Hammer-Händchen
Gesellschaft

Hammer-Händchen: Jakob Pöltl in der NBA

Jakob Pöltl ist der erste Österreicher in der NBA. Statt Gmunden oder Kapfenberg stehen seit kurzem Los Angeles oder New York auf dem Spielplan des 21-jährigen Basketballers.

Jakob ging noch, aber bei Pöltl haperte es schon. „Wie spricht man Ihren Namen richtig aus?“, lautete im vergangenen Jahr eine beliebte Frage an Jakob Pöltl. Nach zwei erfolgreichen Jahren als Spieler am College in Salt Lake City wechselte der Wiener im Sommer 2016 als erster Österreicher in die NBA zum Topklub Toronto Raptors. Mittlerweile ist der Name des 21-Jährigen vollständig in der besten Basketballliga der Welt angekommen. „Oh, Pöltl with the Austrian Hammer“, hieß es wenige Wochen nach Pöltls Debüt, als dieser mit einem spektakulären Dunk auf sich aufmerksam machte. Mit einem Empfang als möglicher NBA-Meister bei Präsident Donald Trump will sich Pöltl aber vorläufig trotzdem noch nicht beschäftigen.

Interview: Stephan Wabl

profil: Wie lautet ihr Zwischenfazit nach einem halben Jahr als erster Österreicher in der NBA?
Pöltl: Es geht mir gut, aber so richtig stolz bin ich erst, wenn ich mich durchgesetzt habe.
profil: Werden Sie denn überhaupt als Österreicher wahrgenommen?
Pöltl: Das Medieninteresse ist allgemein sehr groß, das bekomme auch ich im positiven Sinn zu spüren – allerdings weit weniger als die Top-Spieler. Dass ich der erste Österreicher in der NBA bin, wird von den Medien immer wieder erwähnt.


profil: Sie waren am College im bescheidenen Salt Lake City, leben jetzt in der Metropole Toronto. Haben Sie sich schon zurechtgefunden?
Pöltl: Was mir in Toronto gefällt, ist die Professionalität und Lockerheit, mit der die Dinge angegangen werden sowie die große Sportbegeisterung. Downtown finde ich mich mittlerweile ganz gut zurecht, den Überblick über das große Ganze habe ich aber noch nicht.
profil: Sie haben zuletzt innerhalb weniger Tage in Portland, Oakland, Phoenix, Los Angeles, San Antonio, Toronto und Chicago gespielt. Wie stehen Sie das durch?
Pöltl: Dass die Reiseintensität in der NBA hoch ist, war mir klar. Es klingt schlimmer als es ist, da die Zeitverschiebung nie mehr als drei Stunden beträgt. Ein wenig schade ist, dass ich von den Städten – abgesehen vom Flughafen, dem Hotel und der Halle – so gut wie nichts mitbekomme.

"Oh, Pöltl with the Austrian Hammer!" Pöltls Dunk gegen Atlanta

profil: Sie haben mit Lucas Nogueira und Jonas Valanciunas starke Konkurrenz auf Ihrer Position. Wie gehen Sie damit um?
Pöltl: Jonas ist einer der besten Center in der NBA. Ich werde von beiden in jedem Training voll gefordert und kann mir viele Dinge von ihnen abschauen. Die Qualität in den Reihen der Raptors ist ausgezeichnet, die starke Konkurrenz ist für meine Weiterentwicklung sehr wertvoll.
profil: Haben Sie Bezugspersonen, die Sie in Ihrem ersten Jahr begleiten? Zum Beispiel Mitspieler?
Pöltl: Dass mit Delon Wright ein ehemaliger College-Teamkollege im Kader steht, hat mir am Anfang sehr geholfen. Wir haben einige erfahrene Spieler, die den Jungen immer wieder Tipps geben. Die Kommunikation mit den Coaches läuft ebenfalls sehr gut. Auch im Rundherum gibt es genügend Leute, die uns in ihren Bereichen weiterhelfen. Natürlich haben mich auch meine Familie und meine Agentur beim Einstieg sehr unterstützt


Ich muss bereit sein, wenn mein Team mich braucht. Das hat bisher sehr gut funktioniert.

