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Österreich
01/09/2021

Plagiatsvorwürfe gegen ÖVP-Ministerin Christine Aschbacher: Rücktritt

Aschbacher dementiert. Sie habe "nach bestem Wissen und Gewissen" gearbeitet.

von Edith Meinhart

Nein, die Arbeits- und Familienministerin habe ihn bisher nicht angerufen, sagt Stefan Weber: „Wir hätten auch wenig zu besprechen, es liegt alles offen da.“ Vergangenen Donnerstag veröffentlichte der Plagiatsprüfer auf seinem Blog plagiatsgutachten.com Auszüge aus der Diplomarbeit von Christine Kowald (heute Aschbacher). Auf die Idee, das 2006 an der FH Wiener Neustadt eingereichte Werk unter die Lupe zu nehmen, sei er nach TV-Auftritten der ÖVP-Politikerin gekommen, sagt Weber: „Ich habe mich gewundert, wie sie mit diesem holpernden Deutsch und der fehlerhaften Grammatik eine wissenschaftliche Arbeit verfassen konnte.“ Die Plagiatssoftware habe bereits nach wenigen Stunden „gravierende Mängel“ zutage gefördert: „Wenn jemand, so wie Frau Aschbacher, ganze Absätze übernimmt, kann man sich schnell ein Bild machen. Das hätten die Betreuer auch machen müssen.“

"Wenn jemand, so wie Frau Aschbacher, ganze Absätze übernimmt, kann man sich schnell ein Bild machen"

Der Sprecher der Ministerin erklärt auf profil-Anfrage, die FH-Arbeit wurde nach „bestem Wissen und Gewissen geschrieben und 2006, vor rund 15 Jahren, auch mit Sehr Gut von der Fachhochschule beurteilt“; die Ministerin habe „bei Professoren studiert und die Arbeiten geschrieben, die in der wissenschaftlichen Welt anerkannt sind und auf deren Urteil sie vertraut“. profil fragte sowohl beim Diplomarbeitsbetreuer in Wiener Neustadt als auch beim Doktorvater in Bratislava per Mail nach, warum ihnen die vermutlich abgeschriebenen Passagen nicht aufgefallen sind. Bis Redaktionsschluss standen ihre Antworten noch aus, sie werden aber nachgeliefert, sobald sie eingetroffen sind. Auf Webers Blog sind inzwischen auch Auszüge aus dem (online zuvor bereits publizierten) Dissertationsexposé von Ministerin Aschbacher nachzulesen. Hier finden sich laut dem Blogger im Namen der „wissenschaftlichen Redlichkeit“ durchaus „schwerwiegende Plagiate, noch schwerwiegender und länger als in der Diplomarbeit“.

Der erste Politiker, der den Plagiatsprüfer übrigens jemals persönlich angerufen hat, war 2017 SPÖ-Kanzler Christian Kern. Weber erzählt, er sei damals in einem Wellness-Hotel gewesen und habe an einen Scherz des famosen Ö3-Stimmenimitators Alex Kristan gedacht, als er auf seinem Handy einen Anrufer mit unbekannter Nummer hatte und eine tiefe Stimme sich meldete: „Hier Christian Kern.“ „Ist das Satire?“, habe er gefragt. War es nicht, wie sich herausstellte. Die Kern betreffenden Plagiatsgerüchte lösten sich später in Luft auf. Bei Aschbacher ist das letzte Wort hingegen noch nicht gesprochen. Wie Weber in seinem jüngsten Blogbeitrag zur Causa darlegt, könnte die Ministerin laut gültiger Judikatur des Verwaltungsgerichtshofs neben ihrem „Sehr gut“ für die Diplomarbeit in Wiener Neustadt auch den Doktortitel verlieren. Eine genaue Überprüfung der Dissertation – auch sie ist online verfügbar – steht bis dato allerdings noch aus.

Die Familien- und Arbeitsministerin Christine Aschbacher ist mittlerweile zurückgetreten. In einer Aussendung beklagte sie eine Vorverurteilung durch die Medien und die politischen Mitstreiter.

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