<small><i>Rezension</i></small>
True Grit

Wenn es etwas gibt, das überraschend wirkt an dem Western „True Grit“, so ist es die weit gehende Abwesenheit von Ironie, die für die Regisseure Joel und Ethan Coen eigentlich längst zur Trademark geworden ist. „True Grit“ trägt dennoch ganz deutlich die Signatur seiner Autoren: Das archaische Rachedrama um den knorrigen Jeff Bridges ist einerseits zwar sehr klassizistisch angelegt, andererseits aber grafisch so präzise (an der Kamera: der Coen-Routinier Roger Deakins), dass man jederzeit spürt, wie sehr die Coen-Brüder nicht nur vom Westerngenre ausgehen, sondern etwa auch von der Bildgestaltung postmoderner graphic novels. Mit dem 1969 nach derselben Vorlage, einem Roman Charles Portis’ entstandenen John-Wayne-Western „Der Marshal“ (Originaltitel: „True Grit“) hat der aktuelle Film nur entfernt zutun, man zögert, ihn ein Remake zu nennen. Jeff Bridges füllt die Antiheldenrolle des versoffenen Amoral-Marshals Rooster Cogburn mit spürbarer Lust; er kaut an seinen fragmentarischen Äußerungen wie an einem zähen Steak (man braucht, wenn man das Amerikanische nicht perfekt beherrscht, tatsächlich Untertitel, um Bridges hier zu verstehen). An seiner Seite stiehlt ihm die 14jährige Hailee Steinfeld phasenweise fast die Show: Das schneidige Mädchen, das sie darstellt, heuert den zunächst Unwilligen an, um den Mörder ihres Vaters zur Strecke zu bringen. Die Reise, die sie gemeinsam unternehmen, endet blutig – und mit dem Untergang des Alten Westens. Matt Damon und Josh Brolin bleiben neben Bridges und Steinfeld eher blass, aber wie üblich faszinieren vor allem die vielen Neben- und Kleindarsteller, die von den Coen-Brothers eingesetzt werden. „True Grit“ ist ein ebenso stilsicher wie konventionell geratener Western: nicht das stärkste Werk ihrer Autoren, aber stark genug, um einem nicht den Kinoabend zu verderben.