© APA/Herbert Neubauer

Österreich
09/18/2021

Wahlkampf in Oberösterreich: In Kicklhaft

Moderater, seriöser, staatstragender: Die FPÖ in Oberösterreich will weiter regieren – aber ist sie wirklich anders? [E-Paper]

von Clemens Neuhold

„Ich habe mich gestern in der Uni-Klinik Innsbruck erkundigt: 23 Hospitalisierte, elf davon geimpft. Ich weiß nicht, wo hier der durchschlagende Erfolg der Impfung liegt.“ FPÖ-Obmann Herbert Kickl tut es bei dieser Pressekonferenz in Linz wieder. Beim Impf-leugnen ist er Wiederholungstäter. Tage zuvor hatte er behauptet, der Großteil der Corona-Patienten auf den Intensivstationen sei in Wahrheit geimpft. Offizielle Zahlen, die das Gegenteil belegen, hin oder her. Kickl stützt sich lieber auf „vertrauliche Informationen“ des Gesundheitsökonomen Gerhard Pöttler, seines Zeichens Vorstand der Impfgegner-Partei MFG. Manfred Haimbuchner hört Kickl stoisch zu. „Das Impfen ist kein Gamechanger“, sagt der Chef der FPÖ Oberösterreich.

Am Mittwoch, dem Tag der Pressekonferenz, liegt ein Geimpfter auf der Intensivstation der Uni Klinik Innsbruck, fünf Covid-19-Patienten sind ungeimpft. Die restlichen zehn Geimpften aus Kickls Rechenbeispiel liegen auf einer Normalstation. Sie sprachen wegen Autoimmunerkrankungen oder Transplantationen nicht ausreichend auf die Impfung an, sagt der Krankenhaussprecher. Und: „Jung, gesund, geimpft und wegen Covid-19 plötzlich auf der Intensivstation, das gibt es im Grunde nicht.“

In Linz selbst sind auf der Intensivstation „Zwei geimpft, 30 nicht geimpft“, schildert der Vorstand der Lungenheilkunde im Kepler Universitätsklinikum Bernd Lamprecht. Haimbuchner kennt ihn gut. Der Virologe hat dem 43-jährigen Politiker das Leben gerettet, als er im März 2021 mit Corona auf der Intensivstation landete. „Zuerst war ich im künstlichen Tiefschlaf. Danach konnte ich nicht stehen, gehen, sitzen oder die Uhrzeit ablesen“, erzählt Haimbuchner bei Wahlkampfauftritten freimütig.

Seriöser, moderater, staatstragender. Eine andere FPÖ. So  werden die Freiheitlichen in Oberösterreich gerne beschrieben. So etikettiert Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) seinen derzeitigen – und künftigen? – Koalitionspartner. Er will sich damit gegen den Verdacht immunisieren, gemeinsame Sache mit der „Kickl-FPÖ“ zu machen. Doch die Verrenkungen bei Corona, das Verdrehen von Fakten, das Spiel mit medizinischem Halbwissen und das Bauchpinseln der Impfgegner, all das betreibt auch die FPÖ Oberösterreich. Und all das zerstört den Nimbus der anderen FPÖ. Dazu kommt: Nähe zu aufwieglerischen Medien und Hardcore-Corona-Leugnern.

Bei den Landtagswahlen 2015 fuhren die Blauen dank der Flüchtlingswelle das beste Ergebnis in der Parteigeschichte ein. Die 30 Prozent von damals sind nach dem Ibiza-Skandal außer Reichweite. Doch die FPÖ hat sich „stabilisiert, auch mithilfe ihrer coronakritischen Linie“, resümiert Partei-Urgestein Andreas Mölzer. Für ein Ergebnis jenseits der 20 Prozent bei der Wahl am 26. September will die FPÖ Impfverweigerer maximal mobilisieren.

Lesen Sie jetzt weiter:

Die ganze Geschichte finden Sie in der profil-Ausgabe 38/2021 - hier als E-Paper.

Sie haben noch kein Abo? Testen Sie profil 4 Wochen kostenlos.

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.