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Österreich
03/08/2022

Weltfrauentag: Aufholbedarf bei Gewaltschutz und Repräsentation

Fehlende Frauenhausplätze, niedrige Frauenquoten in Gemeinderäten. Eine neue Studie zeigt, wie es um die Gleichstellung in Österreich steht.  

von Lena Leibetseder

Heute - am 8. März -  ist Weltfrauentag – auch dieses Jahr wieder kein Tag zum Feiern, zu weit entfernt sind wir noch von Gleichberechtigung in Österreich. Wie weit der verbleibende Weg tatsächlich ist, zeigt jetzt eine neue Studie: Zum ersten Mal wurde ein Index für alle Gemeinden und Städte erhoben.

Basierend auf Indikatoren wie Kinderbetreuungsquoten, dem Frauenanteil in Gemeinderäten und Management-Positionen oder der Versorgung mit Frauen- und Männerberatungsstellen hat das Forschungsinstitut SORA im Auftrag des Österreichischen Städtebundes ausgewertet, wie es um die Gleichstellung in Österreich steht. Das Fazit: Wir sind mit einem durchschnittlichen Indexwert von 51 gerade einmal auf halber Strecke.

Die Werte ergeben sich folgendermaßen: Pro gleichstellungsförderndem Aspekt werden einer Gemeinde Punkte verliehen - hat sie beispielsweise eine Bürgermeisterin, bekommt sie dafür hundert Punkte in dieser Unterkategorie; ist die nächste Kinderbetreuungseinrichtung oder die nächste Frauenberatungsstelle gut erreichbar, wird das entsprechend im Index vermerkt. 

Am niedrigsten ist dieser Wert im Bereich Repräsentation – Grund dafür ist unter anderem die niedrige Frauenquote in Gemeinderäten.

Auch Bürgermeisterinnen sind in Österreich noch selten – nur 9,9% aller Gemeindevorsteher:innen sind Frauen, subtrahiert man die Wiener Bezirksvorsteher:innen, beträgt die Frauenquote gar nur mehr 9,6%.

Besonders schlecht schneiden Österreichs Gemeinden auch in Sachen Gewaltschutz ab: Zwar gibt es in einem Großteil der Gemeinden Frauenberatungsstellen, vor allem im ländlichen Raum fehlt es aber an Frauenhaus-Plätzen. 

Insgesamt fehlen aktuell 135 Frauenhausplätze, um der in der Istanbul-Konvention festgehaltenen Quote von einem Platz pro 10.000 Einwohner:innen gerecht zu werden.

Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, 2011 ausgearbeitet, 2013 in Österreich ratifiziert

Nur Wien sticht in der Kategorie Gewaltschutz positiv hervor und erreicht hier sogar den vollen Indexwert von 100. Auch im Gesamtindex liegt Wien im Bundesländervergleich vorne, deutlich vor den nächstplatzierten Ländern Vorarlberg und Salzburg. Den niedrigsten Wert erreicht Kärnten.

Zusätzlich lässt sich auch eine Verbindung zwischen der Einwohner:innenzahl und dem Indexwert der Gemeinde beobachten. Je mehr Einwohner:innen sie zählt, desto höher wird eine Gemeinde demnach im Index eingeordnet.

Es herrscht also durchaus noch Luft nach oben. Noch immer - so wie profil auch letztes Jahr und in den Jahren davor am 8. März geschrieben hat. Der Gleichstellungsindex gibt dem Jahr für Jahr aufkommenden „noch immer“ nun eine neue Datenbasis, die Grundlage für reale Umsetzungen sein kann. 

„Der Index zeigt eindeutig, in welchen Bereichen es rasch Fortschritte geben muss, was getan werden muss - im Sinne von besserer Erreichbarkeit des öffentlichen Verkehrs vor Ort, welche Kriterien bei der Kinderbetreuung erfüllt werden müssen; aber auch dass Frauenhäuser fehlen“, so Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebunds.