<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Wahleluja!

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Wahleluja!

Triumph & Trauerarbeit – der spannende Wahltag, satirisch betrachtet.

13.14 Uhr. Werner Faymann bleibt wohl Kanzler. Das ist nach SPÖ-Lesart auf jeden Fall ein, äh, triumphaler Sieg.

Faymann: Und die Preisfrage des Tages lautet: Was haben Angela Merkel und Werner Faymann gemeinsam?
Bures: Bitte ich weiß, ich weiß, ich weiß!!
Faymann: Nau, Dorli?
Bures: Die Frisur!
Faymann: Okay … Da denk ma no a bisserl drüber nach, gell?
Darabos: Nachdem i des letzte Mal 2006 a Lob ghört hab, muss i mi jetzt amoi selber loben: Mei Wahlkampf war ja wohl erstklassig, oder?
Faymann: Stimmt! Wo Dirty Berti hinschießt, da wachst ka grauslicher Neoliberalismus mehr.
Bures: Die Raute!
Faymann: Hä?
Bures: Nau, des Dreieck, des de Merkel immer mit ihre Händ macht!
Darabos: Leider wieder daneben. Außerdem is a Raute a Viereck.
Bures: Ah so? Na ja, ihr kennt’s mi ja. Ob jetzt drei Milliarden für de ÖBB oder viere – mir doch wurscht!
Faymann: Siechst! Deswegen stehst du ja a ganz oben auf der Listen fürs Finanzministerium!
Darabos: Trotzdem bin i froh, dass alles vorbei is. Am Schluss hab i zum Beispiel den Schas mit der Millionärssteuer fast scho selber glaubt.
Faymann: Ja! Wenn de Realität und des, was ma so derzählt, langsam verschwimmen – des is richtig gespenstisch!
Bures: Jetzt hab i vom Nachdenken scho Schädlweh! Verrat mir’s!
Faymann: Ganz einfach: Sowohl die Merkel als auch ich sind in stürmischen Zeiten als sichere Hände triumphal bestätigt worden.
Bures: Ah! Verstehe. Also, die Merkel hat acht Prozentpunkte dazu-gwonnen und jetzt 42 Prozent. Und wir ham des schlechteste Ergebnis unserer Geschi…
Faymann: Des mit dem Finanzministerium is übrigens net in Stein gemeißelt.

*

14.52 Uhr. Beim Team Stronach hatte man sich doch ein wenig mehr Zuspruch erwartet. Also, zumindest einer vom Team Stronach.

Stronach:
Also, wia schau ma aus? Is a Zweier vorn? Oder gar a Dreier?
Nachbaur: A Fünfer.
Stronach: Wos? Sogoa de Absolute? I hab gwusst, dass i bin the Greatest!
Nachbaur: Äh …, Frank? Der Fünfer is vorn, weil nachher a Komma kommt.
Stronach: Honey! Get real!
Nachbaur: I weiß, du hörst des gar net gern, aber: Des wollt i dir auch grad vorschlagen.
Stronach: Wenn du bist frech, kannst dir glei holen deine Papiere und morgen bist bei the Arbeitsamt. Also: Wir ham nur fünf Komma irgendwas?
Nachbaur: Leider ja.
Stronach: Dos is nur de Schuld von the System. Und von the ORF: Der hätt mi nie so oft ins Fernsehen lassen dürfen!
Nachbaur: Äh …, genau! Des war voll perfid von denen.
Stronach: Aber i bin the Frank. I gwinn immer, auch wenn i verlier. Also: Ab morgen fangen wir an, denen andern in the Parlament de ganzen Blindgänger abzukaufen.
Nachbaur: Frank, i fürcht, no amoi wird des net funktionieren.
Stronach: Net? So eine undankbare Land. Na guat. Dann geh i jetzt.
Nachbaur: Aufs Klo?
Stronach: Nach Canada.

*

15.26 Uhr. Bei aller Freude über den satten Zugewinn mischt sich bei der FPÖ doch ein satter Wermutstropfen in den Prosecco.

Vilimsky: 22 plus sechs is …
Kickl: Brauchst a paar Finger?
Vilimsky: Na geh! Jetzt hast mi total außebracht! Jetzt kann i no amoi von vorn anfangen!
Kickl: Ein Sieg ist ein Sieg ist ein Sieg.
Strache: I find unser Ergebnis ja a super, aber wieso is ein Sieg bei dir drei?
Kickl: Des … erklär i dir a anderes Mal.
Vilimsky: 22 plus sechs …, da hätt ma hinten sieben …, na, wart amoi. Da stimmt was net.
Strache: Ganz Unrecht hat er ja
net. Wenn der Stronach net gwesen wär …
Kickl: Des Problem wird si ja bei der nächsten Wahl von selber erledigt ham. Und dann samma vorn!
Strache: Außer Rot und Schwarz reißen si jetzt wirklich amoi zsamm.
Kickl: Ha! Der war guat!
Vilimsky: Um Gottes willen! Wenn ma zu unsere Stimmen de vom Stronach dazu zählt – dann wär ma ja Erster!

