Hauptgebäude der Universität Wien mit bunten Fahnen bei klarem Himmel.
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Wer steckt hinter der rechtsextremen Uni-Gruppe „Aktion451“?

Mit TikTok-Kampagnen, Flyern und Lesekreisen versucht die „Aktion 451“ seit Anfang des Semesters wieder Studierende an Wiener Unis zu erreichen. Eine profil-Recherche zu der rechtsextremen Gruppierung.

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Am 18. Dezember fand die Weihnachtsfeier der „Aktion 451“ in der Gastwirtschaft Blauensteiner im 8. Wiener Gemeindebezirk statt. Feiern wollte man: das Rebranding der Gruppe, regelmäßige Lesekreise, Social-Media-Videos, die viral gingen, und Flyer-Aktionen an unterschiedlichen Wiener Unis. Das Ziel der Rechtsextremisten ist klar – Hochschulen sollen rechter werden. Aber wer genau steckt hinter „Aktion 451“? 

Auf ihren Social Media-Profilen findet man Aufrufe zu Lesezirkeln, Videos von unerlaubten Flyeraktionen an Standorten der Uni Wien oder WU: „Du hast keinen Bock mehr auf linke Unis? Wir auch nicht“, sagt eine junge Frau mit langen braunen Haaren, braunen Augen, goldenen Kreolen, Eyeliner, Kreuzkette und schwarzer Pufferjacke in die Kamera. Ihr Name ist Hannah Kornmesser, sie ist 22 Jahre alt, studiert Kunstgeschichte und ist Vorsitzende des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS) Salzburg. Das Video des Accounts „aktion.451“ hat auf TikTok fast 140.000 Aufrufe.

 

Die Gruppierung versucht laut Verfassungsschutzbericht, ihre rechtsextremen Ideologien durch Demonstrationen, Aktionen und öffentlichen Diskurs zu verbreiten. Hinter der „Aktion 451“ stehen Akteure der „Neuen Rechten“. Ein wesentliches Ziel dieser rechtsextremen Strömung ist es unter anderem, die Demokratie zu zerstören. Die „Aktion 451“ gilt als Tarnorganisation der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ), die Hauptorganisation der Neuen Rechten, deren Symbole in Österreich verboten sind. Viele Mitglieder der „Aktion 451“ stehen der IBÖ nahe. Ziel der Gruppe ist die ideologische Schulung, die Rekrutierung neuer Mitglieder sowie der Gewinn von Einfluss an Universitäten.
 

Was hinter 451 steckt

Die Zahl 451 bezieht sich zum einen auf den dystopischen Roman „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury. In dem Buch geht es unter anderem darum, dass Bücher verboten und verbrannt werden. 451 Grad Fahrenheit (233 Grad Celsius) ist hier die Temperatur, bei der Buchpapier brennen soll. Dieser Zahlencode symbolisiert also eine Form von Zensur, Unterdrückung des Denkens und Zerstörung von Wissen. Zum anderen gibt es im Internet auch die Fehlermeldung „451“, die aufscheint, wenn Inhalte aus rechtlichen Gründen nicht verfügbar sind. 

Die „Aktion 451“ setzt sich überwiegend aus Angehörigen der Identitären Bewegung, deutschnationalen Burschenschaften oder – wie im Fall von Hannah Kornmesser – Mitgliedern des RFS zusammen. Über ihre genau personelle Struktur gibt die Gruppe keine Auskunft.

Hannah Kornmesser, RFS
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Hannah Kornmesser

Die 22-jährige Studentin ist das Gesicht der Social Media Kampagne der „Aktion 451“.

Das Impressumsrätsel

Ob es einen konkreten Kopf an der Spitze der „Aktion 451“ gibt, ist nicht ganz durchsichtig – die Gruppierung ist weder als Unternehmen eingetragen, noch als Verein. Im Impressum ihrer Website steht als Inhaber eine gewisse „IP-Management“ mit Anschrift in der Ludwig-Erhard-Straße 18 in Hamburg. Hierbei handelt es sich um die Firma „Impressum Privatschutz“, die ihre Adresse und ihren Namen an Dritte verkauft: „Wir schützen deine Privatsphäre“, steht in der Beschreibung auf der Firmenwebsite. Im Portfolio des Unternehmens findet man unterschiedliche Anwaltskanzleien, die „Impressum Privatschutz“ für ihre Websites verwenden. Ab 4,99 Euro im Monat kann man „Impressum Privatschutz“ für seine eigene Website mieten.

Ob man bei „Impressum Privatschutz“ davon weiß, dass das Angebot auch von einer rechtsextremen Gruppierung verwendet wird? „Wir betreuen im Allgemeinen und zudem ausdrücklich keine politischen Projekte, egal welcher Gesinnung oder Parteizugehörigkeit. Dies müssen Kunden uns auch aktiv durch Bestätigung einer Checkbox im Bestellprozess bestätigen“, teilt der Geschäftsführer des Unternehmens profil auf Anfrage mit. Man würde sich mit dem Kunden in Kontakt setzen und vorgehen, da gegen Nutzungsbedingungen verstoßen werde. Bis Redaktionsschluss stand „IP-Management“ jedenfalls noch im Impressum der „Aktion 451“.

