Anteilnahme bei der Gedenkstätte für die in Dallas erschossenen Polizisten.

Anteilnahme bei der Gedenkstätte für die in Dallas erschossenen Polizisten.

Ausland

Rachefeldzug

Das Blutbad von Dallas und das zerrüttete Verhältnis zwischen den Afro-Amerikanern und der Polizei.

Fünf tote und sieben verletzte Polizisten, ein getöteter Attentäter und mehrere inhaftierte Verdächtige: Die (vorläufige) Bilanz eines Scharfschützen-Hinterhalts in der US-Stadt Dallas ließ bei Redaktionsschluss von profil noch einige Fragen offen. Am Freitagabend stand jedoch bereits fest, dass die Schüsse ein Racheakt für brutale Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern waren. Er habe gezielt weiße Exekutivbeamte ins Visier genommen, erklärte der mutmaßliche Einzeltäter Micah Xavier Johnson (25). Wenig später kam der Armee-Reservist selbst ums Leben - durch eine Bombe, welche die Behörden mittels Entschärfungsroboter in seiner Nähe platziert hatten.

Das Blutbad von Dallas ist vor dem Hintergrund des zerrütteten Verhältnisses zwischen der US-Polizei und der afroamerikanischen Bevölkerung zu sehen, die in den Vereinigten Staaten besonders häufig Opfer von Übergriffen durch die Exekutive wird. Allein vergangene Woche wurden binnen 48 Stunden zwei Schwarze von Beamten erschossen: beide Male, ohne dass eine ersichtliche Gefahr von ihnen ausgegangen war. Ähnliche Fälle hatten in den vergangenen Monaten immer wieder für Aufsehen gesorgt und waren der Anlass für eine Demonstration in Dallas am vergangenen Donnerstagabend, die Johnson als Schauplatz seines Angriffs wählte.

Die einschlägigen Zahlen sind tatsächlich in jeder Hinsicht beunruhigend. Seit Jahresbeginn kamen in den USA 556 Menschen bei Polizeieinsätzen ums Leben, darunter 136 Afro-Amerikaner - gemessen an der ethnischen Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung fast zweieinhalb Mal mehr als Weiße (279). Rund die Hälfte der Getöteten hatte Feuerwaffen bei sich. Im selben Zeitraum starben 26 Polizisten durch Schüsse.

Die Auswirkungen des Massakers von Dallas auf den US-Wahlkampf waren vorerst nicht abzuschätzen. Beide Kandidaten beeilten sich jedenfalls, Stellungnahmen dazu abzugeben - Hillary Clinton mit einem Bekenntnis zur "heiligen Pflicht“ der Polizei, die Bevölkerung zu schützen, Donald Trump mit der Forderung nach der "Wiederherstellung von Recht und Ordnung“.

Die Zahlen

  • 556 von US-Polizisten getötete Menschen seit Jahresbeginn
  • 136 davon Afro-Amerikaner
  • 57 im Dienst getötete US-Polizisten seit Jahresbeginn
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