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12/08/2016

Fauler Zauber

Warum das "Internet der Dinge“ gefährlicher Unsinn ist.

von Christian Rainer

Hört endlich auf damit, neue digitale Geräte zu erfinden. Wir haben genug davon. Kein Mensch braucht ein iPhone 8 oder 9, das auch nicht viel mehr kann als die vorangegangenen Modelle. Ganz zu schweigen von dem Quatsch, der uns unter dem Namen "Internet der Dinge“ verkauft wird. Niemand braucht vernetzte Kaffeemaschinen und Heizungsthermostate oder Kühlschränke, die ihre Lebensmittel selbst bestellen. Das "Internet der Dinge“ ist ein gefährlicher Unsinn, der uns noch viele Probleme bereiten wird. Das erste Problem ist die Sicherheit. Da vernetzte Alltagsgegenstände billig sein müssen, sind sie oft unzureichend gegen Zugriffe geschützt; erste Hackerangriffe aufs Internet der Dinge gab es bereits. Zugleich weiß man oft nicht, welche Daten solche Geräte eigentlich über den Nutzer sammeln. Es wäre eine Ironie der modernen Welt, wenn ausgerechnet banale Haushaltsgegenstände eines Tages einen Daten-Super-GAU auslösten. Das zweite Problem: Vernetzte Geräte verkomplizieren die Handhabung oft, statt sie zu vereinfachen. Bei einer analogen Kaffeemaschine weiß jeder, wie sie funktioniert. Vernetzte Geräte hingegen haben zusätzliche Funktionen, die man erst erlernen muss. In der analogen Welt "hat“ man einfach eine Kaffeemaschine, im Netz der Dinge "nutzt“ man sie. Das ist pervers. Das dritte Problem: Die Vernetzung verändert den Dingcharakter der Dinge - und damit die Ontologie unserer Welt. Eine digital vernetzte Kaffeemaschine, die mit dem Internet kommuniziert, ist keine normale Kaffeemaschine mehr. Sie ist irgendwie verzaubert. Das entfremdet uns von den Dingen unseres Alltags. Eine Kaffeemaschine, die mit anderen Gegenständen "spricht“, ist nicht mehr meine Kaffeemaschine. Sie gehört gleichsam zu einer anderen Welt - zu einer Welt, zu der wir Menschen keinen Zutritt mehr haben. Wie denken Sie darüber? Bitte schreiben Sie mir unter [email protected].