Sebastian Hofer: Becken-Bildung

Sebastian Hofer: Becken-Bildung

Die großen Ferien sind schon wieder bedrohlich nahe, und wer nicht das Glück hat, von seinen Eltern zur Sommerüberbrückung in den Sprachkurs oder ein Logarithmenbootcamp eingewiesen zu werden, muss bis zum Herbst halt wohl oder übel vom Leben lernen.

Am besten geht das natürlich im Freibad. Unter anderem lernt man dort:

Kopfrechnen: Wenn zwei Mädchen mit drei Burschen anbandeln, wird am Ende mindestens einer heulen.

Geometrie: Wer auf der Liegewiese brav um die ausgelegten Handtuchinseln herumkreuzt, braucht länger bis zum Fußballfeld als der, der stur geradeaus rennt.

Politische Bildung: Wer stur über Handtuchinseln rennt, wird von den Inselbewohnern nicht so gern gemocht.

Schlussrechnung: Wenn drei Randsprünge hintereinander den Bademeister zur Weißglut treiben und die Aufmerksamkeitsspanne des Bademeisters ungefähr zehn Sekunden beträgt: Wie viele Randsprünge sind innerhalb einer Minute ohne Schwimmbadverweis maximal möglich?

Philosophie: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie Badeordnung werde.

Latein: Quod licet 16-Jährigen, non licet Zwölfjährigen.

Relativitätstheorie: 25 Meter tauchen - dauert lang. Am Büffet warten, bis die Pommes fertig sind - extrem lang. Restzeit bis Badeschluss - kürzest.

Literatur: (nach M. Proust): Das Tschisi-Eis ist einfach nicht mehr dasselbe wie vergangenes Jahr. Und die Mädchen schauen einem auch nicht mehr hinterher. Wo ist die Zeit bloß hin?