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05/21/2021

Wie man 75 Euro gerne in den Sand setzt

Undercover auf der Suche nach der Impfstoff-Börse für die Upperclass.

von Jakob Winter

Guten Morgen!

An sich gibt es für Journalisten kaum etwas Ärgerlicheres, als eine gute Story, die sich als falsch herausstellt. In diesem einen Ausnahmefall war ich aber – ganz ehrlich – froh darüber.

Das Gerücht war einfach zu skandalös, um es zu ignorieren: Eine Wiener Privatklink würde Patienten gegen ein entsprechendes Entgelt mit Corona-Impfungen versorgen, erzählte man sich Mitte Jänner. Zu einem Zeitpunkt also, als gerade einmal Altenheimbewohner eine realistische Chance auf ein Vakzin hatten. Konnte es wirklich sein, dass es eine Impfstoff-Börse für die Upperclass gibt? Vom Recherchefieber gepackt, warf ich mich in mein bestes Schnösel-Outfit und vereinbarte in besagter Klinik einen Termin für einen Corona-Test. Mit grauem Anzug, dunklem Rollkragenpullover und Föhnfrisur schritt ich durch die gläserne Schiebetür. Nach ein paar Aufwärmfragen kam ich zum Punkt: Ob ich mich hier irgendwo, gerne auch diskret, für eine Impfung vormerken lassen könne, wollte ich wissen. Doch, leider – nein, zum Glück – konnte mir der Tester bei meinem Anliegen nicht weiterhelfen. Auch am Eingangsschalter der Klinik scheiterte mein Undercover-Anbahnungsversuch.

Geld spielt keine Rolle

Ich war erleichtert: Geld spielt und spielte bei der Priorisierung der Schutzimpfungen also, sehr wahrscheinlich, keine Rolle. Und selbst wer – wie ich – 75 Euro für einen Premium-Schnelltest im Privatklinikum investierte, musste feststellen, dass dort auch bloß dieselben weißen Plastik-Testkits und Nasenbohrerstäbchen zum Einsatz kommen, die jeder von den kostenlosen Stationen kennt.

Warum mir das gerade jetzt einfällt? Nun, der Wiener Verleger Christian W. Mucha hatte eigentlich den Plan, mit der Corona-Pandemie das große Geschäft zu machen – er wollte Impfreisen um ein paar Tausend Euro verkaufen, an die, die sich das leisten können. Vergangenen Freitag wurde das Projekt schließlich abgeblasen: „Trotz größter Bemühungen ist es uns nicht gelungen, auf dem freien Markt zertifizierten Impfstoff zu bekommen.“ Mucha beendete sein Infoschreiben „sehr traurig“, weil „ich keine bessere Nachricht geben kann“.

Aber warum denn, Herr Mucha? Das sind doch wunderbare Neuigkeiten.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche!

Jakob Winter

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