Feinzeichnung eines Kulturskandals
Kultur

Feinzeichnung eines Kulturskandals: Der Rechnungshofbericht zum Burgtheater

Wie der Rechnungshof-Endbericht zur Burg-Affäre die Ereignisse noch einmal auf den Punkt bringt: Feinzeichnung eines Kulturskandals. Kommentar von Stefan Grissemann.

Bahnbrechend Neues hat der lange angekündigte, erwartungsgemäß voluminöse Rechnungshofbericht zur Burgtheateraffäre nicht zu bieten, aber eine Art Feinzeichnung des Skandals leistet er: die Chronik eines Totalabsturzes. Geprasst wurde nach allen Seiten, freihändig vergab man enorme Summen für oft zweifelhafte Leistungen, während der Chef, Matthias Hartmann, nicht nur die ihm zugewiesenen Budgets massiv überzog, sondern sich auch noch jede seiner Regiearbeiten extra abgelten ließ. Seine rechte Hand, die kaufmännische Direktorin, Silvia Stantejsky, trickste dazu nach allen Regeln der Kunst, schminkte die Bilanzen und schützte ihr Chaos-Management vor dem Zugriff durch Holding-Chef Georg Springer und den Aufsichtsrat. Niemand fragte genauer nach, denn an der Burg, so meinte man, war immer so gearbeitet worden – als wäre der traditionelle Luxus eines Staatstheaters über die banalen Einwürfe der Pfennigfuchser erhaben.


Pikant mutet die Frage an, in welchem Ausmaß der neue Kulturminister Thomas Drozda als einstiger Burg-Geschäftsführer für die Wahl der (damals nur drittgereihten) Silvia Stantejsky zur Burgtheater-Geschäftsführerin 2008 verantwortlich war.

Das alles war bekannt, aber in der Zusammenschau erscheint das Ausmaß des Versagens aller Kontroll- und Aufsichtsorgane doch surreal. Die auch in profil über Jahre von allen Seiten beleuchtete Affäre, die in Hartmanns unfreiwilligem Abgang kulminierte, wird noch in Jahrzehnten als Modellfall eines kulturpolitischen Desasters gelten können. Durchaus pikant mutet nun aber auch die Frage an, in welchem Ausmaß der neue Kulturminister Thomas Drozda als einstiger Burg-Geschäftsführer für die Wahl der (damals nur drittgereihten) Silvia Stantejsky zur Burgtheater-Geschäftsführerin 2008 verantwortlich war.

grissemann.stefan@profil.at

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