<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Family Business

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Am Donnerstag kommt der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nach Wien, um sich von seinen Fans verdientermaßen huldigen zu lassen. profil gab er vorab die Ehre eines nie geführten Exklusivinterviews.

profil: Herr Ministerpräsident, was genau führt sie nach Wien?
Erdogan: Allahs windgewordener Hauch hat die Rufe meiner vereinsamten Kinder aus dem kalten Westen an den Bosporus geweht. Sie brauchen ihren Vater.

profil: Könnte man nicht vielleicht auch annehmen, dass es umgekehrt mehr der Vater ist, der die Kinder braucht? Zumindest ihre Stimmen bei der kommenden Präsidentschaftswahl?
Erdogan: Ihre Frage beweist zweierlei: Erstens sind Sie offenbar ein Feind der Türkei. Das wundert mich nicht, denn leider ist ja die Türkei permanent von Feinden umzingelt.

profil: Ich habe doch gar nichts gegen die Türkei gesagt, sondern nur über Ihren Wahlkampf im Ausland.
Erdogan: Als ob man das trennen könnte! Das ist typisch für die dauernden Versuche der jüdisch finanzierten Westmedien, einen Keil in die türkische Nation zu treiben. Also brauche ich zweitens schon wieder einen neuen Pressesprecher, denn einer, der nicht unfähig ist, hätte Sie gar nicht erst bis zu mir vorgelassen.

profil: Oh! Stehen wir jetzt auch auch der Liste der Medien, denen Sie den Krieg erklärt haben? Neben CNN und dem „Spiegel“?
Erdogan: Ich gebe Ihnen noch eine Chance. Vielleicht werden Ihre Fragen ja besser.

profil: Der österreichische Außenminister Kurz hat Sie aufgefordert, sich bei Ihrem Auftritt in Ihrer Wortwahl etwas zurückzuhalten und nicht die Integration der hier lebenden Türken zu untergraben.
Erdogan: Kurz … Ist das dieses Kind mit den Ohren?

profil: Der junge Herr Minister ist sehr beliebt in Österreich.
Erdogan: Na und? Deswegen lässt sich die Türkei von ihm noch lange nicht zu irgendwas auffordern. Das ist eine Einmischung in meine inneren Angelegenheiten. Ich bin noch nie so beleidigt worden. Das Kind soll sich gefälligst entschuldigen.

profil: Es macht aber leider eher den Eindruck, als seien Sie in einem fort beleidigt.
Erdogan: Die anderen sind eben einfach alle furchtbar. Ich kann mir den Grund auch nicht erklären.

profil: Aber immerhin reden wir von einem Auftritt in Wien. Und wenn Sie hier wieder so tun, als müssten Sie die Türken im Ausland, die offenbar allesamt gegen ihren Willen in die Sklaverei verkauft wurden, vor der endgültigen Assimilierung durch eine böse, fremde Macht retten, dann ist ja wohl klar, dass Sie damit anecken werden.
Erdogan: Tja. Wenn es um meine inneren Angelegenheiten geht, kenne ich nun einmal keine Grenzen.

profil: Dieser Eindruck könnte tatsächlich entstehen, ja. Wie Sie mit dem Demonstranten am Gezi-Platz umgesprungen sind …, das Twitter-Verbot … – täuscht der Eindruck oder ist Ihnen die EU mittlerweile egal?
Erdogan: Die EU braucht die Türkei mehr als umgekehrt.

profil: Das sagen Sie immer wieder. Allerdings ist die Beweislage für diese Behauptung noch ausbaufähig. Und Ihr Verhalten lässt eben den Schluss zu, dass Sie sowieso nicht mehr mit einer EU-Mitgliedschaft rechnen.
Erdogan: Versuchen Sie sich vorzustellen, wie die Diskussion um den nächsten Kommissionspräsidenten jetzt laufen würde, wenn ich etwas mitzureden hätte.

profil: Die wäre mit Sicherheit noch unaushaltbarer als jetzt.
Erdogan: Genau! Vor allem für mich! Ein grässlicher Gedanke: Ich sage „A“ – aber jemand anderer sagt „B“. Wie soll man regieren, wenn man so unsäglich beleidigt wird?

profil: Und am Ende wird „B“ dann vielleicht sogar noch zum Beschluss erhoben!
Erdogan: Nicht einmal das ist auszuschließen, ja! Da sieht man, wie verrückt dieser Christenklub schon geworden ist. Ich kann Ihnen da leider nicht viel Hoffnung machen: Es muss sich noch viel ändern, bis die EU reif für die Türkei ist.

profil: Das fürchte ich auch. Glauben Sie eigentlich, dass es in Wien auch Proteste gegen Sie geben wird, wie vor einigen Wochen in Köln?
Erdogan: Wenn es so sein sollte, dann bin ich gerne bereit, der österreichischen Polizei meine deeskalierenden Spezialeinheiten zur Verfügung zur stellen. Die wissen, wie man mit Terroristen umgeht.

profil: Weder Bundeskanzler Faymann noch Bundespräsident Fischer haben Zeit, Sie zu treffen. Ist das nicht eigentlich die nächste ungeheure Beleidigung?
Erdogan: Langsam scheinen selbst Sie zu erkennen, dass die Türkei ausschließlich von Feinden umgeben ist.

profil: Der Außenminister könnte, glaub ich.
Erdogan: Na gut. Der Kleine darf bei meiner Rede zuhören. Aber wehe, er klatscht nicht!

rainer.nikowitz@profil.at