Im November 2023 untersagte die Universität Wien eine Podiumsdiskussion mit dem rechtsextremen Publizisten Götz Kubitschek, woraufhin die Gruppe „Aktion 451“ eine Protestveranstaltung mit ihm, den Rechtsextremisten Martin Sellner und  Andreas Hinteregger – Burschenschafter der Burschenschaft Teutonia und mittlerweile parlamentarischer Mitarbeiter der FPÖ – organisierte. Das war die erste öffentliche Erscheinung der „Aktion 451“. 

Laut Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv Österreichischer Widerstand (DÖW) besteht Sellners Bezug zur „Aktion 451“ aber vor allem darin, dass er seit Jahren betont, die Rechte müsse an den Hochschulen dringend wieder an Boden gewinnen, die „kulturelle Hegemonie“ erlangen, um gesamtgesellschaftlich im erwünschten Sinn wirken zu können – Dinge, die die „Aktion 451“ anstrebt und die insofern auch als Umsetzung eines Sellner-Plans anzusehen sind.

„Ein akademisches Tarnobjekt der rechtsextremen Identitären Bewegung Österreich“, nennt die Österreichische Hochschülerinnenschaft (ÖH) die „Aktion 451“. In jüngster Vergangenheit wurden die Österreichischen Hochschülerinnenschaften der Universität Wien und der Wirtschaftsuniversität Wien Opfer unterschiedlicher Einschüchterungsversuche der Rechtsextremisten – etwa durch Drohungen über Social Media, Flyeraktionen oder Vandalismus. Am Campus der Universität Wien wurden Plakate der ÖH mit Sprüchen wie „Fuck you ÖH“ besprüht.

Mit unterschiedlichen Kampagnen versucht die „Aktion 451“ derzeit wieder gezielt, Studierende zu rekrutieren. Auch an der Wirtschaftsuniversität Wien wurden Studierende von den rechtsextremen Aktivisten aktiv angesprochen.

In den Nachrichten wurde zuletzt im November über die „Aktion 451“ berichtet, weil sie zu einem Event in der Weinbar „Vino“ in der Nähe des Wiener Rathauses eingeladen hatte – das schrieb der „Standard“. In der Nacht vor der Veranstaltung wurden die Fassade des Lokals und Teile des Mobiliars bei einem Farbangriff beschädigt. Laut Inhaber Heinz Pollischansky betrug der Schaden rund 10.000 Euro.

Demselben Besitzer gehören auch die „Centimeter“-Lokale, die immer wieder von Rechtsextremen und Neonazis besucht werden – etwa nach Demonstrationen der Identitären. In einem „Heute“-Interview betonte Pollischansky jedoch, dass die Weinbar „Vino“ auch Stammbar der Jungen Volkspartei (JVP) sei und dass Politikerinnen und Politiker aller Parteien zu ihm kommen würden.

Seit der Farbattacke ermittelt der Staatsschutz, laut der FPÖ handle es sich bei dem Vorfall um „linksextremen Terror.“

Doch wie gefährlich ist die Aktion 451

„Die Gefährlichkeit, die ich der Aktion attestieren würde, besteht darin, dass sie versucht, Vor- und Nachdenker des Faschismus, Antiliberalismus und Antiegalitarismus – und damit auch deren Ideen – wieder salonfähig zu machen“, so Weidinger.

Dass Splittergruppen der Identitären oder des RFS agitieren, ist per se kein neues Phänomen: „Man hört seit den Siebzigerjahren, dass der RFS immer wieder erklärt, sie würden das Ruder herumreißen. Im Endeffekt ist es kurz- und mittelfristig ein Kampf gegen Windmühlen.“

Bei der vergangenen ÖH-Wahl im Mai 2025 bekam der RFS in der Bundesvertretung lediglich drei Prozent und ein Mandat. Nichtsdestotrotz sei ein Backlash nie unmöglich: „Man sieht, wie ganze Staaten gesamtgesellschaftlich rechter werden – auch auf den Unis ist das nicht auszuschließen. Universitäten sind nicht per se immun gegen rechtsextreme Vereinnahmung.“

Seitens „Aktion 451“ kam auf profil-Anfrage bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme.

Auf Instagram finden sich mittlerweile immer mehr Ableger der „Aktion 451“ in anderen Städten in Österreich und Deutschland. Die „Aktion 451“ Kaiserslautern beschäftigte sich am 28. Dezember in ihrem Lesekreis etwa mit Martin Sellners „Remigration“-Buch.

In Wien fand der letzte Lesekreis am 19. Dezember statt, danach ging man in Weihnachtspause.

Natalia Anders

Natalia Anders

ist seit Juni 2023 Teil des Online-Ressorts und für Social Media zuständig.