Stil-Labor von Michaela Ernst: Pin-Wand

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Alles Private ist Statement. Das gilt für Postings (Facebook? Twitter? Instagram?), kulinarische Praktiken (Vegan? Frugan? Fischan?), Einrichtungsfaibles (Retro? Smart? Ikea?) und vor allem für Mode.

Nachdem in den vergangenen Jahren Sprüche-T-Shirt, Statement-Brille und Statement-Watch zu unverzichtbaren Basics avancierten, wird nun ein weiteres altbekanntes, geradezu altbackenes Accessoire intellektualisiert: die Brosche. Flott der Mottenkiste entflohen, hat sie den Sprung auf die Laufstege geschafft: Man findet sie bei Prada, Lanvin oder Celine - auf Kleidern, Taschen, Schuhen und im Haar. Auch Hollywood macht das Lieblingsschmuckstück staatstragender Damen (die Queen, Margaret Thatcher, Benita Ferrero-Waldner) zum It-Accessoire. Serienstar Sarah Jessica Parker fixierte mit einer Brillant-Spange ihr Halsfähnchen überm schulterfreien Dekolleté, Salma Hayek brachte mit einer Sonne ihre Taille zum Funkeln, Film-Beau Jared Leto löcherte bei der Oscar-Verleihung sein Sakko mit einem Röschen von Juwelier Fred Leighton.


Immer die Botschaft bedenken, bevor man den modischen Stachel ausfährt!

Wichtig beim neuen Ansteckschmuck ist vor allem eines: Er muss üppig und groß sein und eine Geschichte erzählen. Madeleine Albright, ehemalige US-Außenministerin und bis dato unangefochtene Weltmeisterin der Brosche, zeigte bereits in den Nineties, wie man mit Omas Wunderwaffe die richtigen Stiche setzt: Nachdem sie von irakischen Medien als Giftschlange bezeichnet worden war, tauchte sie bei einem Treffen mit irakischen Regierungsvertretern mit einer Schlange am Revers auf. Jassir Arafat begegnete sie mit einer mit Brillant besetzten Wespe - "Wespen nahm ich an Tagen, an denen ich ein bisschen sticheln wollte.“ Also immer die Botschaft bedenken, bevor man den modischen Stachel ausfährt!

ernst.michaela@profil.at