<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Absolut relativ

Der spannende Wahltag in Wien aus Sicht derer, die alles gegeben haben – und mitunter auch noch mehr geben würden.

13.20 Uhr. Die ÖVP weicht in ihrem War Room keinen Millimeter zurück.

Marek: Es bleibt dabei: Gerade nach diesem hervorragenden Wahlkampf, mit einem Bürgermeisterplakat … und … und sonst auch voll viel, werde ich nicht vom eingeschlagenen Weg abweichen und die Strategie, die wir von Anfang an konsequent verfolgt haben, beinhart bis zum Ende durchziehen. Jawoll.
Pröll: Tschuldige, i war grad ein bissl abgelenkt. Der Werner smst scho den ganzen Tag Bugdetzahlen. Wobei i mir bei der letzten net sicher bin, ob des jetzt die Kosten von der Hacklerpension waren oder die Nummer von seiner Kinesiologin … Strategie? Wie war die gschwind noch einmal?
Marek: Ich gebe es bei den Koalitionsverhandlungen so billig wie möglich.
Pröll: Ah ja, genau. Die Malakoff-Offen­sive.
Fekter: Also ich sag: Eine gesunde Härte hat noch niemandem geschadet. Ich tät mir Nietenhandschuhe anziehen und einmal ordentlich auf den Tisch hauen.
Marek: Ja, klar. Du sitzt ja dann auch mit deine Nietenhandschuh im Oppositionsbankl neben dem Gudenus. Na, wart einmal: Des bin ja ich!
Fekter: No, schlecht? Dem werden die ­sicher gfallen …
Marek: Sepp, bitte! Kann i mi net doch wieder aus Wien verzupfen, wenn i net ­Vizebürgermeisterin werd? Wiener ÖVP-Chefin sein heißt sowieso schon jeden Tag in einem Stephen-King-Roman aufwachen. Aber Wiener ÖVP-Chefin und dann auch no in Opposition sein is „Ein Zombie hing am Glockenseil“.
Fekter: Den kenn i! Der is super!
Pröll: Ich hab vollstes Vertrauen, dass die Wiener keine Absolute mehr wollen und entsprechend wählen.
Marek: Ja. Also hoffentlich den Strache!
Pröll: Na ja. Wegen uns wird der Häupl die Absolute eher net verlieren … Aber gfürcht hat er si sicher vor dir! Ein, zwei Minuten.
Marek: Vielleicht bleib i ja wenigstens Dritte. Wär auch a schöner Erfolg.
Fekter: Man muss das so sehen wie bei abgeschobenen Kindern: Ein bissl was geht immer no.

14.14 Uhr. Die Vollversammlung des BZÖ tagt in zwei Liegestühlen an der Alten Donau.
Bucher: Warum tuan mir uns dos eigentlich an? Ha?
Sonnleitner: Du, i bin ab morgen wieder Pensionist und kann tun und lassen, was mir Spaß macht. Den ganzen Tag das Amtsblatt zur „Wiener Zeitung“ lesen, nachmessen, wie viel der Schnittlauch seit gestern wieder gewachsen ist und, und, und.
Bucher: Aber i könnt doch a … Abenteuer erleben, verstehst? Im Amazonasdschungel die größte bekannte Anaconda der Welt fangen … in der Antarktis die Kärnter Fahne ins Eis rammen … oder wenigstens eine rechtsliberale Partei in Österreich eta­blieren!
Sonnleitner: Na ja …
Bucher: Was?
Sonnleitner: Soll i ehrlich sein?
Bucher: Nein.

15.36 Uhr. Die Grünen blicken über das Neubauer Häusermeer und außerdem total optimistisch in die Zukunft.
Vassilakou: Es bleibt dabei: Gerade nach diesem hervorragenden Wahlkampf, der mit Spaltungen in nur 8,69 Prozent aller Bezirke den niedrigsten Wert seit der Dienstfahrraddebatte im Jahr 2007 gebracht hat, werde ich nicht vom eingeschlagenen Weg abweichen und die Strategie, die wir von Anfang an konsequent verfolgt haben, beinhart bis zum Ende durchziehen. Jawoll.
Van der Bellen: Tschuldige, i war grad ein bissl abglenkt. Bis dieser Tschick endlich einmal brennt … I glaub für mein Sturmfeuerzeug geht zu wenig Sturm. Strategie? Wie war die gschwind noch einmal?
Vassilakou: Ich gebe es bei den Koalitionsverhandlungen so billig wie möglich.
Van der Bellen: Ah ja. Operation Nelkengewürz.
Glawischnig: Das mit dem riesengroßen Blumenstrauß in der ersten Verhandlungsrunde find ich aber voll daneben.
Vassilakou: Und hinter was soll ich den Ellensohn und den Margulies sonst bitte verstecken?
Van der Bellen: Hinter mir. Aber dazu müssten sie sich in eine Reihe stellen … Wird schwierig.
Vassilakou: Obfrau von den Wiener Grünen zu sein heißt sowieso schon jeden Tag in Dantes Inferno aufwachen. Und dann noch dazu noch einmal fünf Jahr Opposition? Das ist Dantes Inferno, von Thomas Brezina überarbeitet!
Van der Bellen: Brezina? Von dem hab i schon einmal ghört! Aber i hab jetzt dummerweise ganz vergessen, was.
Glawischnig: Ich hab vollstes Vertrauen, dass die Wiener keine Absolute mehr wollen und entsprechend wählen.
Vassilakou: Ja. Also hoffentlich den Strache!
Glawischnig: Na ja. Wir werden den ­Häupl ja eher net die Absolute kosten … Aber gfürcht hat er si sicher vor dir! Ein, zwei Minuten.
Vassilakou: Vielleicht werd ich ja wenigstens Dritte. Wär auch ein schöner Erfolg.
Van der Bellen: I tät, glaub ich, Patmos nehmen.

17.08 Uhr. Nach der ersten Wahlumfrage keimen in der FPÖ milde, wenn auch nicht ungetrübte Triumphgefühle.
Strache: Herbert? Schaust amal, da links oben, über dem Ohr – hab ich da eine lichte Stelle in den Haaren?
Kickl: Zeig her! Na geh! Und i hab dir no gsagt: Jetzt einmal drei Wochen kein Drogentest. Wie schaut denn des aus, a Tonsur beim Siegerinterview!
Strache: Is net so schlimm. Hat eh nur BZÖ-Größe.
Vilimsky: BZÖ! Ha! I werd nimmer!
Strache: Ja. Davon gehen wir eh scho länger aus.
Kickl: I hab scho den Comic für die Nationalratswahl vor mein geistigen Auge: Der HC-Man erobert Mekka, wird aber von der Kaaba geschwächt, weil der Schwarze Stein auf ihn wirkt wie Kryptonit, aber ­obwohl sich der Faymann mit Vollbart und Krummsäbel schützend vor den Stein wirft, zertrümmert ihn der HC-Man mit letzter Kraft mit einem Handkantenschlag und …
Vilimsky: Voll cool! Krieg ich auch a ­Rolle?
Kickl: Du darfst überlegen, an welcher Stelle wir unabsichtlich ein Hakenkreuz einbauen.
Vilimsky: Pfah! Voll schwer diesmal. In Mekka nehmen s’ sicher kein Mundwasser.
Strache: I derf gar net dran denken: Wenn i die Absolute wirklich brech, wird ane von die zwa Funsen Vizebürgermeisterin.
Kickl: Ja. Furchtbar. Da könnt ma ja fast selber den Häupl wählen!
Vilimsky: War des der in der ersten ­Zeile?
Kickl: Ja, warum?
Vilimsky: Ach, nur so.
Strache: Jedenfalls ham wir wieder eins gelernt aus dieser Wahl: Über a Minarett geht nix drüber.
Kickl: Außer a höheres Minarett.
Vilimsky: I hab’s: Wurfsterne!
Kickl: Was für Wurfsterne?
Vilimsky: Na im Comic! Der HC-Man hat so Wurfsterne wie die Ninja-Turtles, und die haben die Form von … Na?
Strache: Und da sagen immer alle, i bin a One-Man-Show!

17.40 Uhr. Die SPÖ wartet voller Gewissheit auf die erste Hochrechnung.
Häupl: Des einzig Guate is: Mi freut’s sowieso nimmer.
Brauner: Aber mi! Mi freut’s so was von, wenn’s mi mehr freuen tät, wär ich ein Prozac mit Füßen!
Häupl: Des heißt, wenn i di jetzt friss, geht’s mir besser? Führ mi nur in Versuchung! I hab vielleicht einen Zorn. I such mir jetzt einen Hassprediger und würg eam vor alle Leut wie an Truthahn!
Brauner: Jetzt is z’ spät.
Faymann: Schieb’s auf die Bundespartei. Wann i an irgendeinem Wahltag kane Watschen krieg, fehlt ma ja eh schon was.
Häupl: A Koalition und i, des is wie Rapid und Austria. Aber im Fansektor und ohne Zaun dazwischen.
Brauner: Mi stört des gar net a so. Und stell dir vor, wenn dann i und die Marek … Zwei Frauen führen Wien! Des wär doch ein Signal.
Häupl: Signal. Ja. An des hab i ja no gar net denkt. Um Gottes willen!
Faymann: Wenigstens brauch ma uns nimmer fürchten, dass ma wegen dem Sparbudget verlieren. Jetzt hätt ma’s ohne des a gschafft.
Brauner: Manche Sachen kömma auch ­allein – wenn ma uns nur lasst.
Faymann: Na ja. Nehmts jetzt eigentlich de Ding als Vizebürgermeisterin – oder die Ding?
Brauner: I wär, glaub i, scho für die Ding. Obwohl, i könnt mit der Ding a, wenn’s warat.
Häupl: Hab i eigentlich scho erwähnt, dass es mi eh nimmer freut?

rainer.nikowitz@profil.at