus!“

In diesem Sinn: Saugen Sie tapfer weiter, Herr Häupl!

Sven Gächter

PS: Was andere ausgewiesene Autoritäten wie die profil-Kolumnistin Elfriede Hammerl, der scheidende IV-Präsident Georg Kapsch, der Infektionsmediziner Franz Allerberger, der Ökonom Peter Bofinger oder der Publikumsliebling Otto Schenk über die Lage der Dinge sagen, lesen Sie im aktuellen profil.

PPS: Gibt es etwas, das wir an der „Morgenpost“ verbessern können? Das Sie sich von einem Newsletter auf jeden Fall erwarten? Das Sie ärgert? Erfreut? Wenn ja, lassen Sie es uns unter der Adresse [email protected] wissen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.