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profil-Morgenpost
06/15/2021

Jugend auf Eis

Wieso man jungen Leuten zuhören und auf den (nicht mehr ganz jungen) Josef Hader hören sollte.

von Siobhán Geets

Denken Sie manchmal, dass die heutige Jugend völlig daneben liegt? Dass die Welt immer schlechter, die Menschen immer blöder werden?

Dieser Gedanke ist mir auch schon einmal gekommen. Für mich war das der Moment, an dem ich merkte, dass ich alt werde. Seit Jahrtausenden beklagt jede Generation die Schwächen der nachkommenden. Schon der griechische Denker Sokrates hat im fünften Jahrhundert vor Christus über die jungen Leute gemotzt, das ist wohl so etwas wie ein Naturgesetz der Menschheit.

Ich vermute, dass dagegen nur Kontakt zur Welt da draußen hilft. Wer sich etwa heute über die Jungen aufregt, weil sie sich an den ersten warmen Abenden draußen treffen, hat wohl wenig Ahnung davon, wie es ihnen geht – und sollte die Titelstory im aktuellen profil lesen.

Darin schreiben Maturantinnen und Maturanten aus Graz über ihre Erfahrungen während der Corona-Pandemie. Die Texte handeln von endlosen Tagen im Distance Learning, von Einsamkeit und der Angst, alles zu verpassen. Die Gedichte, Tagebucheinträge und Textfragmente sind auch Zeitdokumente einer Krise, die junge Menschen anders trifft als uns ältere. „Ist es ,illegal', sich zu umarmen?“, fragt sich etwa eine Schülerin nach Ende der Sommerferien im Herbst 2020. Solche Fragen mussten wir uns nie stellen.

Wem es an Verständnis für junge Leute mangelt, ist wohl die Erinnerung an die eigene Jugend abhanden gekommen. Hätten Sie sich mit 16, 17 an Ausgangssperren und Social Distancing gehalten – oder hätten Sie Ihre FreundInnen heimlich getroffen?

Der Satiriker als Kind

Einer, der sich noch recht gut an seine Jugend zu erinnern scheint, ist Josef Hader.

„Ich habe lange geglaubt, dass alles gut ist. Als Kind“, sagt der Kabarettist im Gespräch mit Sebastian Hofer.

Nach der Premiere seines neuen Programms „Hader on Ice“ sprach er über seinen verlorenen Kindheitsglauben, über die Politik der Türkisen und darüber, wieso er sich keine Sorgen macht, nicht einmal wegen in der Waschmaschine verschwundener Socken.

Hader ist Österreichs bedeutendster Satiriker, und das seit Jahren. Er schafft es immer wieder, das Publikum zum Inhalt seines Programms zu machen – wer sich in den Rollen Haders nicht zumindest teilweise wiedererkennt, hat nicht richtig zugehört.

Im Gespräch mit profil beteuert Hader auch, dass er ganz und gar nicht an der Menschheit verzweifelt. Das hat für mich etwas Beruhigendes. „Jede Gegenwart glaubt immer, viel besser und gescheiter als alle vorangegangenen zu sein“, sagt er, „und das stimmt halt nicht“. Deshalb trete er der Menschheit mit guter Laune gegenüber.

Ich versuche das jetzt auch. Vielleicht hilft es ja beim Älterwerden.

Siobhán Geets

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