Wahl in Kärnten: Kommentar von Wahlforscher Peter Hajek

Peter Hajek

Peter Hajek

Der

Peter Kaiser steht für eine sachliche Politik – insbesondere die Aufarbeitung der Hypo-Alpe-Adria Bank – und ist Gegenpol zur Brot & Spiele Politik der Haider-Partei der Nuller-Jahre. Kaiser erreicht Top-Werte wie Josef Pühringer 2015. Dieser war bei der LTW 2015 in Oberösterreich das wichtigste Wahlmotiv. Kaiser reiht sich damit in die neue Generation der Landeshauptleute – Stelzer, Mikl-Leitner und Platter – ein. Die Zeit der „polternden“ Landesfürsten ist Geschichte, es herrscht die neue Sachlichkeit.

Die Kampagne der FPÖ ist nicht aufgegangen, zu positiv sahen die Bürger die Entwicklung des Landes in den letzten Jahren. Spitzenkandidat Gernot Darmann konnte nicht wie erhofft punkten. Das wichtigste Wahlmotiv ist „Stammwähler“. Das gab es bei den Freiheitlich seit Knittelfeld und BZÖ-Abspaltung nicht mehr.

Die ÖVP konnte kaum thematisch punkten und wenn, dann mit Klassikern wie Wirtschaftspolitik. Kärnten war immer ein harter Boden für die ÖVP, da hilft auch Rückenwind aus dem Bund wenig.

Das vorläufige Endergebnis

Das vorläufige Endergebnis

Die Motive der Grün -Wähler zeigen eine Auffälligkeit zu anderen Wahlen: Das Ausscheiden der Bundespartei bei der NRW 2017 war für die Grün-Wähler ein entscheidendes Wahlmotiv.

Das Team Kärnten punktet einzig und allein mit der Person Gerhard Köfer.

Die Wählermotive der NEOS-Wähler sind klassisch: jung, frischer Wind und Kontrolle.

Nichtwähler: Im Vergleich zu anderen Wahlen, merkt man den Kärnten Nichtwählern eine Verbitterung an. Das Wahlmotiv „bringt nichts/ändert eh nichts, die Politiker machen, was sie wollen“ ist in Kärnten auffallend stark ausgeprägt.

Koalitionsvarianten (bei drei Parteien im Landtag):
Die ÖVP-Wähler sind gespalten und mit ihnen die Kärntner. Bei einem Drei-Parteien-Parlament mit max. 17 Mandaten für die SPÖ kann der Druck aus Wien auf die Kärntner ÖVP sehr groß werden Blau-Schwarz zu machen.

Jörg Haider:
Der schillernde Landeshauptmann der Nullerjahre wäre nach wie vor ein Faktor in Kärnten. Das grenzt beinahe schon an Heiligenverehrung. Interessantes Detail: Auch jeder zweite Haider-Sympathisanten ärgert sich noch immer über die Hypo-Causa. Offensichtlich wird ihm der Bank-Skandal nicht zur Last gelegt.

Das Wahlergebnis:
Die SPÖ in Kärnten hat laut einer ersten Hochrechnung von SORA für den ORF ihre Führungsposition um 10,8 Prozentpunkte auf 47,9 Prozent ausgebaut und kratzt damit an der absoluten Mehrheit. Die FPÖ gewinnt sechs Prozentpunkte und kommt auf 22,9 Prozent. Die ÖVP legt nur gering um 0,9 Prozentpunkte auf 15,3 Prozent zu.

Die Grünen fliegen mit einem Minus von 8,9 Prozentpunkte und 3,2 Prozent aus dem Landtag. Das Team Kärnten von Gerhard Köfer verliert 5,6 Prozentpunkte, bleibt aber mit 5,6 Prozent im Landtag. Die NEOS bleiben mit 2,2 Prozent auch draußen.