Verkehrssünden

Verkehrssünden

Neue Technologien in den Autos und an den Straßen könnten das Autofahren noch sicherer machen, wäre da nicht der Faktor Mensch: Die Österreicher unterschätzen die Gefahren im Straßenverkehr – und die eigene Verantwortung.

Worüber regen sich österreichische Autofahrer am liebsten auf? Richtig: über alle anderen. Vom Gesetzgeber über Radfahrer bis zur Exekutive, vom lästigen Fußgänger über die Müllabfuhr bis zu Baufirmen – jeder bekommt sein Fett ab. Nur bei sich selbst sehen die meisten Kfz-Lenker wenig bis gar keinen Handlungsbedarf. Das könnte einer der Gründe sein, weshalb Österreich in Sachen Verkehrssicherheit nicht gerade ein Vorbild in Europa ist. Zwar liegt das Land laut einer Untersuchung der Europäischen Kommission in einem Ranking dazu immerhin auf Rang 9, drei Plätze hinter Deutschland. Erschreckend ist jedoch die Nonchalance, mit der hierzulande die Gefahren im Straßenverkehr als gottgegeben hingenommen werden. Die Kombination aus Überschätzung des eigenen Könnens und Unterschätzung potenzieller Unfallursachen macht die beliebteste Fortbewegungsmethode riskanter als nötig:

  • Für rund ein Drittel der Österreicher ist laut Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) die Verwendung eines Handys während des Fahrens – und zwar ohne Freisprecheinrichtung – nicht weiter problematisch.
  • Dabei ist Ablenkung laut einer Studie der Allianz für knapp ein Drittel aller tödlichen Unfälle in Österreich (das sind 130 Tote jährlich) verantwortlich. Nicht nur Telefonieren, sondern auch das Benutzen von Bordcomputer und Navi kann eine gefährliche Tätigkeit sein. Und die Ausstattung moderner Fahrzeuge erhöhe diese Risiken sogar.
  • Jeder dritte Lenker schreibt während der Fahrt Textnachrichten.
  • Nicht nur die Technik, auch menschliche Emotionen können die Sicherheit minimieren: Bei fast der Hälfte der Lenker kommt es laut besagter Allianz-Untersuchung hin und wieder zu „aggressiven Situationen“ mit den Passagieren im Auto.
  • Sieben Prozent der österreichischen Autofahrer gurten sich nicht an, der Anteil der Gurtenmuffel ist zuletzt wieder gestiegen.

Möglicherweise befinden wir uns gerade in einer Übergangsphase zwischen totaler Eigenverantwortung beim Autofahren und kompletter Übernahme des Fahrens durch Computer: Die zahlreichen Sicherheitseinrichtungen in den Autos, von der Verkehrszeichenerkennung bis zum Warnsignal beim Überqueren von Fahrstreifen, tragen zwar zur Erhöhung der Sicherheit bei, könnten aber auch ein Gefühl von Sicherheit vortäuschen. Eine Sicherheit, die es angesichts des steigenden Verkehrsaufkommens und der Geschwindigkeit, mit der wir beispielsweise auf Autobahnen unterwegs sind, gar nicht geben kann. Die Gesetze der Physik kann kein noch so kluger Bordcomputer, kein noch so geschickter Autofahrer beim Aufprall oder beim Schleudern ungeschehen machen. Und was der Gesetzgeber vorschreibt, wird zumindest kritisiert, wenn nicht ignoriert.

Obwohl jeder vorgebliche Angriff auf das Recht der Autofahrer auf das sogenannte „sportliche “ Fahren politisch äußerst heikel ist, gibt es heuer dennoch einige Maßnahmen, die die Verkehrssicherheit erhöhen sollen: Die Probezeit für Führerschein-Neulinge wurde von zwei auf drei Jahre verlängert, Radarfotos können nun auch zwecks Bestrafung von Handy-Nutzern und Gurtenverweigerern genutzt werden. Außerdem hat eine fünfjährige Pilotphase zur Überprüfung der Praxistauglichkeit sogenannter Alkolocks begonnen – diese lassen das Auto erst dann wegfahren, wenn der Fahrer zeigt, dass er nicht betrunken ist. Diese Wegfahrsperren werden bei überführten Alko-Lenkern zum Einsatz kommen, die frühestens zwei Monate nach einem Führerscheinentzug ein solches Gerät im Auto einbauen lassen können.

300 Millionen Euro werden heuer in die Tunnelsicherheit in Österreich investiert.

427 Menschen sind im Vorjahr auf Österreichs Straßen ums Leben gekommen, die meisten davon in Niederösterreich (111), die wenigsten in Vorarlberg (11). Verkehrsminister Jörg Leichtfried will die Zahl bis 2020 halbieren.

46 Verkehrstote gab es im Vorjahr auf Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich. Zum Vergleich: 2001 waren es 179 Verkehrstote.

26.000 Personen wird jährlich in Österreich der Führerschein wegen Alkohol am Steuer entzogen.