Politologe, Manager, Buchautor: Wie tickt der neue ORF-Generaldirektor Clemens Pig?
Es war ein erfolgreicher Tag für Clemens Pig: Als dritter Kandidat durfte er am Donnerstag seine Vision für den ORF vor dem Stiftungsrat präsentieren. Oft hatte er in den letzten Tagen betont, dass er Vertrauen schaffen wolle – innerhalb von Österreichs größtem Medienunternehmen und auch außerhalb. Nach Mitternacht entschied sich das Aufsichtsgremium für ihn als neuen Generaldirektor.
Neben Pig bewarben sich auch erfahrene Medienmanager, darunter der ehemalige Vorstand von Pro7Sat1. Puls 4, Markus Breitenecker, oder ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer. Letztere gewann mit 51 Prozent der Stimmen der Belegschaft eine interne Vorabstimmung, die rechtlich allerdings unbedeutend war.
Politischer Favorit
Insgesamt wurden neun Kandidat:innen vom Stiftungsrat für das Hearing zugelassen. Nachdem sich ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti bereits vor Ende der Bewerbungsfrist indirekt für Pig ausgesprochen hatte, galt er als Favorit. Auch deshalb, weil ÖVP und SPÖ im Rahmen der Koalitionsverhandlung vereinbart haben sollen, dass das Vorschlagsrecht für den Generaldirektor bei der ÖVP liege.
Der 51-jährige Tiroler wurde in Innsbruck geboren. Während des Studiums der Politikwissenschaften gründete er die Institutszeitung „Polytic“ und MediaWatch für Analysen der ORF-Nachrichtensendungen. Das Unternehmen wurde 2001 von der APA übernommen. 2008 wechselte Pig in die Geschäftsleitung der APA, wo er Marketing und Verkauf des Tochterunternehmens APA-DeFacto leitete. Er promovierte 2012 beim Politikwissenschafter Fritz Plasser über „Politische Kommunikation im Digitalisierungs- und Transformationsprozess der Medien in Österreich und im internationalen Vergleich“. 2016 übernahm er den Vorsitz der APA. Er habe sich noch nie „irgendwo bewerben müssen“, so Pig in einem Portrait der Uni Innsbruck 2012.
Anfang Mai heurigen Jahres präsentierte er sein Buch „Welt ohne Wahrheit“.
Pigs Expertise als Medienmanager ist unbestritten, über Fernseh- oder Rundfunkerfahrung verfügt er im Gegensatz zu seinen Konkurrentinnen und Konkurrenten allerdings nicht. Der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Peter Westenthaler kündigte bereits im Vorfeld an, die Wahl anzufechten.
Laut dem nun präsentierten Bundesbudget für 2027 und 2028 muss der künftige ORF-Chef sparen: 93 Millionen Euro werden als Kompensation für entfallenen Vorsteuerabzug gestrichen. Mit Sparen hat Pig Erfahrung: Im Coronajahr 2021 baute die APA weiter Mitarbeiter:innen in der Redaktion ab, unter Protesten der Belegschaft und Journalist:innen-Gewerkschaft.
Pig wird den ORF erst ab 1. Jänner 2027 leiten, bis dahin ist Ingrid Thurnher mit der interimistischen Leitung des Öffentlich-Rechtlichen betraut.