Verletzen manche Zeitungen die Privatspähre H. C. Straches?

Verletzen manche Zeitungen die Privatspähre H. C. Straches?

Verletzen Zeitungen H. C. Straches Privatsphäre? Die Antwort lautet: ja – und zwar ständig. Mitunter scheint das dem FPÖ-Obmann aber recht gut zu gefallen, glaubt Herbert Lackner.

Es kommt nur selten vor, dass eine sonntägliche ORF-„Pressestunde“ montags vor allem die Boulevardblätter schwer erregt. Dass es bei jener der Vorwoche so war, ist dem Umstand zu danken, dass sich FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache von Zeitungen bespitzelt fühlt, deshalb zurückspitzelte und man den Zank darüber vor laufender Kamera austrug.
Konkret: Weil der „Kurier“ vergangenen Sommer jenes Haus in Klosterneuburg fotografiert hatte, in dem seine damalige Freundin wohnte, schickte Strache als kleine Revanche ein Team des FPÖ-Net-TV zum Haus von „Kurier“-Herausgeber Helmut Brandstätter. Und da Brandstätter mit „Pressestunde“-Moderatorin Patricia Pawlicki verheiratet ist, kam die Causa in der Sendung heftig zur Sprache.

Ins Netz ging der wohl von überschaubarer Spannung geprägte Beitrag über das Wohnhaus der Familie Brandstätter/Pawlicki übrigens nie, weil der „Kurier“-Herausgeber der FPÖ mit Klage gedroht hatte. Und auch die Klosterneuburger „Luxus-Villa zum Blaumachen“ (die Gratiszeitung „Österreich“) von Straches Lebensabschnittspartnerin Andrea Eigner erwies sich bei näherem Hinsehen als Mietwohnung.

Was bleibt, ist die Frage: Verletzen Zeitungen tatsächlich die Privatsphäre des FPÖ-Obmanns? Die Antwort ist klar: Natürlich tun sie das! Käme ein Blatt etwa auf die Idee, einen Ring am Finger von Margit Spindelegger mit Super-Teleobjektiv zu fotografieren, um danach den Wert von „Experten“ auf 10.000 Euro schätzen zu lassen, wie dies „Österreich“ bei Straches Gefährtin Andrea Eigner tat? Laufen auch Martina Ludwig-Faymann und Eva Glawischnig Gefahr, von „Österreich“ rüde gefragt zu werden „Was wölbt sich denn da verdächtig unter dem T-Shirt“, wie dies Frau Eigner vergangenen Sommer widerfuhr? Die Reporter hatten ein „Polit-Baby“ in der herbeifantasierten Wölbung vermutet.

Da haben die Freiheitlichen mit ihren Beschwerden nicht ganz unrecht: Politiker, die auf randvollen Inseratentöpfen sitzen, werden weit fügsamer behandelt als die Opposition. Vor allem die Boulevardpresse vergreift sich gern am Privatleben H. C. Straches.

„Halb zog sie ihn, halb sank er hin“
Dieser ähnelt dabei allerdings dem von der schönen Nixe gereizten Fischer in Goethes Ballade: „Halb zog sie ihn, halb sank er hin – da war’s um ihn gescheh’n.“ Denn es ist ja keineswegs so, dass sich Strache in jedem Fall geilen Hobby-Gynäkologen aus der Klinik Fellner oder neugierigen Nasen aus den Dichand-Redaktionen verweigert. Ganz im Gegenteil. Wie sich Heinz-Christian und „seine schöne Andrea“ im vergangenen Wahlkampf in Pose warfen, ließ selbst Karl-Heinz und seine Fiona wie scheue Rehe aussehen.

Schon im März hatte man tröpfeln lassen, H. C. und Andrea hätten sich verlobt. „Da machen zwei nun Nägel mit Köpfen!“, jubelte der diensthabende Redakteur bei „Österreich“, der auch schon wusste, das Paar werde eine „beschauliche Wohnung im Norden Wiens mit Blick ins Grüne“ beziehen – jene Wohnung übrigens, die nur zwei Wochen später vom selben Blatt zur „Luxus-Villa zum Blaumachen“ hochgejazzt wurde: „Viele fragen sich, wie Strache diesen Lebensstil finanzieren kann.“
Flüchtig ist die Gunst des Trottoir-Journalismus.

Also sind die Leckerbissen gerecht zu verteilen. Durfte „Österreich“ exklusiv von der Verlobung erfahren, bekam „Österreich“-Konkurrent „Heute“ drei Wochen später einen anderen Happen ab, „ein privates Geheimnis“: Die Verlobung habe es schon am 23. Dezember 2012 gegeben, „und heiraten werden wir mit Sicherheit erst nach der Wahl, in aller Ruhe, abseits der Öffentlichkeit“. Am selben Tag vermerkte die „Krone“: „Es wird eine Hochzeit in aller Stille sein – kein großer Rummel also.“ Das abwechselnd als „Luxus-Villa“ und „beschauliche Wohnung mit Blick ins Grüne“ bezeichnete Mietobjekt in Klosterneuburg nannte die „Krone“ diplomatisch eine „Bleibe“.

