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01/11/2022

Seuchenherd Kindergarten

Masken, Dauertests, Luftfilter: Die Schulen werden in der Pandemie hochgerüstet, während in den Kindergärten alles auf Freiwilligkeit basiert. Dabei sind Corona-Tests auch Dreijährigen zumutbar.

von Siobhán Geets

Die gute Nachricht: Mit der neuen Corona-Variante könnte die Pandemie tatsächlich bald vorbei sein. Omikron, obwohl viel ansteckender, ist scheinbar deutlich harmloser als frühere Virus-Varianten und könnte sich bald in Richtung eines grippalen Infekts entwickeln.

Die schlechte: Bis dahin wird Omikron wüten, und zwar ordentlich. Ihren Höhepunkt könnten die Fallzahlen im Februar erreichen.

Viele haben die Angst vor dem Virus mittlerweile verloren. Für dreifach Geimpfte ist das Risiko, ernsthaft zu erkranken, minimal. Nur: Was ist mit jenen, die nicht geimpft sind, weil die Impfstoffe für sie noch nicht zugelassen sind – die Unter-Fünfjährigen? Findet die angekündigte Durchseuchung statt, dann wohl auch – oder vor allem – dort. Die Kleinsten laufen Gefahr, sich jetzt anzustecken – es sei denn, ihre Eltern können es sich leisten, sie die kommenden Wochen (oder Monate) daheim zu behalten.

Freiwilligkeit? Geh wo!

Es ist nämlich den Eltern überlassen, ob sie ihre Kinder in den Kindergarten bringen. Das ist zynisch. Wie sollen sich berufstätige Eltern nebenher kümmern? Jeder, der schon einmal mit einem Kleinkind zu tun hatte weiß, dass das unmöglich ist.

In Zeiten der Pandemie hat es die Regierung schwer, so viel steht fest. Kritik kommt sowieso, völlig egal, wie die Maßnahmen aussehen. Bleiben die Schulen und Kindergärten offen, ist die Rede von einer unverantwortlichen Durchseuchungsstrategie. Müssen sie schließen, dann leiden vor allem Kinder aus armen Familien – und der Regierung wird vorgeworfen, wieder einmal auf die Schwächsten zu vergessen. Geshamed werden allerdings auch die Eltern. Wer sein Kind in Betreuung schickt, riskiert nicht weniger als das Überleben seines Nachwuchses, ist mitunter auf Twitter zu lesen.

Auf der anderen Seite des Spektrums, dessen Mitte nicht mehr zu existieren scheint, stehen jene, die behaupten, Covid-19 sei für Kinder ohnehin nicht gefährlich. Das stimmt leider nicht: Selbst gesunde Kinder leiden mitunter an Covid-19 und den Folgen der Erkrankung.

Lollipop-Tests für die Kleinsten

Das alles sorgt bei vielen, denen nichts anderes übrig bleibt, als ihre Kinder in Betreuung zu schicken, für Bauchweh. Sind die Pädagoginnen, die auf meinen Sohn aufpassen, geimpft? Eine Antwort darauf wurde mir „aus Datenschutzgründen“ verwehrt. Sind sie getestet? Auch das weiß ich nicht. Werden die anderen Kinder regelmäßig getestet? Keine Ahnung! In den Kindergärten basieren die Tests auf Freiwilligkeit, dabei ist nicht einzusehen, wieso sie nicht auch hier verpflichtend sind.

Corona-Tests sind auch Dreijährigen zumutbar. Unser Sohn war zwei Jahre alt, als er das erste mal einen sogenannten Lollipop-Test machte, bei dem eineinhalb Minuten lang an einem Stäbchen gelutscht werden muss. Das tut nicht weh und ist ähnlich zuverlässig wie ein PCR-Test.

Regelmäßige Tests wirken nicht nur dem Seuchenherd Kindergarten entgegen. Sie bieten auch Einblick ins Infektionsgeschehen der Bevölkerung – und lassen Rückschlüsse darauf ziehen, wann die Pandemie endlich vorbei ist.

Siobhán Geets

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