Suizid in U-Haft: 19-Jähriger strangulierte sich

Suizid in U-Haft: 19-Jähriger strangulierte sich

In einer überwachten Einzelzelle in der Justizanstalt Wien-Josefstadt hat sich ein 19-Jähriger das Leben genommen. Experten warnen: Gefängnisse mit steigender Zahl von psychisch kranken Insassen überfordert.

Am 24. November nahm sich ein junger Erwachsener in einer überwachten Einzelzelle der Justizanstalt Wien-Josefstadt das Leben, indem er sich mit seinem Gürtel strangulierte. Auf dem Überwachungsmonitor wurde der Suizid zu spät bemerkt. Der U-Häftling litt unter schweren, psychischen Problemen. Es war der neunte Suizid des ablaufenden Jahres in einem Gefängnis in Österreich.

Jugendrichterin Beate Matschnig, die wesentlich daran beteiligt war, untragbare Zustände aufzudecken, die noch bis vor eineinhalb Jahren im Jugendtrakt herrschten, konzediert zwar, dass sich die Lage mittlerweile „enorm verbessert“ habe. Die Betreuung der steigenden Zahl von psychisch kranken Häftlingen aber sei ein großes Problem, warnt auch die forensische Psychiaterin Gabriele Wörgötter: Die Justizwache sei für ihre Betreuung weder zuständig noch geschult. Wird ein Häftling in die Psychiatrie eingewiesen, „wird er dort schnell medikamentös eingestellt und ist in kurzer Zeit wieder bei uns“, so Matschnig zu profil. Bei ihren Visiten im Jugendtrakt treffe sie immer wieder Insassen, die „im Gesundheitssystem sein sollten und nicht in einer Justizanstalt“.

(Red.)