Steuerreform: Do&Co-Chef Attila Dogudan im Interview

Steuerreform: Do&Co-Chef Attila Dogudan im Interview

Do&Co-Chef Attila Dogudan über die Steuermoral seiner Branche und den Aktionismus der Wirtschaftskammer.

profil: Warum waren Sie nicht bei der Wirte-Demo gegen die Registrierkassenpflicht?
Attila Dogudan: Ich halte das für völlig absurd. Warum soll ich mich darüber aufregen, dass der Staat das Geld einfordert, das ihm zusteht? Gegen Kassensysteme kann man nur sein, wenn man Steuern umgehen will. Es ist auch originell, dass sich die Wirtschaftskammer so empört, weil in Zukunft legal gearbeitet werden soll.

profil: Argumentiert wird mit dem bürokratischen und finanziellen Aufwand, den Kleinbetriebe damit hätten. Das sei existenzbedrohend. Unter der Hand erzählen Wirte, dass sie nicht überleben könnten, wenn sie alle Einnahmen deklarieren.
Dogudan: Welchen Aufwand hat man bei einer Rechnungsausstellung? In Wahrheit geht es doch darum, dass die Lohnnebenkosten zu hoch sind. Manche Wirte können sich das nicht leisten und gehen daher einen anderen Weg. Österreichs Gastronomie ist im internationelen Vergleich und für die Qualität, die sie bietet, extrem günstig. Eine höhere Steuerehrlichkeit wird steigende Preise zur Folge haben, was auch in Ordnung ist. In jedem Fall muss der Gesetzgeber Bedingungen schaffen, die es ermöglichen, legal Geld zu verdienen. Steuergerechtigkeit gibt es nur, wenn alle mitmachen. Sonst ist jeder, der korrekt arbeitet und seine Steuern zahlt, ein Depp.

profil: Ist Ihre Branche für Tricksereien besonders anfällig?
Dogudan: Das gibt es doch nicht nur in der Gastronomie. Schwarzarbeit wird auch in anderen Branchen als Kavaliersdelikt gesehen, was sie eben nicht ist. Wenn einzelne Gruppen wenig zahlen, müssen andere mehr zahlen. Und das ist wohl nicht gerecht. Wir haben als Großbetrieb überall transparente Kassensysteme. Wie sollten wir sonst unsere Kosten zuordnen und kontrollieren? Ich finde es daher in Ordnung, wenn stärker kontrolliert wird. Ich hätte nur dem Finanzminister geraten, für die Vergangenheit eine Art Generalamnestie zu erlassen. Sonst werden manche ein Argumentationsproblem kriegen, wenn auf einmal wundersame Umsatzsteigerungen entstehen.

profil: Was halten Sie insgesamt von der Steuerreform?
Dogudan: Die Regierung hat einen richtigen Schritt gesetzt, ich kann da nur gratulieren. Die meisten Menschen werden mehr Geld in der Tasche haben, und das wird unserer Wirtschaft gut tun. Die Gegenfinanzierung steht allerdings meiner Ansicht nach auf wackeligen Beinen. Irgendwann müssen auch die Ausgaben des Staates wesentlich reduziert werden, sonst wird sich die Rechnung langfristig nicht ausgehen.