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profil-Morgenpost
02/23/2021

Schuss ins Knie

Warum macht Österreich es Einwanderern so schwer – selbst dann, wenn wir sie dringend brauchen und schon viel in sie investiert haben?

von Siobhán Geets

Guten Morgen!

Haben Sie sich auch schon einmal gewundert, warum Österreich es Einwanderern so schwer macht – auch jenen, die wir dringend brauchen und in die wir schon viel investiert haben?

Da ist zum Beispiel Mohammad Nasim Khogiani. Der afghanische Arzt hat einen bürokratischen Marathon durch mehrere Länder hinter sich. Mehr als ein Jahr hat es gedauert, bis der Mittfünfziger die Stelle in einem niederösterreichischen Spital antreten konnte, die ihm im Herbst 2019 angeboten worden war. Dabei hat Khogiani nicht nur einen Uniabschluss aus Deutschland vorzuweisen. Er hat auch fast dreißig Jahre Erfahrung als Spitalschef in Afghanistan, spricht fließend Deutsch und gehört zu genau jener Berufsgruppe, die Österreich so dringend braucht.

Warum, fragt Edith Meinhart in ihrer Reportage über Khogianis Odyssee im aktuellen profil, macht es Österreich Einwanderern so schwer – selbst dann, wenn sie hochqualifiziert sind?

Eine einfache Antwort darauf gibt es freilich nicht. Sicher ist: Wahnsinnig intelligent ist dieses Vorgehen nicht, im Gegenteil. Leute wie Khogiani jahrelang im Kreis zu schicken und sie damit von ihrer Arbeit abzuhalten, ist ein Schuss ins eigene Knie. Krankenhäuser in Österreich, vor allem am Land, suchen verzweifelt nach Personal. Bald könnten Tausende Ärzte fehlen.

Grausam und ökonomisch sinnlos

Das gilt übrigens auch für die vor kurzem abgeschobenen Kinder. Die zwölfjährige Tina aus ihrer Heimat Wien nach Georgien zu schicken, ein Land, das sie kaum kennt, ist nicht nur grausam, sondern auch ökonomisch sinnlos. Wieso Österreich sich diesen Kurs noch einmal überlegen sollte, schreibt Robert Treichler im aktuellen profil.

Immerhin hat Tina zwölf Jahre lang Dienste der öffentlichen Gesundheitsversorgung in Anspruch genommen und besuchte österreichische Bildungseinrichtungen, alles auf Kosten des Staates.

Eines Staates übrigens, der mit der Überalterung der Bevölkerung kämpft und mit einem Mangel an Fachkräften. Deshalb mobilisiert auch die Wirtschaft seit Jahren gegen die Abschiebung von Lehrlingen. Man muss also nicht einmal humanistisch argumentieren. Sinnvolle Migrations- und Flüchtlingspolitik zahlt sich auch aus ganz egoistischen Gründen aus.

Siobhán Geets

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