profil-Morgenpost: Wunderliches geschieht

profil-Morgenpost: Wunderliches geschieht

Die Lage am Morgen.

Der Wahlkampf tobt bereits recht ungehemmt, stellt sich auf gut dreieinhalb Monate Betriebszeit ein. Wir behalten uns weiterhin vor, die Bedingungen, unter denen Österreichs wahlwerbende Parteien agieren, genauer zu beleuchten. Seit Veröffentlichung jener Illuminationen, mit denen Heinz-Christian Strache auf Ibiza eine kleine Tischgesellschaft, vor allem aber sich selbst bei Laune hielt, steht etwa die heimische Parteienfinanzierung unter dem Generalverdacht einer gewissen Intransparenz. Die zum Teil erstaunlichen Antworten, die ein profil-Fragebogen zum Thema provozierte, demonstrieren nun, wie unterschiedlich Österreichs Parlamentsfraktionen auf den öffentlichen Wunsch nach erhöhter Nachvollziehbarkeit ihrer Finanzen reagieren. Nur eine Partei entzog sich übrigens der Beantwortung unserer Sachfragen. Und nein, es war nicht die FPÖ.

Neue Einschätzungen und Mutmaßungen zur politischen Gegenwart finden Sie außerdem in unserem jüngsten Podcast, den Innenpolitikchefin Eva Linsinger wieder gemeinsam mit profil-Herausgeber Christian Rainer bestreitet. Hier geht man beispielsweise der Frage nach, wie es denn sein kann, dass die Freiheitlichen unter ihren wahlberechtigten Sympathisanten – wenn man den Umfragen trauen mag – aktuell so gut wie keine Post-Ibiza-Verluste zu beklagen haben.

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Und während also Wunderliches geschieht, gibt es einen weiteren, höchst ehrenvollen internationalen Medienpreis für ein Mitglied dieser Redaktion zu verbuchen: Außenpolitik-Ressortchef Martin Staudinger wird mit dem Herbert-Riehl-Heyse-Preis, der alle zwei Jahre von der „Süddeutschen Zeitung“ vergeben wird, ausgezeichnet – damit wird erstmals ein österreichischer Journalist diesen Preis erhalten. Der prämierte Text, im Frühjahr 2017 erschienen, aber von ungebrochener Aktualität, heißt „In vier Schritten zur Alleinherrschaft“ und versteht sich als sarkastischer Ratgeber für europäische Machthaber, die nicht nur das System Demokratie für stark überschätzt halten, sondern auch tatkräftig daran arbeiten wollen, es durch die Mittel semi-diskreter Tyrannei zu ersetzen: So sehen die Herren Orbán und Erdoğan die Welt. Hier können Sie Staudingers leider sehr realistische Polemik nachlesen. Es zahlt sich aus.

Wir wünschen Ihnen anregende Lektüre und einen erstklassigen Start in den Donnerstag.