Korinna Schumann zeigt auf eine Österreich-Karte mit farbigen Markierungen und Legende zu Gesundheitsstandorten und Erreichbarkeit.
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Gesundheitsreform: Wo neue Primärversorgungszentren entstehen sollen

Wohin die 500 Millionen Euro aus dem Gesundheitsreformfonds fließen und warum die ÖGK das „Anspruchsdenken“ der Patienten ändern will.

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„Das Wünsch-dir-was ist vorbei“, sagt ÖGK-Obmann und Dienstgebervertreter Peter McDonald: „Aber auf das Notwendige, auf das muss man sich verlassen können. Und darauf kann man sich in Österreich auch verlassen.“ Eigentlich präsentiert McDonald Freitagfrüh gemeinsam mit Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) und ÖGK-Vizeobmann und Dienstnehmervertreter Andreas Huss große Investitionen für das Gesundheitssystem: Mehr als 2,6 Milliarden Euro werden bis 2030 über den Gesundheitsreformfonds ausgeschüttet. Die jährlichen Beträge steigen dabei langsam: Heuer sind es rund 497,5 Millionen Euro, 2030 dann 581 Millionen Euro. 

Das Geld soll heuer über die Sozialversicherungsträger in drei große Bereiche fließen:

  • Versorgung: 310 Millionen Euro 
    Das Herzstück dabei sind weitere Primärversorgungseinheiten (PVE): Bis 2030 soll es 300 derartige Standorte mit längeren Öffnungszeiten geben, 178 mehr als bisher. Dafür könnten sich bestehende Praxen zusammenschließen. „Aber es muss auch zusätzliche Kassenarztstellen geben, weil wir die Versorgung verbessern wollen“, sagte Gesundheitsministerin Schumann im profil-Interview. Sie will auch Wahlärztinnen und -ärzte zum Wechsel in eine PVE zu überzeugen. Außerdem soll in neue Versorgungsformen investiert werden, wie spezialisierte Zentren für Schmerztherapie und Diabetes.
  • Prävention und Vorsorge: 80 Millionen Euro 
    Kinder sollen schon in der Schule Gesundheit lernen, Menschen im mittleren Alter öfter zu Vorsorgeuntersuchungen gehen und Ältere eine bessere geriatrische Versorgung erhalten“, erklärte Gesundheitsministerin Schumann im profil-Interview. Bis Ende 2027 soll zudem ein bundesweites Darmkrebs-Screening verfügbar sein. Das hilft: Im Rahmen eines Pilotprojektes habe man in Vorarlberg in zehn Jahren 700 Mal Frühstadien von Darmkrebs erkennen und entfernen können, sagte Huss bei der Pressekonferenz: „Neben dem persönlichen Leid wurden dadurch 70 Millionen Euro an Kosten gespart.“
     
  • Digitalisierung: 95 Millionen Euro 
    Bis Ende 2026 sollen etwa rund die Hälfte der Öffnungszeiten von Gesundheitseinrichtungen im öffentlichen System über 1450 abrufbar sein. Auch wird die Telemedizin langsam ausgebaut: Künftig soll mehr als ein Prozent aller Arztkontakte digital erfolgen.
     
  • Restbetrag: 12,5 Millionen Euro
    Diese Summe ist keinen konkreten Maßnahmen zugeordnet und kann von den Sozialversicherungsträgern variabel innerhalb der Ziele verwendet werden.
ÖGK-Obmann Peter McDonald (ÖVP), Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) und ÖGK-Obmann-Stv. Andreas Huss (SPÖ) am Freitag, 27. März 2026, anl. einer PK "Startschuss für den Gesundheitsreformfonds" in Wien.
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„Wir leiten damit eine Trendwende im österreichischen Gesundheitssystem ein“, ist Ministerin Schumann überzeugt: „Die Menschen sollen sich wieder darauf verlassen können, rasch und wohnortnah die bestmögliche medizinische Versorgung zu erhalten.“ Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) hat bereits eine Landkarte erstellt, in der die idealen Standorte für die 178 zusätzlichen Primärversorgungseinheiten eingezeichnet wurden:

Karte von Österreich mit bestehenden und idealtypischen zukünftigen PVE-Standorten, farblich nach Erreichbarkeit markiert.
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Schumann betonte bei der Pressekonferenz, dass jede Maßnahme mit konkreten Messgrößen verbunden sei: Die Mittel würden nur dann komplett ausgezahlt, wenn die vereinbarten Ziele auch erreicht werden. 

Doch McDonald nutzt die Gelegenheit auch, um die Erwartungen der öffentlich Versicherten zu drosseln: Die Zahl der Älteren, die mehr Gesundheitsleistungen brauchen, steigt. Und die Beitragszahlerinnen und -zahler werden weniger. Dazu komme, dass seit der Pandemie noch mehr medizinische Leistungen in Anspruch genommen würden, sagte McDonald: „Wir haben ein Anspruchsdenken, das unsere Ressourcen zunehmend fordert und manchmal auch überfordert.“ 

Wir müssen stärker danach trachten, dass die Menschen nicht immer gleich zum Arzt laufen.

Peter McDonald

ÖGK-Obmann

Der Dienstgebervertreter ortet bei den Versicherten eine Kultur, in der es heiße: „Es steht mir zu, egal, was es kostet.“ Ärzte würden oft genötigt, Dinge zu verordnen, für die es keine wissenschaftliche Evidenz gebe, sagte McDonald. Andererseits sei die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung „sehr, sehr niedrig“, so der ÖGK-Obmann: „Wir müssen stärker danach trachten, dass die Menschen nicht immer gleich zum Arzt laufen.“ Die steirische Ärztekammer habe etwa eine Broschüre herausgebracht, die Eltern erklärt, wann sie mit ihren Kindern zum Arzt oder zur Ärztein müssen – und wann nicht. Insgesamt müsse man künftig stärker steuern und „die Ressourcen für diejenigen freimachen, die es brauchen“.

Max Miller

Max Miller

ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und mag Grafiken. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.