© profil.at

Rainer Nikowitz
09/30/2013

Rainer Nikowitz Wahleluja!

Wahleluja!

von Rainer Nikowitz

13.14 Uhr. Werner Faymann bleibt wohl Kanzler. Das ist nach SPÖ-Lesart auf jeden Fall ein, äh, triumphaler Sieg.

Faymann: Und die Preisfrage des Tages lautet: Was haben Angela Merkel und Werner Faymann gemeinsam?
Bures: Bitte ich weiß, ich weiß, ich weiß!!
Faymann: Nau, Dorli?
Bures: Die Frisur!
Faymann: Okay … Da denk ma no a bisserl drüber nach, gell?
Darabos: Nachdem i des letzte Mal 2006 a Lob ghört hab, muss i mi jetzt amoi selber loben: Mei Wahlkampf war ja wohl erstklassig, oder?
Faymann: Stimmt! Wo Dirty Berti hinschießt, da wachst ka grauslicher Neoliberalismus mehr.
Bures: Die Raute!
Faymann: Hä?
Bures: Nau, des Dreieck, des de Merkel immer mit ihre Händ macht!
Darabos: Leider wieder daneben. Außerdem is a Raute a Viereck.
Bures: Ah so? Na ja, ihr kennt’s mi ja. Ob jetzt drei Milliarden für de ÖBB oder viere – mir doch wurscht!
Faymann: Siechst! Deswegen stehst du ja a ganz oben auf der Listen fürs Finanzministerium!
Darabos: Trotzdem bin i froh, dass alles vorbei is. Am Schluss hab i zum Beispiel den Schas mit der Millionärssteuer fast scho selber glaubt.
Faymann: Ja! Wenn de Realität und des, was ma so derzählt, langsam verschwimmen – des is richtig gespenstisch!
Bures: Jetzt hab i vom Nachdenken scho Schädlweh! Verrat mir’s!
Faymann: Ganz einfach: Sowohl die Merkel als auch ich sind in stürmischen Zeiten als sichere Hände triumphal bestätigt worden.
Bures: Ah! Verstehe. Also, die Merkel hat acht Prozentpunkte dazu-gwonnen und jetzt 42 Prozent. Und wir ham des schlechteste Ergebnis unserer Geschi…
Faymann: Des mit dem Finanzministerium is übrigens net in Stein gemeißelt.

*

14.52 Uhr. Beim Team Stronach hatte man sich doch ein wenig mehr Zuspruch erwartet. Also, zumindest einer vom Team Stronach.

Stronach:
Also, wia schau ma aus? Is a Zweier vorn? Oder gar a Dreier?
Nachbaur: A Fünfer.
Stronach: Wos? Sogoa de Absolute? I hab gwusst, dass i bin the Greatest!
Nachbaur: Äh …, Frank? Der Fünfer is vorn, weil nachher a Komma kommt.
Stronach: Honey! Get real!
Nachbaur: I weiß, du hörst des gar net gern, aber: Des wollt i dir auch grad vorschlagen.
Stronach: Wenn du bist frech, kannst dir glei holen deine Papiere und morgen bist bei the Arbeitsamt. Also: Wir ham nur fünf Komma irgendwas?
Nachbaur: Leider ja.
Stronach: Dos is nur de Schuld von the System. Und von the ORF: Der hätt mi nie so oft ins Fernsehen lassen dürfen!
Nachbaur: Äh …, genau! Des war voll perfid von denen.
Stronach: Aber i bin the Frank. I gwinn immer, auch wenn i verlier. Also: Ab morgen fangen wir an, denen andern in the Parlament de ganzen Blindgänger abzukaufen.
Nachbaur: Frank, i fürcht, no amoi wird des net funktionieren.
Stronach: Net? So eine undankbare Land. Na guat. Dann geh i jetzt.
Nachbaur: Aufs Klo?
Stronach: Nach Canada.

*

15.26 Uhr. Bei aller Freude über den satten Zugewinn mischt sich bei der FPÖ doch ein satter Wermutstropfen in den Prosecco.

Vilimsky: 22 plus sechs is …
Kickl: Brauchst a paar Finger?
Vilimsky: Na geh! Jetzt hast mi total außebracht! Jetzt kann i no amoi von vorn anfangen!
Kickl: Ein Sieg ist ein Sieg ist ein Sieg.
Strache: I find unser Ergebnis ja a super, aber wieso is ein Sieg bei dir drei?
Kickl: Des … erklär i dir a anderes Mal.
Vilimsky: 22 plus sechs …, da hätt ma hinten sieben …, na, wart amoi. Da stimmt was net.
Strache: Ganz Unrecht hat er ja
net. Wenn der Stronach net gwesen wär …
Kickl: Des Problem wird si ja bei der nächsten Wahl von selber erledigt ham. Und dann samma vorn!
Strache: Außer Rot und Schwarz reißen si jetzt wirklich amoi zsamm.
Kickl: Ha! Der war guat!
Vilimsky: Um Gottes willen! Wenn ma zu unsere Stimmen de vom Stronach dazu zählt – dann wär ma ja Erster!

