Vorarlberg-Wahl: ÖVP legte in nur sechs Gemeinden zu, Grüne in 94

Vorarlberg-Wahl: ÖVP legte in nur sechs Gemeinden zu, Grüne in 94

Die Landtagswahl in Vorarlberg hat der ÖVP den Verlust der absoluten Mehrheit gebracht. Die Volkspartei erreichte 41,8 Prozent der Stimmen, was das schlechteste Ergebnis aller Zeiten bedeutet. Zweiter wurde die FPÖ mit 23,5 Prozent, die Grünen legten deutlich auf 17,1 Prozent zu. Erstmals einstellig war die SPÖ mit 8,8 Prozent. Die NEOS schafften bei ihrem ersten Antreten 6,9 Prozent.

Die Verluste der ÖVP und die Zugewinne der Grünen bei der Landtagswahl in Vorarlberg lassen sich anhand der Gemeinde-Ergebnisse gut ablesen. Die Volkspartei konnte beim Urnengang am Sonntag in nur sechs der 96 Gemeinden Zugewinne verbuchen, die Grünen hingegen verloren nur in zwei der Gemeinden Stimmen, sonst gab es für die Grünen überall Zugewinne.

Die besten Ergebnisse erzielte die ÖVP wie gewohnt in ihren Hochburgen, wobei sie auch hier zum Teil mit kräftigen Einbußen zu kämpfen hatte. Die meiste Zustimmung erhielt die Volkspartei in der Kleingemeinde Fontanella im Großen Walsertal. Hier votierten 84,4 Prozent der 330 Wahlberechtigten für die Landeshauptmann-Partei - was aber gegenüber 2009 dennoch ein Minus von fünf Prozentpunkten darstellte. Fontanella war übrigens die einzige Gemeinde, in der die ÖVP bei diesem Urnengang die 80-Prozentmarke überschritt. 2009 hatte die Partei dies noch in sieben Gemeinden geschafft, in zwei kam man damals sogar über die 90-Prozentmarke.

In eben diesen beiden Kleingemeinden erlitt die ÖVP einen regelrechten Absturz: In Schröcken, 2009 mit 92,2 Prozent die schwärzeste aller Gemeinden im Ländle, verlor die Partei 17,5 Prozentpunkte und rutschte auf 74,8 Prozent ab. In der Gemeinde Sonntag gab es ein Minus von 14,3 Prozentpunkten; nur mehr 76,2 Prozent der 541 Wahlberechtigten votierten für die ÖVP. Den größten Verlust verbuchte die Volkspartei in der Gemeinde Höchst im Rheindelta. Hier setzte es ein Minus von 19,7 Prozentpunkten (auf 39,6 Prozent); alle anderen Parteien konnten zulegen, am stärksten die Grünen mit 7,7 Prozentpunkten.

Ihr schlechtestes Ergebnis musste die ÖVP in der Gemeinde Fußach hinnehmen. Diese war schon 2009 mit 43,4 Prozent die viert-schlechteste ÖVP-Gemeinde, beim Urnengang vom Sonntag entschieden sich gar nur mehr 29,7 Prozent der 2.632 Wahlberechtigten für die Volkspartei. Auch in Bregenz (31,8 Prozent), Mäder (33,1) und Hohenems (34,6) bliebt die ÖVP unter 35 Prozent Zustimmung. Zugewinne verbuchte die ÖVP in nur sechs Gemeinden, den größten erzielte sie in Frastanz im Bezirk Feldkirch, wo es ein Plus von 3,6 Prozentpunkten gab (auf 50,4 Prozent).

Die Grünen - mit 6,5 Prozentpunkten Zugewinn der große Gewinner der Wahl - punkteten in ihren Hochburgen, vor allem im Bezirk Feldkirch sowie in Dornbirn. Das stärkste Ergebnis erzielte die Partei in Röthis mit 23,7 Prozent - dort verbuchte die Partei mit einem Plus von 9,18 Prozentpunkten auch ihren zweitgrößten Zugewinn, die ÖVP stürzte hier um 13,7 Prozentpunkte ab. Große Zustimmung erzielten die Grünen zudem in der Kleingemeinde Düns (23,4 Prozent), im Wallfahrtsort Rankweil mit 22,6 Prozent, in Sulz (22,3) und in der bevölkerungsreichsten Gemeinde Vorarlbergs, der Stadt Dornbirn, wo 21,4 Prozent Grün wählten.

Verluste erlitten die Grünen nur in zwei Gemeinden: In der Kleinstgemeinde Röns verlor die Partei 2,6 Prozentpunkte und kam auf 14,1 Prozent. Und in der Kleingemeinde Brand verloren die Grünen 0,6 Prozentpunkte (Ergebnis 5,7 Prozent). Den größten Stimmengewinn konnten die Grünen in der Industrie- und Stickerei-Gemeinde Lustenau mit einem Plus von 9,4 Prozentpunkten verbuchen; insgesamt 19,5 Prozent votierten für die Öko-Partei.

