Gemächer in Castel Gandolfo: Im Schlafzimmer der Päpste wurden während des Zweiten Weltkrieges zeitweise Flüchtlinge einquartiert und Kinder zur Welt gebracht.

Gemächer in Castel Gandolfo: Im Schlafzimmer der Päpste wurden während des Zweiten Weltkrieges zeitweise Flüchtlinge einquartiert und Kinder zur Welt gebracht.

Ausland

Zu Besuch beim Papst

Nicht nur, dass Papst Franziskus die Tore seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo für zahlende Besucher öffnet -neuerdings lässt er sie sogar in sein Schlafzimmer.

Ab Ende dieses Monats können dort nicht nur sein ehemaliges Nachtgemach, sondern auch andere Räume besichtigt werden, die bislang nicht zugänglich waren: das Studio, die Bibliothek und die Privatkapelle.

Grund: Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat Franziskus die prächtige Barockvilla mit Blick auf Rom und die Küste nie genutzt. Touristen bekommen dort große, zumeist mit gelbfarbener Seide ausgeschlagene Räume zu sehen, die aber erstaunlich bescheiden eingerichtet sind - von protzigen und kostbaren Barockmöbeln und teuren Gemälden keine Spur.

Besonders kurios ist die Geschichte des ehemaligen päpstlichen Schlafzimmers. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges diente es als Flüchtlingsunterkunft. Pius XII. hatte die Sommerresidenz für die nach den Bombenangriffen der Alliierten obdachlos gewordenen Bürger von Castel Gandolfo geöffnet. Das Schlafzimmer der Päpste wurde während dieser Zeit zum Geburtszimmer umfunktioniert. Dort, wo zuvor und danach die Päpste schlummerten, kamen Kinder zur Welt.

Die Öffnung der vatikanischen Besitztümer soll indes noch weitergehen. Nachdem Franziskus die Gärten von Castel Gandolfo touristisch nutzen ließ, ist nun die Urlaubsvilla an der Reihe -und auch der päpstlichen Bauernhof, der zur Residenz gehört. Die Musterfarm versorgt den Pontifex und einige ausgewählte Kardinäle täglich mit frischem Obst, Gemüse und mit Eiern von glücklichen Hühnern, deren Stall einer Renaissancevilla nachempfunden ist.

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