*

16.04 Uhr. Die Grünen waren wieder einmal Umfragekaiser – und am Wahltag dann eher nicht so amused.

Pilz: Jetzt schaut’s halt net so drein alle! Passt’s auf, i erzähl euch an Witz. Also: Wenn ma heute einen Film über uns drehen würd – wie tät der heißen? No? „Das Schweigen der Lämmer“! Hehe!
Kogler: A Brüller.
Wallner: I kann mi kaum halten.
Glawischnig: Dabei hab i wirklich alles gmacht in dem Wahlkampf. Homestorys, bei jeder Konfronta-
tion a Taferl mit …
Pilz: Vielleicht ham viele Wähler einfach am Zettel des Kastl mit „Eva“ net gfunden.
Wallner: Fünf Prozent für die Neos … Davon kommt sicher mindestens de Hälfte von uns. Waren wir net irgendwann auch einmal irgendwie liberal?
Kogler: Ja, aber diesen Irrweg hamma Gott sei Dank hinter uns.
Glawischnig: Ma hätt ja wohl erwarten dürfen, dass unsere Wähler mündig genug san, um zu erkennen, wann wir ihnen leider die Mündigkeit absprechen müssen.
Pilz: Einen hab i no! Geht die Vassilakou über de Mariahilferstraßen …

*

17.19 Uhr. Bei den Schwarzen wird der nächste Schritt auf dem Weg von der Volks- zur Volksgruppenpartei wie immer schonungslos analysiert.

Spindelegger: Entfesseln! Jetzt!
Fekter: I versteh des net.
Mikl-Leitner: Wir san doch eine durch und durch sympathische Truppen.
Fekter: Angfangt mit uns zwa.
Rauch: Und mir!
Pröll: Nau und mir erst!
Spindelegger: Eeeentfeeesseeeln!
Fekter: Des is nur de Schuld von dem Nasenbären.
Mikl-Leitner: Klar. Unsere kann’s ja net sein.
Pröll: Und meine scho gar net.
Rauch: Programmatisch war doch alles richtig.
Fekter: Sowieso! Aufgeschlossen, modern …
Mikl-Leitner: Keinen Lobbys verpflichtet …
Rauch: Ehrlich bis ins Knochen-mark …
Pröll: Und als Sahnehäubchen: Ich!
Mikl-Leitner: Also eigentlich müsst uns doch jeder Rübenbauer im Tullnerfeld, dem sein Schwager wir a Hacken im Landesdienst verschafft ham und dem sei Oma des Schlagerl streift, wenn s‘ an de schwulen Saubatteln auch nur denkt, gwählt ham.
Pröll: Des will i stark hoffen. Sonst hat der Schwager de Hacken im Landesdienst de längste Zeit ghabt.
Fekter: Na ja. Nachdem wir mit dieser Weltoffenheit, der jede Verknöcherung völlig fremd is, net so guat gfahren san, sollt ma uns in Zukunft wirklich mehr auf unsere Kerngruppe konzentrieren.
Pröll: Genau. Und auf mi.
Spindelegger: Hilfe!! Entfesseln!
Pröll: Nix da. Du bist an allem schuld. Und wenn du an dem Strick a no herumzahst, tuat’s nur no mehr weh!

*

17.35 Uhr. Die Pinken sind wohl die Überraschung des Wahltags. Sie feiern aber sehr zurückhaltend.

Strolz: Eine Jahrhundertsensation! Der größte Sieg seit Córdoba!
Haselsteiner: Super, ja. Aber was i dir scho lang sagen wollt: Trink net so vü Kaffee. Du kommst generell a bissl hyperaktiv umme.
Strolz: O. k. I reiß mi zsamm. Ein Megawahnsinn! Wir schreiben Geschichte!! Wir sind die Größten!!! Wir …
Haselsteiner: Des haut ja scho ganz guat hin.

*

21.46 Uhr. Der Parteivorstand des BZÖ versammelt sich zu seiner allerletzten Sitzung.

Bucher: Und? Was mach ma jetzt?
Bucher: Ka Ahnung. An Job suachen?
Bucher: Pfah bist du brutal!
Bucher: Samma a Wirtschaftspartei oder nit?
Bucher: Wie soll i sagen? Irgendwie nimmer.

[email protected]

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.