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06/29/2021

Was hilft gegen Impfverweigerer? Geld, Glücksspiel und Gottheiten

Diese Sorgen hätten wir vor ein paar Wochen noch sehr gerne gehabt: Bald gibt es in Österreich mehr Impfstoff als Impfwillige.

von Jakob Winter

Guten Morgen!

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – aber für mich persönlich war es Anreiz genug, dass mich die (noch dazu kostenlose) Impfung vor einer potenziell tödlichen Krankheit schützt; und die Wahrscheinlichkeit minimiert, mein eigenes Umfeld anzustecken.  

Doch das sehen nicht alle so.  

Schanigärten, Bier vom Fass, die Fußball-EM und sinkende Infektionszahlen wirken nicht unbedingt als Impf-Booster – am Donnerstag sperren sogar die Clubs wieder auf. Man könnte fast glauben, die Pandemie sei vorbei. Weil aber jeder Ungeimpfte die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich das Virus samt seinen Mutationen im Herbst wieder stark ausbreitet, täte die Bundesregierung gut daran, die Motivation für eine Immunisierung zu erhöhen. 

Wie das gehen kann, zeigen fünf Beispiele aus anderen Ländern. Falls Kanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein mitlesen: Der letzte Vorschlag ist nicht ganz ernst gemeint. 

  1. 150 Euro auf die Hand 

Die Griechen haben ein Problem erkannt: Jugendliche müssen sich kaum vor einem schweren Coronaverlauf fürchten, entsprechend niedrig ist ihre Impfbereitschaft. Doch sie könnten damit zu einer Gefahr für ihr Umfeld werden. Deshalb hat sich die griechische Regierung ein Anreizsystem ausgedacht: Jugendliche im Alter zwischen 18 und 25 Jahren bekommen zu ihrer Schutzimpfung eine Bezahlkarte dazu – im Wert von 150 Euro. Die Maßnahme soll 141 Millionen Euro kosten.

  1. Erst immunisieren, dann studieren 

Ähnliche Zielgruppe, anderer Anreiz: Unter allen Zwölf- bis 17-Jährigen, die mindestens eine Impfdosis erhalten haben und von ihren Eltern registriert wurden, verlost der US-Bundesstaat New York insgesamt 50 kostenlose Studienplätze. Die Idee ist gut, für Österreich aber eher ungeeignet. 

  1. Wer wird Millionär? 

Es klingt absurd, aber das Projekt funktioniert wirklich: Der US-Bundesstaat Ohio hat eine Lotterie unter allen Impflingen ausgerufen. Vier Wochen lang wird jeweils eine Million Dollar unter allen verlost, die sich impfen lassen. Die Zahl der Erstimpfungen ist nach Bekanntgabe der Lotterie um ein Drittel gestiegen.

  1. Ein Krügerl dazu 

Dieser Anreiz würde vermutlich auch in Österreich wunderbar funktionieren: Der US-Bundesstaat New Jersey bot seinen Bürgern „a shot and a beer“ („eine Spritze und ein Bier“) an. Jeder, der sich im Mai impfen ließ, konnte sich nach Vorlage seines Impfpasses ein Freibier in den teilnehmenden Brauereien abholen.

  1. Frag‘ die Götter 
    Das südasiatische Königreich Bhutan hat eine der höchsten Impfquoten der Welt. Der Start der Impfkampagne wurde dort von Astrologen festgelegt – und zwar an einen Tag im März, der als besonders glücksbringend gilt. Man stelle sich kurz vor, Gerda Rogers hätte die österreichische Impfkampagne orchestriert. Ich wiederhole mich: Dieser Vorschlag ist nicht ernstgemeint.  

Mögen die Sterne diese Woche gut für Sie stehen. 

Jakob Winter

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