Drohnen, Lastwägen, Zivilcops: So wird die Vienna Pride geschützt
Kaum ist der Eurovision Song Contest ohne größere Zwischenfälle über die Bühne gegangen, steht das nächste Mega-Event voller Glitzer und Glamour in Wien an: die Regenbogenparade. Akzeptanz, Respekt, Gleichberechtigung. Das ist das Motto der Großveranstaltung, zu der über 300.000 Menschen erwartet werden.
Während Hunderttausende die Vielfalt feiern und für die Rechte queerer Menschen protestieren, sehen rechtsextreme und islamistische Gruppen in der Pride ein Feindbild. 2024 gab es eine Terrordrohung gegen das Event. Wie gehen die Organisator:innen mit der Gefahr um? Über das ganze Jahr hinweg wird in engem Austausch mit Polizei und Verfassungsschutz an dem Sicherheitskonzept gefeilt, sagt Katharina Kacerovsky-Strobl, Geschäftsführerin der Stonewall GmbH und Veranstalterin der Vienna Pride. Nach 2024 seien die Sicherheitsmaßnahmen weiter ausgebaut worden.
Einsatz im Hintergrund
Damit die Parade am Samstag möglichst reibungslos verläuft, setzt die Wiener Polizei auf einen Großeinsatz. Mehrere hundert Beamt:innen sollen entlang der Route im Einsatz sein – sowohl uniformiert als auch in Zivil, heißt es von der Landespolizeidirektion Wien gegenüber profil. Auch technische Mittel wie Drohnen werden eingesetzt.
Lastwägen und Einsatzfahrzeuge sollen den Menschenmengen als Rammschutz vor Fahrzeugen dienen.
Ob auch Technologien zur Analyse von Standortdaten, Mobilfunkdaten oder öffentlich zugänglichen Social-Media-Inhalten zum Einsatz kommen, lässt die Polizei offen. Aus „einsatztaktischen Gründen“ könnten dazu keine näheren Angaben gemacht werden.
Gefahr für queere Community
Zum Gefahrenpotenzial rund um die Parade spricht die Landespolizeidirektion Wien von einer „abstrakt erhöhten Gefährdungslage“, wie sie bei vergleichbaren Großveranstaltungen üblich sei. Hinweise auf eine konkrete Bedrohung gebe es derzeit jedoch nicht.
Die erhöhte Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden dürfte nicht allein auf die Größe der Veranstaltung zurückzuführen sein. Laut aktuellem Hate-Crime-Lagebericht des Innenministeriums wurden 2024 österreichweit 317 vorurteilsmotivierte Straftaten wegen sexueller Orientierung registriert. Der Großteil richtet sich gegen Homosexuelle. Mehr als ein Viertel der Delikte mit homophobem Vorurteilsmotiv waren Körperverletzungen. Die meisten Delikte finden im öffentlichen Raum statt.
Große Gegenproteste erwartet Kacerovsky-Strobl übrigens nicht. Die seien klein mit 100 bis 200 Teilnehmer:innen klein und meist friedlich. „Bei der Regenbogenparade und dem Pride Village am Rathausplatz wird davon nichts bemerkt”, sagt sie.
Gestrichene Fördermittel
Die Pride muss heuer erneut mit einem deutlich kleineren Budget planen. Statt 651.000 Euro stellt die Stadt Wien für die Veranstaltung heuer nur noch 350.000 Euro zur Verfügung. „Wir [haben] das Pride Village statt dreitägig einfach nur eintägig umgesetzt und zusätzlich ein Community-Straßenfest am Anfang des Pride-Zeitraumes organisiert, um nichts von der starken Sichtbarkeit zu verlieren”, so die Veranstalterin Kacerovsky-Strobl.
Die Sicherheit soll unter den finanziellen Kürzungen jedoch nicht leiden. Gegenüber profil betont die Landespolizeidirektion Wien, das geschrumpfte Budget habe „keinen Einfluss auf die sicherheitspolizeilichen Maßnahmen oder die Bereitstellung der erforderlichen Polizeikräfte“.