*

16.04 Uhr. Die Grünen waren wieder einmal Umfragekaiser – und am Wahltag dann eher nicht so amused.

Pilz: Jetzt schaut’s halt net so drein alle! Passt’s auf, i erzähl euch an Witz. Also: Wenn ma heute einen Film über uns drehen würd – wie tät der heißen? No? „Das Schweigen der Lämmer“! Hehe!
Kogler: A Brüller.
Wallner: I kann mi kaum halten.
Glawischnig: Dabei hab i wirklich alles gmacht in dem Wahlkampf. Homestorys, bei jeder Konfronta-
tion a Taferl mit …
Pilz: Vielleicht ham viele Wähler einfach am Zettel des Kastl mit „Eva“ net gfunden.
Wallner: Fünf Prozent für die Neos … Davon kommt sicher mindestens de Hälfte von uns. Waren wir net irgendwann auch einmal irgendwie liberal?
Kogler: Ja, aber diesen Irrweg hamma Gott sei Dank hinter uns.
Glawischnig: Ma hätt ja wohl erwarten dürfen, dass unsere Wähler mündig genug san, um zu erkennen, wann wir ihnen leider die Mündigkeit absprechen müssen.
Pilz: Einen hab i no! Geht die Vassilakou über de Mariahilferstraßen …

*

17.19 Uhr. Bei den Schwarzen wird der nächste Schritt auf dem Weg von der Volks- zur Volksgruppenpartei wie immer schonungslos analysiert.

Spindelegger: Entfesseln! Jetzt!
Fekter: I versteh des net.
Mikl-Leitner: Wir san doch eine durch und durch sympathische Truppen.
Fekter: Angfangt mit uns zwa.
Rauch: Und mir!
Pröll: Nau und mir erst!
Spindelegger: Eeeentfeeesseeeln!
Fekter: Des is nur de Schuld von dem Nasenbären.
Mikl-Leitner: Klar. Unsere kann’s ja net sein.
Pröll: Und meine scho gar net.
Rauch: Programmatisch war doch alles richtig.
Fekter: Sowieso! Aufgeschlossen, modern …
Mikl-Leitner: Keinen Lobbys verpflichtet …
Rauch: Ehrlich bis ins Knochen-mark …
Pröll: Und als Sahnehäubchen: Ich!
Mikl-Leitner: Also eigentlich müsst uns doch jeder Rübenbauer im Tullnerfeld, dem sein Schwager wir a Hacken im Landesdienst verschafft ham und dem sei Oma des Schlagerl streift, wenn s‘ an de schwulen Saubatteln auch nur denkt, gwählt ham.
Pröll: Des will i stark hoffen. Sonst hat der Schwager de Hacken im Landesdienst de längste Zeit ghabt.
Fekter: Na ja. Nachdem wir mit dieser Weltoffenheit, der jede Verknöcherung völlig fremd is, net so guat gfahren san, sollt ma uns in Zukunft wirklich mehr auf unsere Kerngruppe konzentrieren.
Pröll: Genau. Und auf mi.
Spindelegger: Hilfe!! Entfesseln!
Pröll: Nix da. Du bist an allem schuld. Und wenn du an dem Strick a no herumzahst, tuat’s nur no mehr weh!

*

17.35 Uhr. Die Pinken sind wohl die Überraschung des Wahltags. Sie feiern aber sehr zurückhaltend.

Strolz: Eine Jahrhundertsensation! Der größte Sieg seit Córdoba!
Haselsteiner: Super, ja. Aber was i dir scho lang sagen wollt: Trink net so vü Kaffee. Du kommst generell a bissl hyperaktiv umme.
Strolz: O. k. I reiß mi zsamm. Ein Megawahnsinn! Wir schreiben Geschichte!! Wir sind die Größten!!! Wir …
Haselsteiner: Des haut ja scho ganz guat hin.

*

21.46 Uhr. Der Parteivorstand des BZÖ versammelt sich zu seiner allerletzten Sitzung.

Bucher: Und? Was mach ma jetzt?
Bucher: Ka Ahnung. An Job suachen?
Bucher: Pfah bist du brutal!
Bucher: Samma a Wirtschaftspartei oder nit?
Bucher: Wie soll i sagen? Irgendwie nimmer.

rainer.nikowitz@profil.at