Matthias Rohrer über Blogger: "Keinen Welpenschutz betreiben“

Die Blogger Helena Bordon, Chiara Ferragni und Kristina Bazan bei der Fashion-Week in Paris.

Die Blogger Helena Bordon, Chiara Ferragni und Kristina Bazan bei der Fashion-Week in Paris.

Matthias Rohrer vom österreichischen Institut für Jugendkulturforschung über Internetstars, wie sie Jugendliche beeinflussen und warum sie Teil der öffentlichen Diskussion sein sollten.

profil: Was macht den großen Reiz der YouTuber und Blogger aus?
Matthias Rohrer: Sie bedienen den Wunsch nach einem authentischen Star zum Anfassen. Die Jugendlichen können sich mit den YouTubern identifizieren, das macht diese Kanäle so reizvoll. Das Medium ist so groß, dass man es nicht ignorieren sollte.

profil: LeFloid hat sein Millionenpublikum durch eine Nachrichtensendung gewonnen. Wäre es alteingesessenen Medien überhaupt möglich, mit einem ähnlichem Format dieses Maß an jugendlicher Aufmerksamkeit zu bekommen?
Rohrer: Es könnte ganz schön schwierig für alteingesessene Journalisten werden, derart über ihren Schatten zu springen und vor der Kamera mitunter den Kasperl zu machen. Ich glaube, die bekämen die Krise. Aber wer eine gewisse Gruppe von Jugendlichen bekommen will, dem bleibt nicht viel anderes übrig.

profil: Die Plattform YouTube hat nur die nötigsten Regelungen installiert, im Grunde können junge YouTuber ihren Fans erzählen, was sie wollen. Wäre da nicht ein strengeres Reglement nötig?
Rohrer: Ich sehe keine Möglichkeiten, YouTube mit Regelungen zu ändern - die einzige Möglichkeit ist, diese YouTuber zu kritisieren und in eine öffentliche Diskussion zu holen, wenn Dinge passieren, die nicht in Ordnung sind. Das sind öffentliche Personen, also muss man keinen Welpenschutz betreiben.


Sie sind alle Unternehmer und YouTube ist ein Medienkanal, der dementsprechend genutzt wird.

profil: In Deutschland werden einflussreiche YouTuber nun in ein politisches Bildungsprojekt eingebunden …
Rohrer: Diese Leute mit an Bord zu holen, ist eine gute Idee. Es ist wichtig, sie in einen Bildungsauftrag miteinzubeziehen und ihre Kanäle für sinnvolle Nachrichten zu benutzen. Gerade wenn man an die 12- bis 16-Jährigen denkt, bei denen YouTube-Stars die höchste Bekanntheit haben.

profil: Wie manipulierbar ist diese Zielgruppe tatsächlich?
Rohrer: Obwohl sie gerne nachkaufen, was YouTube-Stars bewerben, haben Jugendliche inzwischen ein besseres intuitives Gespür für die Authentizität der Videos. Was nach wie vor zu kurz kommt in der öffentlichen Wahrnehmung ist, dass 90 Prozent der YouTuber bei einer Agentur sind. In Österreich sind die zehn erfolgreichsten YouTuber unter das Dach von diego5 geholt worden, und in Deutschland stecken die erfolgreichsten unter dem Label der Agentur Mediakraft. Sie sind alle Unternehmer und YouTube ist ein Medienkanal, der dementsprechend genutzt wird. Darüber sollte man diskutieren. Aber an der Tatsache, dass Kinder heute auf diese Art Medien konsumieren, wird das dennoch nichts ändern.

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