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Österreich
02/09/2021

Sperrzone Tirol: Warum wurde nicht früher isoliert?

profil vorliegende Zahlen zeigen: Auf den Bezirk Schwaz und das angrenzende Münster entfallen 80 Prozent des Aufkommens der gefährlichen, südafrikanischen Variante.

von Edith Meinhart

Zehn Tage lang sollen Reisen aus und nach Tirol unterbunden werden. Die Grenzen des Bundeslandes sollen nur mit einem negativen Testergebnis, das nicht älter als 48 Stunden sein darf, überschritten werden dürfen. Die Maßnahme gilt ab Freitag. Das erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) heute in einer Pressekonferenz. Der Grund: In Tirol gibt es den EU-weit größten, derzeit bekannten Ausbruch der südafrikanischen Variante des Corona-Virus. Diese Mutanten machen den Erreger ansteckender und seine Bekämpfung schwieriger. Laut Studien wirkt der Impfstoff von AstraZeneca deutlich schlechter, vielleicht gar nicht. Es gibt also jedes – auch übergeordnete, nationale und europäische – Interesse, diese Variante lokal einzugrenzen.  

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hatte sich in den vergangenen Tagen vehement gegen einen Lockdown Tirols ausgesprochen. Schützenhilfe bekam er von vielen Seiten, zuletzt vom Tiroler Wirtschaftskammerpräsidenten Christoph Walser. Laut Tirol zählt man aktuell 400 Verdachtsfälle der südafrikanischen Variante, 293 davon sind bestätigt und über 120 aktuell aktiv – das Gros davon im Bezirk Schwaz. Wie genau sich diese besonders gefährliche Virusvariante im Bundesland verteilt, wurde nicht offengelegt. Tirol sei nicht der „einzige Herd“, bemühte sich Kanzler Kurz zu beschwichtigen.  

 

profil liegt eine Auswertung vor (Stand: 6. Februar 2021): Laut dieser kommen auf den Bezirk Schwaz 64 Prozent der Mutationsfälle B1.3151 (Südafrika), gefolgt von Kufstein mit 20 Prozent, wobei das Gros der Fälle in der Kleinstadt Münster auftrat, das direkt an Schwaz grenzt. Das heißt, dass rund 80 Prozent in einem geografisch engen Gebiet auftraten. Zum Vergleich: Auf die Stadt Innsbruck entfallen nur vier Prozent.

Das wirft Fragen auf:  Hätte eine frühzeitige Isolation von Schwaz eine weitere Ausbreitung verhindert? Hat man, wie schon im Fall Ischgl – der profil seit Monaten beschäftigt – zu lange gewartet? Landesamtsdirektor Herbert Forster sagt auf profil-Anfrage, man dürfe „das Buch nicht von hinten lesen“. Eine Abriegelung sei nicht nötig gewesen, weil „sowohl das Containment als auch das Contact-Tracing gut funktioniert“ haben. Auch Kanzler Kurz bemühte sich zuletzt zu beschwichtigen, Tirol sei „nicht der einzige Herd“.  

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