Die erstmals angetretenen NEOS konnten ihr Top-Ergebnisse in Mittelberg im Kleinwalsertal einfahren: 13,6 Prozent der Wahlberechtigten wählten dort pink. Ebenfalls stark waren die NEOS in Lech am Arlberg: 13 Prozent der Skifahrergemeinde stimmten für die neue Partei. Dalaas, die Heimatgemeinde von Bundespartei-Chef Matthias Strolz, lag mit 12,6 Prozent auf Platz drei der besten Gemeinden der NEOS. Allerdings konnte die pinke Gruppierung - wie insgesamt - hier bei der Nationalratswahl (mit 39,9 Prozent) und der EU-Wahl (24,6) deutlich besser abschneiden.

Die FPÖ erzielte wie schon 2009 in der Gemeinde Hohenems ihr stärkstes Ergebnis. Mit 35,3 Prozent setzte es allerdings auch hier einen Verlust für die Partei - 2,7 Prozentpunkte verlor man gegenüber dem letzten Urnengang. Auch die übrigen Top-Ergebnisse erzielte die FPÖ in ihren traditionellen Hochburgen. In insgesamt sechs Gemeinden schenkten mehr als 30 Prozent den Blauen ihr Vertrauen, neben Hohenems auch in Fußach, Nenzing, Mäder, Gaschurn und Vandans.

Heftige Verluste erlitt die FPÖ in Laterns, Damüls und Mittelberg: In Laterns - eine der sechs ÖVP-Zuwachsgemeinden - büßten die Freiheitlichen 8,9 Prozentpunkte ein, in der ÖVP-Hochburg Damüls gab es ein Minus von acht Prozentpunkten und in der NEOS-Hochburg Mittelberg verloren die Freiheitlichen 7,9 Prozentpunkte.

Die SPÖ, die bereits auf niedrigem Niveau gestartet war, erhielt als einzige (der in den Landtag eingezogenen) Parteien in einer Gemeinde gar keine Zustimmung: In der VP-Hochburg Fontanella verlor die SPÖ gegenüber 2009 ihre drei Stimmen und hält nun bei null Prozent. In weiteren fünf Gemeinden - meist ÖVP-dominiert - schaffte die Partei die Ein-Prozent-Hürde nicht: In Sibratsgfäll, Fraxern, Sonntag, Bizau und Eichenberg kam man auf Ergebnisse zwischen 0,4 und 0,9 Prozent der Stimmen.

Den größtem Schwund musste die Sozialdemokratie in der Gemeinde Frastanz mit einem Minus von 6,6 Prozentpunkten hinnehmen. Auch in Dalaas mit 4,2 und in St. Gallenkirch mit 3,8 Prozentpunkten setzte es für die SPÖ große Verluste.

ÖVP verlor Richtung Grün und Blau
Die ÖVP am stärksten an FPÖ und Grüne verloren. Die NEOS konnten vor allem im Pool der Nichtwähler Unterstützer gewinnen. Die treuesten Wähler haben ÖVP und Grüne, geht aus der ORF/SORA-Wählerstromanalyse hervor.

Die Volkspartei konnte 66 Prozent der Wähler von 2009 erneut für sich gewinnen, auch die Grünen schafften dies. Die FPÖ kam hier auf 57 Prozent, die SPÖ auf 56 Prozent.

Die größten Verluste erlitt die ÖVP mit 10.000 und 9.000 Stimmen Richtung FPÖ und Grüne. Je 3.000 Stimmen gingen an SPÖ und NEOS verloren, und 5.000 ehemalige ÖVP-Wähler gingen diesmal nicht zur Wahl. Von der FPÖ holte sich die ÖVP 4.000 Stimmen, je 2.000 von SPÖ, Sonstigen und ehemaligen Nichtwählern, 1.000 von den Grünen.

Die FPÖ verlor 9.000 Wähler aus dem Jahr 2009 an die Gruppe jener, die diesmal zu Hause blieben. Die Grünen verloren 3.000 Stimmen an die Nichtwähler, die SPÖ 5.000 Stimmen.

Zugewinne verbuchte die FPÖ neben jenen von der ÖVP (10.000) auch von den Sonstigen (2.000) und den Nichtwählern (2.000) sowie von der SPÖ (1.000). Die Grünen holten jeweils 3.000 Stimmen aus dem FPÖ-Lager und von den Nichtwählern sowie je 1.000 von SPÖ und Sonstigen aus dem Jahr 2009.

Die SPÖ holte sich je 3.000 Wähler von ÖVP und Nichtwählern und 1.000 von der FPÖ. Die NEOS holten sich 5.000 Nichtwähler des Jahres 2009, 3.000 Stimmen von der ÖVP sowie je 1.000 von FPÖ und Grünen.

(APA/Red.)