Illustration zu E-Mail- und Telefonüberwachung

© APA/dpa/Arne Dedert / Arne Dedert

profil-Morgenpost
09/06/2021

Wie Journalisten merken, dass sie auf der richtigen Spur sind

Was es bedeutet, wenn drei Pressesprecher auf Tauchstation gehen - und auf keine Mails, Anrufe und SMS mehr reagieren.

von Jakob Winter

Politikerinnen und Politiker sind vielbeschäftigte Menschen. Deshalb haben sie Pressesprecher, die ihnen lästige Journalistinnen mit ihren noch viel lästigeren Fragen vom Leib halten.

Es gibt aber auch Pressesprecher, die eher den Berufstitel Presseschweiger rechtfertigen würden – sie beantworten keine Mails, sie heben ihre Telefone nicht ab und ignorieren SMS mit einer Beharrlichkeit, die an Arbeitsverweigerung grenzt. Diese Heimlichtuer erfüllen trotzdem eine wichtige Funktion: Sie zeigen uns Journalistinnen, wann wir auf der richtigen Fährte sind.

Recherche nach dem Ausschlussprinzip

Vergangene Woche war wieder so ein Fall. Ich wusste, dass die oberösterreichische Landesregierung einem rechtsextremen Corona-Leugner Aufträge für dessen Werbeagentur zugeschanzt hatte. Ich wusste bloß nicht, welcher Landesrat den Auftrag dafür gegeben hatte. Denn die Pressestelle des Landes mauerte bei der Frage – und ist bis heute nicht bereit, Informationen dazu herauszurücken. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen und hatte die Idee, alle Regierungsmitglieder einzeln durchzufragen. Recherche nach dem Ausschlussprinzip also: Der grüne Landesrat, die rote Landesrätin und alle vier Regierungsmitglieder der ÖVP – einschließlich Landeshauptmann Thomas Stelzer – antworteten prompt: Wir waren es sicher nicht.

Da blieben nur noch die drei Landesräte der FPÖ über. Man kann mir bestimmt nicht vorwerfen, dass ich irgendeinen Versuch unterlassen hätte, sie zu erreichen: Anrufe, Mails, SMS. Meine Anbahnungsversuche grenzten an Stalking, doch die Pressesprecher der Landesräte Wolfgang Klinger (Sicherheit, FPÖ) und Günther Steinkellner (Verkehr, FPÖ) schwiegen so gut sie konnten. Keine Reaktion. Nichts. Die Herren beherrschen ihr Handwerk so gut, sie kämen fast für einen Job bei der Wiener Magistratsabteilung 35 (zuständig für Einbürgerungen) in Frage, wo – laut einem Insider – Telefone grundsätzlich nicht abgehoben werden.

In so einem Fall wird man als Redakteur natürlich stutzig. Naheliegender Verdacht: Die haben was zu verheimlichen. Und dann recherchiert man erst recht weiter.

Ein Pressesprecher aus der blauen Riege reagierte dann doch. Der dritte im Bunde, jener von Vize-Landeshauptmann Manfred Haimbuchner. Das Büro seines Chefs habe den Rechtsextremen bestimmt nicht beauftragt, schrieb er per Mail. Als profil ihn mit einem Foto von Haimbuchner konfrontierte, das laut Bildbeschreibung die Agentur des Extremisten geschossen hatte, ging auch er auf Tauchstation. Freilich hinderte das profil nicht, die Geschichte über die Beauftragung des Corona-Leugners zu veröffentlichen.

Mit dem schönen Ergebnis, dass ich Unterstützung von Kollegen bekam: Die Pressesprecher wurden über das Wochenende von der Austria Presse Agentur (APA) und den Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) solange sekkiert, bis sie doch etwas sagten.

Landesrat Klinger erklärte den OÖN, er werde am Montag „nachschauen“, ob er es war, der die einschlägige Agentur beauftragte. Ich fragte gestern am späten Nachmittag bei seinem Pressesprecher nach, ob es denn schon ein Ergebnis gibt und – Sie ahnen es schon – bekam mal wieder keine Antwort.

Ein untrügliches Zeichen: Ich bin schon wieder auf der richtigen Spur.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute nicht in Erklärungsnot kommen,

Jakob Winter

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