© Thomas Hoisl

Österreich
12/05/2020

Umfrage: Causa Ischgl hat negativen Effekt auf Urlaubspläne von Deutschen

22,5 Prozent der Vorjahresgäste aus Deutschland wollen Österreich wegen den Vorkommnissen in Ischgl heuer meiden. Weitere 21,3 Prozent wollen einen Bogen um Tirol machen. Es gibt aber auch positive Vorzeichen für die Tourismusbranche.

von Jakob Winter

Wie viele Menschen können sich überhaupt einen Winterurlaub leisten? Wie viele Stammgäste bleiben in der heurigen Wintersaison daheim? Und wie wirkt sich die Causa Ischgl auf die Reiselust deutscher und österreichischer Gäste aus?

Antworten darauf liefert eine aktuelle Erhebung des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) in Kooperation mit der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), die profil exklusiv vorliegt. 1014 Deutsche und 1002 Österreicher wurden von Ende Oktober bis Anfang November auf ihre Winterurlaubspläne abgeklopft – die Stichproben sind repräsentativ für die Gesamtbevölkerung der beiden Länder zwischen 18 und 69 Jahren. Die Befragung zeigt: die unsichere Corona-Situation und private Finanznöte trüben die Urlaubslust – und das verkorkste Corona-Krisenmanagement in Ischgl hält vor allem Deutsche vom Österreich-Urlaub ab.

Alle Ergebnisse der Befragung können Sie im aktuellen profil lesen, das am Samstag ab 17 Uhr als e-Paper verfügbar ist – oder ab Montag in der gedruckten Ausgabe.
 

Aus der Befragung geht hervor, dass 42 Prozent der Österreicher und 48 Prozent der Deutschen im Winter grundsätzlich nicht auf Urlaub fahren – unabhängig von Corona.

Worauf die Tourismusbranche hoffen kann: Immerhin 41 Prozent der österreichischen und 50 Prozent der deutschen Vorjahresgäste planen auch im Corona-Winter einen Urlaub. 17,6 Prozent (österreichische Gäste) und 9,1 Prozent (deutsche) sind noch unentschlossen.

„Die Reisebereitschaft ist da“, interpretiert ÖHV-Geschäftsführer Markus Gratzer die Zahlen vorsichtig positiv. Eine Gruppe beschäftigt den Interessensvertreter der Hoteliers besonders: „Es gibt ein respektables Volumen an Leuten, die sich noch unsicher sind. Für die sind Hygienebedingungen und kurzfristige Stornomöglichkeiten entscheidend. Da sind die Betriebe gefordert, gute und flexible Angebote zu machen.“

Die Befragung sollte auch klären, wie groß der Imageschaden für die Tourismusbranche ist, der durch die Causa Ischgl entstanden ist. Das Ergebnis: Unter den deutschen Vorjahresgästen zeigt sich der negative Ischgl-Effekt deutlich. Für 22,5 Prozent ist das schlechte Corona-Krisenmanagement ein Grund, im Winter keinen Österreichurlaub zu machen, weitere 21,3 Prozent wollen Tirol meiden und 12,5 Prozent zumindest nicht nach Ischgl fahren. Wie viele Österreicher wegen den Vorkommnissen im März 2020 in Ischgl ihre Winterurlaubspläne kübeln, können Sie im neuen profil lesen.

Oliver Fritz, Tourismusforscher vom WIFO: „Das Corona-Management in Ischgl war nicht besonders glücklich und hat eine große Angriffsfläche geboten.“ Langfristig wird die Causa aber „wahrscheinlich kaum Auswirkungen“ haben, glaubt Fritz: „Der Urlauber vergisst irrsinnig schnell, wenn er einen Ort mag.“

Bleibt die Frage: Wem ist Aprés Ski eigentlich wichtiger – Gästen aus Österreich oder aus Deutschland? Die Antwort steht im neuen profil, in dem Sie auch ein Interview mit der Tiroler Seilbahn-Unternehmerin Martha Schultz finden, das Edith Meinhart geführt hat. Schultz spricht darin über die Herausforderungen der Tourismusbranche in der anstehenden Corona-Saison und nachhaltigen Tourismus. 

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