profil: Wie hindert man eigentlich LeBron James, den weltbesten Spieler, daran, Korb um Korb zu werfen?
Pöltl: Das ist eine gute Frage. Im Alleingang ist es extrem schwierig, da er unglaublich athletisch, kräftig und auch technisch stark ist. Man kann ihn als Team zum Beispiel durch Doppeln etwas einschränken, aber da er ein hervorragender Passwerfer ist, findet er häufig die offenen Mitspieler. Nicht umsonst hat er mit seinen Teams Miami Heat und Cleveland Cavaliers in den letzten fünf Jahren dreimal die Meisterschaft gewonnen.
profil: Was waren bislang Ihre größten Herausforderungen?
Pöltl: Ich muss bereit sein, wenn mein Team mich braucht und das hat bisher sehr gut funktioniert. Zu Beginn habe ich von Verletzungen meiner Mitspieler profitiert, bin auf überdurchschnittlich viel Einsatzzeit gekommen. Das hat sich zuletzt wieder auf das zu erwartende Maß eingependelt. Eine Herausforderung ist sicherlich die Tatsache, dass das Teamtraining aufgrund des dichten Spielplans während der Saison stark limitiert ist.

Pöltl im Dress der Toronto Raptors, dem einzigen NBA-Team aus Kanada

Pöltl im Dress der Toronto Raptors, dem einzigen NBA-Team aus Kanada

profil: Sie haben vor sieben Jahren Ihr erstes NBA-Spiel im legendären Madison Square Garden in New York gesehen. Im Februar kehren sie dorthin als Spieler zurück. Sind Sie schon nervös?
Pöltl: Ich hatte am College bereits das Vergnügen, im Madison Square Garden zu spielen. Die Vorfreude ist groß und es macht mich stolz, im Dress der Raptors als NBA-Spieler zurückzukehren. Ich habe meinen Traum verwirklicht. Aber mein Weg ist noch lange nicht zu Ende.
profil: Die Toronto Raptors haben mit Masai Ujiri den ersten gebürtigen Afrikaner als Manager. Was bedeutet das für den Klub und die Liga?
Pöltl: Der Werdegang von Ujiri ist ein besonderer, seine Arbeitseinstellung hat einen prägenden Einfluss auf den ganzen Klub. Zudem ist sein Einsatz für das Projekt „Basketball Without Borders“ in Afrika für den Kontinent immens wichtig.

profil: Viele NBA-Spieler haben sich im Zuge der Präsidentschaftswahlen politisch positioniert. Österreichische Sportler sind diesbezüglich sehr zurückhaltend.
Pöltl: Sportler haben eine Vorbildfunktion, wie sie mit dieser umgehen, muss jeder für sich entscheiden. Ich konzentriere mich auf meine Aufgaben und hoffe, dass mein Weg nicht nur begeistert, sondern vor allem Kinder und Jugendliche zur Bewegung motiviert.
profil: Einige Spieler haben angekündigt, den traditionellen Meisterempfang bei US-Präsident Donald Trump aus politischen Gründen zu boykottieren. Was würden Sie machen?
Pöltl: Mit solchen Dingen beschäftige ich mich im Moment überhaupt nicht.

Jakob Pöltl spielte in seiner Jugend bei den Vienna D.C. Timbervolves und in der Saison 2013/14 ein Jahr in der österreichischen Basketball-Bundesliga. Danach wechselte er in die USA und spielte am College in Salt Lake City für die Utah Utes. Im Sommer 2016 verpflichteten die Toronto Raptors den Center beim Draft Pick der NBA.

Alter: 21 Jahre
Größe: 213 Zentimeter
Gewicht: 112 Kilogramm
Verein: Toronto Raptors
Spielstatistik im Schnitt: 11 Minuten Einsatzzeit, 2.3, Punkte, 3.0 Rebounds, 0.3 Blocks
Jahresgehalt: 1,1 Millionen Dollar

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  • michael schneider (schneida)
    michael schneider (schneida) Mi, 25. Jan. 2017 21:54

    keep it up, the austrian hammer! XXX www.tripledouble.blog XXX

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