Liebesmiau und Post-Depression
Kultur

Neue Alben: Lovecat und Against Me

Liebesmiau und Post-Depression: profil unerhört präsentiert die Alben der Woche.

Lovecat: The Great Catsby (Fabrique Records)

Wer seit 20 Jahren Musik macht, beim Punk Rock begonnen hat und nun bei der Schmusekatze angekommen ist, die schönen wie die dunklen Zeiten durchgemacht und hinter sich gelassen hat, nur um danach das ständige Auf und Ab wieder von vorne zu beginnen, wer diesen Weg gegangen ist, und sich dann mit einem Debütalbum im Alter von 40 Jahren auf die Bühne stellt und singt: "I leave it all behind and ride a rainbow", dem kann man zu so viel Mut mit Hang zum Kitsch in Zeiten von Krisen, Terror und Angst nur gratulieren.

David Haering hat mit seinem Elektropop im Fell der Lovecat den Schmerz, die Selbstzweifel und die Unsicherheit die jeder in seinen Jahren so anhäuft in zwölf Songs verpackt, sie eingängig, emotional und tanzbar durchgeschüttelt, und am Ende mit einem ordentlichen Schuss Liebe in die Welt entlassen. Den 12 Stücken hört man fünf Jahre nach der ersten EP trotz düsterer Passagen den neugewonnen Optimismus stets an, so dass man am Ende gar nicht anders kann, als alles hinter sich zu lassen und auf den Regenbogen aufzuspringen. (8.0/10) S.W.

LOVECAT - Song For Eternity (feat. Jill Possible)

Against Me!: Shape Shift With Me (Xtra Mile/Indigo)

Es ist ein wenig Ruhe eingekehrt im Leben von Laura Jane Grace, der Sängerin von Against Me!
Nach dem sie vor vier Jahren öffentlich verkündete, sie werde von nun an nicht mehr als Mann sondern als Frau weiterleben, wurde es turbulent im neuen Leben. Es folgten Depressionen, Alkohol, Drogen, ein Selbstmordversuch und ein mitreißendes Album. Transgender Dysphoria Blues von 2014. Ihr möglicherweise bestes Album in 19 Jahren Bandgeschichte. Aggressiv und hymnisch, ehrlich und befreiend.

Shape Shift With Me beschreibt die Zeit danach. Es ist ein Beziehungsalbum und erzählt von Liebe und allen Schwierigkeiten, die unweigerlich dazugehören. Geschlecht spielt hier keine Rolle. Laut Laura war es das am einfachsten geschriebene Album ihrer Karriere. Das hört man auch in einem sehr homogenen Songwriting und einem wieder einmal einmaligen Gespür für Gesangslinien. Allgemein ist Shape Shift With Me minimalistischer instrumentalisiert und in der Produktion weniger eindringlich wie sein Vorgänger. Das tut dem Album gut und passt zur Grundstimmung. Ach, und was noch nicht erwähnt wurde: Es ist ein Punk-Album. (7.2/10) H. S.

Against Me! - "Crash"

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