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Zur Wiederwahl von ORF-Chef Wrabetz.

Nach seiner nicht sonderlich glorreichen Wiederwahl zum ORF-Chef erklärte Alexander Wrabetz: "Bei uns hat nicht die Regierung einen Generaldirektor bestellt." Diese Äußerung wurde angesichts der hinlänglich vertrauten Farbenarithmetik im Stiftungsrat als blanker Zynismus ausgelegt, womit man Wrabetz jedoch unrecht tat: Denn hätte die Regierung, die bekanntlich von SPÖ und ÖVP gebildet wird, den Generaldirektor bestellt, wäre idealerweise kein "Roter" gegen einen "Schwarzen", sondern ein über alle Parteipunzierungen zweifelsfrei erhabener Kandidat angetreten.

Eine ebenso berückende wie naive Vorstellung, denn am Ende setzte sich die von der SPÖ klar favorisierte Personalvariante durch, und die ÖVP musste ihre Niederlage einbekennen. Insofern wiederum wurde der in Österreich seit Jahrzehnten praktizierte Koalitionsalltag durchaus stimmig abgebildet, was aber immer noch nicht bedeutet, dass die Regierung den ORF-Generaldirektor bestellt hätte. Sie lagerte nur das unfreie Spiel der Kräfte auf einen höchst neuralgischen Nebenschauplatz aus und warf den rot-schwarzen Mehrheitsbeschaffungsgenerator an, der, wie man weiß, mal solche und mal solche Ergebnisse ausspuckt. Dass Rot und Schwarz sich realpolitisch schon längst von soliden Mehrheiten verabschiedet haben, ist der wahre Clou in diesem alles andere als würdevollen Schauspiel: ein schaler Treppenwitz, über den niemand mehr lachen mag - abgesehen vielleicht von Alexander Wrabetz, aber ihm kann man es wirklich nicht verdenken.

sven.gaechter@profil.at

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