Blumen für gutes Benehmen? Die neuen Coronaregeln lassen nach wie vor viele Fragen offen
Blumen für gutes Benehmen? Die neuen Coronaregeln lassen nach wie vor viele Fragen offen

© APA/dpa/Armin Weigel

Österreich
04/29/2020

profil-Morgenpost: Erst die Angst, dann der Blumenstrauß!

Guten Morgen!

von Stefan Grissemann

Demnächst schon, so ließ Gesundheitsminister Rudolf Anschober gestern verlauten, dürfe man also wieder relativ ausgangsunbeschränkt ins Freie. Und sogar Veranstaltungen werden wieder möglich sein! Mit einer minimalen Auflage allerdings: nur dann, wenn weniger als elf Personen daran teilnehmen. Das sind jetzt natürlich nicht die allerbesten Nachrichten für Kulturveranstalter, die ihre Angebote gern ein bisschen populärer anlegen; in den Chefetagen von Initiativen wie, sagen wir: Staatsoper, Burgtheater und Gartenbaukino sorgt die Mai- und Juni-Regelung somit nicht wirklich für Entspannung. Lässiger geht man es lediglich auf Friedhöfen an: Im Rahmen von Bestattungszeremonien dürfen sich ausnahmsweise 30 Personen versammeln. Sonst: zehn oder weniger! Aber bleiben wir positiv, der Herbst wird’s schon richten, und wenn nicht der diesjährige, dann eben der vom kommenden Jahr.

Blumenstrauß und Stromverbrauch

Nach der Angst, die der Bevölkerung, wie man hört, leider eingejagt werden musste, wird nun der „ganz große Blumenstrauß“ (Anschober) an das brav sich an alle Restriktionen haltende Volk überreicht. Erst knallt die Peitsche, dann lockt das gezuckerte Brot, die alte politische Lektion des nachdemokratischen Staatswesens funktioniert in Krisenzeiten halt immer noch am besten. Wie sich die durch das Virus seit März halbseitig gelähmte österreichische Gesellschaft verändert hat (etwa in Sachen Stromverbrauch, Öffi-Nutzung und Arbeitslosigkeit), zeichnet profil-Online-Redakteurin Ines Holzmüller für die Bundeshauptstadt in drastischen Zahlen nach.

Und dringliche Fragen überall: Wie werden wir im Sommer die Ende Mai angeblich öffnenden Freibäder besuchen können? Und was heißt in diesem Zusammenhang eigentlich „Beckenmanagement“? Hans Peter Hutter vom Zentrum für Public Health an der Medizinischen Universität Wien versucht in einem Podcast die Modalitäten zu erläutern, unter denen möglicherweise öffentliches Baden stattfinden wird, wenn sich Freiwillige dafür finden sollten.

Privatleben und Anführungszeichen

Der Datenschutzaktivist Max Schrems und die Netzspezialistin Ingrid Brodnig erklären zudem, wie sich das geplante „Contact Tracing“ (powered by Rotes Kreuz) durch unsere bereitwillig freigeschalteten Smartphones im Detail gestalten soll. Wenn dieser Tage also wieder viel von der „Stopp Corona“-App die Rede ist, klingt das immer auch nach leisem Widerstand gegen die staatliche Durchleuchtung und Privatlebenserfassung: Man muss dazu nur die Anführungszeichen versetzen.

Alles Liebe und viel Freude mit der kommenden Öffnung wünscht Ihnen die profil-Redaktion!

Stefan Grissemann

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