Auch die kecke Meldung „Österreichs“ von der angeblichen Wölbung unterm T-Shirt blieb bei der Konkurrenz nicht ungeahndet: „Blödsinn“ sei das, erregte sich „Heute“. Frau Eigner sei „extrem schlank und durchtrainiert“, lobte die U-Bahn-Zeitung, nachdem die 28-Jährige natürlich „exklusiv“ den „Fotobeweis“ angetreten hatte. Als Belohnung befand tags darauf auch die „Krone“, sie habe einen „gestählten Körper“, und zitierte, keine Recherchen scheuend, den in Frage kommenden Kindsvater: „Strache zur ,Krone‘: Nicht schwanger.“

Amüsanterweise juckt es auch Blätter, die nicht eben unter Paparazzo-Verdacht stehen, ein wenig zu delirieren. Da die Story von Heinz-Christian und Andrea ja teilweise in Klosterneuburg spielt, fühlten sich etwa die „Niederösterreichischen Nachrichten“ berufen. Eilig wurden Teufelsreporter aus der Sankt Pöltener Redaktion nach Melk entsandt – von dort stammt Frau Eigner –, um die Verwandtschaft auszuhorchen. Doch leider: „Von einem konkreten Hochzeitstermin wusste auch die Familie nichts.“ Ein gutes Stück donauabwärts machten sie hingegen reiche Beute: „Einige Klosterneuburger sollen bereits mit Strache bei der Merkur-Kassa in Klosterneuburg angestanden haben.“ Dem „ranghöchsten Freiheitlichen von Klosterneuburg“, einem Stadtrat namens Pitschko, rangen die NÖN-Männer das Bekenntnis ab: „Ich hoffe, Strache in Zukunft auch in privatem Rahmen begegnen zu können.“

Ob es zu solchen Traulichkeiten gekommen ist, bleibt ungeklärt. Hingegen machte die anlaufende Wahlkampagne das hohe Paar im Spätsommer zu echten Plaudertaschen. Wir wissen seither, dass der FPÖ-Obmann lieber Schnitzel als Salat isst, dass er seinen Heiratsantrag nach einem Brunch im Extrazimmer eines Feinschmecker-Restaurants im Wienerwald platzierte, dass H. C. beim abendlichen Fernsehen zu „Schocki- und Gummibärchen-Orgien“ neigt und dass man sich nach der Arbeit gerne gegenseitig die Füße massiert, um sich zu „erden“. Nein, eine Trachtenhochzeit werde es nicht geben, geheiratet werde „ganz in Weiߓ, und zwar im Juni 2014. Anschließend sei eine Reise nach Griechenland geplant.

Damit konnte der alte Frank im Wahlkampf nicht aufwarten.

Wie ein Keulenschlag traf es daher die entsprechend geneigten Redaktionen, als Mitte November die Kunde vom Ende der Beziehung zwischen Heinz-Christian Strache und Andrea Eigner eintraf. Schlimm genug, dass es nun keine Hochzeit in Weiß, kein Flittern in Griechenland und kein „Polit-Baby“ geben wird. Noch vernichtender war für den Boulevard das Medium, über das diese siedend heiße Neuigkeit verbreitet wurde: über den drögen FPÖ-Pressedienst – eingepfercht zwischen Meldungen über eine Asylanten-Plage im Lavanttal und einer Flut von Homosexuellen, die demnächst nach Österreich schwappen werde. „Andrea Eigner und HC Strache trennen sich – einvernehmlich und im Guten und ohne Missgunst“, hieß es da.

Nicht einmal einen Rosenkrieg gönnen sie einem.

„Heute“ berichtete strafweise erst auf Seite 25 über die Trennung, die durch eine „eher unübliche Pressemeldung“ mitgeteilt worden sei. Bitter auch die „Kronen Zeitung“: „Und wieder ein gebrochenes Wahlversprechen!“
Während die beiden Dichand-Blätter noch schmollten, hatte „Österreich“ schon einen neuen Scoop: „Chance auf Liebes-Comeback“ sah das Fellner-Blatt ein Lichtlein, um sich wenige Tage später leicht zu korrigieren: „Strache wieder auf der Pirsch. So heiß flirtet HC nach dem Liebes-Aus.“
„News“ war da noch weiter. In einem schlanken Vierseiter bekannte eine gewisse Tara Tabitha, „vulgo Tara“, aus der ATV-Serie „Saturday Night Fever“: „Ich liebe HC Strache. Gefallen hat er mir schon immer. Aber jetzt, da er Single ist, gilt die Devise: Ran an den Mann.“ Die Liebe scheint Tara schnell eingeschossen zu sein, denn das Objekt ihrer Begierde hat sie erst ein Mal getroffen, unlängst bei einer Halloweenparty, und Strache scheint Frau Tabitha schnöderweise nicht wahrgenommen zu haben, auch wenn diese sicher ist, er habe ihr „dauernd in den Ausschnitt hineingestarrt“.
Der FPÖ-Obmann muss jedenfalls schnell handeln, denn Tara könnte ihm rasch abhanden kommen: „Der Richard Lugner wäre schon interessiert an mir.“

Wir bleiben dran.